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Ein lauer Abend in Taquari, 42.533 Zuschauer, und ein Heimteam, das offenbar beschlossen hatte, den Gästen aus Iteno eine kleine Lehrstunde in Sachen Spielfreude zu erteilen. CF Taquari besiegt CD Iteno mit 3:0 (1:0) - und das auf eine Weise, die selbst die Stadionkatze in Verzückung versetzt hätte. Schon die ersten Minuten zeigten, wohin die Reise geht. Taquari, trainiert vom stets charmant-sarkastischen Tim Thaler, spielte mit 54 Prozent Ballbesitz und der Überzeugung, dass das Tor des Gegners ein legitimes Reiseziel sei. Iteno hingegen schien eher auf Bildungsreise: drei Torschüsse in 90 Minuten - vermutlich, um zu zeigen, dass sie auch dabei waren. In der 17. Minute dann die erste Explosion: Lionel Xavier, 32 Jahre alt, so elegant wie ein Tangotänzer, empfängt einen Pass von Eduardo Mendo und schiebt den Ball mit der Lässigkeit eines Mannes ein, der genau weiß, dass er heute Abend noch öfter in den Schlagzeilen stehen wird. "Ich hab den Ball gar nicht richtig getroffen", grinste Xavier später, "aber er wollte wohl einfach rein." 1:0, und der Jubel hallte bis in die Vororte. Iteno versuchte, sich zu wehren, doch was soll man tun, wenn der Gegner 22 Mal aufs Tor schießt und man selbst gerade mal drei halbherzige Versuche zustande bringt? Ihr Mittelfeld um Eduardo Tiago kämpfte tapfer, aber meist gegen den Wind. Trainer Thaler kommentierte trocken: "Wir haben ihnen den Ball gegeben, damit sie ihn uns zurückgeben. Hat gut funktioniert." Nach der Pause wechselte Thaler munter durch - sogar der 17-jährige Torhüter Robin Zentner durfte ran. Vielleicht, um ihm zu zeigen, wie es aussieht, wenn seine Vorderleute die Arbeit erledigen. Denn Zentner hatte ungefähr so viel zu tun wie ein Schiedsrichter in einem Freundschaftsspiel im Park. In der 57. Minute dann das 2:0: Attila Detari, der ungarische Wirbelwind im Sturmzentrum, vollendete nach Vorarbeit von Alessio Visintin. Ein klassischer Angriff über links, ein Pass in die Tiefe, ein Abschluss - und Itenos Keeper Tomo Leko hechtete vergeblich. "Ich hab nur die Staubwolke gesehen", klagte Leko später mit einem gequälten Lächeln. Von da an war es eine Demonstration. Laurent Billet tanzte an der rechten Seite, Francisco Doreste, der jugendliche Flügelflitzer, probierte gleich mehrfach sein Glück - sein Schuss in der 86. Minute strich nur knapp vorbei. Dafür kassierte er kurz vor Schluss noch Gelb, offenbar, weil er zu viel Energie hatte. "Ich wollte nur den Ball zurückholen", erklärte er treuherzig. In der Nachspielzeit folgte dann das Sahnehäubchen: Wieder Lionel Xavier, wieder eiskalt. Nach Pass von Linksverteidiger Jozef Kozacik drückte er das Leder zum 3:0 über die Linie. Der Applaus war ohrenbetäubend, und selbst Thaler, sonst eher der Typ Pokerface, musste schmunzeln. "Wenn er so weitermacht, muss ich ihm bald das Mikrofon verbieten - sonst redet er mir noch das Taktikbrett kaputt." Iteno? Nun, sie hatten ihre Momente. Carl Antunes versuchte in der 72. Minute einen Schuss, der immerhin in Richtung Tor ging, und Ferdinand Afzelius holte sich in der 79. Minute eine Gelbe Karte - vielleicht, um zu beweisen, dass auch er existiert. Am Ende bleibt ein klarer Befund: CF Taquari war in jeder Hinsicht überlegen - mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, mehr Ideen. 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe sprechen eine deutliche Sprache. Iteno hingegen wirkte, als habe man ihnen das Drehbuch zu spät gegeben. Xavier wurde zum Mann des Abends, zwei Tore, ein Dauerlächeln. "Es war einer dieser Abende, an denen alles klappt - sogar der Kaffee in der Kabine war perfekt", sagte er nach Abpfiff. Und Trainer Thaler? Der blickte noch einmal auf die Anzeigetafel und murmelte: "3:0 - das sieht man gern. Aber ich hätte gern das vierte gehabt. Für die Statistik." Man darf gespannt sein, was sein Team am nächsten Spieltag anstellt. Wenn CF Taquari so weitermacht, wird die 1. Liga Paraguay bald ein neues Lieblingswort lernen: Effizienz mit Stil. 18.07.643993 22:58 |
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