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Ein lauer Abend in Paraguay, 43.500 Zuschauer im Estadio Taquari, und auf dem Rasen eine Mannschaft, die offenbar beschlossen hatte, früh klarzumachen, wem dieses Stadion gehört. CF Taquari besiegte am 5. Spieltag der 1. Liga Paraguay die Gäste von Fernandino Colombia mit 2:0 (1:0) - und das war, bei aller Sympathie für die Kolumbianer, noch schmeichelhaft. Schon in der vierten Minute zischte der erste Schuss von Attila Detari knapp am Pfosten vorbei. Acht Minuten später war’s dann soweit: Rechtsaußen Carlos Deco zog nach feinem Zuspiel von Laurent Billet in den Strafraum, ließ zwei Verteidiger aussehen wie Verkehrshütchen und schob eiskalt zum 1:0 ein. "Ich hab einfach gespürt, dass der Torwart zu früh runtergeht", grinste Deco nach Abpfiff und zeigte dabei mehr Gelassenheit als mancher Torjäger im Elfmeterpunkt. Fernandino versuchte, mit gepflegtem Kurzpassspiel Ruhe reinzubringen, hatte aber ein Problem: Sie kamen kaum über die Mittellinie. CF Taquari spielte offensiv, aggressiv, lauffreudig - und das mit Methode. Trainer Tim Thaler hatte seine Elf auf "Vollgas mit Verstand" eingestellt, wie er später sagte. "Wir wollten sie gar nicht erst glauben lassen, dass hier was zu holen ist." Und das funktionierte. 52,7 Prozent Ballbesitz und 15 Schüsse aufs Tor sprechen eine klare Sprache. Taquari presste zwar nicht wild, aber clever - immer dann, wenn der Gegner in den eigenen Reihen zu viel überlegte. Das führte zu Szenen, in denen der Gast aus Kolumbien den Ball lieber ins Seitenaus drosch, als noch einen Pass zu riskieren. Kurz vor der Pause wurde’s kurz turbulent. Zunächst musste Fernandinos Stürmer Jorge Pelegrin einen satten Schuss von Deco auf der Linie klären - mit dem Knie, nicht mit der Hand, obwohl einige Fans im Stadion schon den Elfmeterpfiff gehört haben wollten. Dann humpelte Pelegrin selbst verletzt vom Platz. "Ein unglücklicher Moment, aber wir mussten reagieren", erklärte Fernandinos Co-Trainer nach dem Spiel. Rui Rielo kam für ihn, konnte dem Spiel aber auch keinen neuen Glanz verleihen. Nach dem Seitenwechsel ging CF Taquari weiter mit Druck zu Werke. Jose Enrique Exposito, der zentrale Mittelfeldmotor, hatte schon in der 59. Minute die Nase voll vom Abwarten: Nach schöner Vorarbeit des flinken Alessio Visintin zog er aus 20 Metern ab - und der Ball schlug unhaltbar rechts oben ein. 2:0, und das Stadion bebte. "Ich wollte eigentlich flanken", witzelte Exposito später. "Aber manchmal machen die Götter des Fußballs eben Überstunden." Von Fernandino kam danach wenig. Zwei mickrige Schüsse aufs Tor in 90 Minuten - das ist ungefähr so, als würde man beim Rodeo ohne Pferd antreten. Zwar mühte sich Paulo Cuadrado redlich, die rechte Seite zu beleben, doch seine Flanken fanden eher die Werbebanden als den Mitspieler. In der Schlussphase gönnte sich Taquari sogar ein paar Kunststücke. Innenverteidiger Leah Revivo tauchte in der 92. Minute vorne auf und zwang Gästekeeper Xabi Allegri mit einem Kopfball zu einer Glanzparade. "Ich wollte nur mal sehen, wie’s da vorne aussieht", sagte Revivo lachend. Coach Tim Thaler war nach dem Spiel zufrieden, aber nicht überschwänglich: "Wir haben ordentlich gespielt, aber wir sind noch nicht da, wo ich uns haben will. Wir hätten das dritte, vierte Tor machen müssen." Man mag ihm zustimmen - bei dieser Chancenflut wäre ein 4:0 keine Übertreibung gewesen. Fernandino-Coach - der sich nach dem Schlusspfiff demonstrativ den Staub von der Hose klopfte - kommentierte das Ganze trocken: "Taquari war heute einfach besser. Wir haben ihnen zu viel Zeit gelassen. Vielleicht sollten wir das nächste Mal früher anfangen zu spielen." So bleibt CF Taquari in der Spur, offensiv wie selbstbewusst, und rückt in der Tabelle weiter nach oben. Bei Fernandino hingegen dürften die kommenden Trainingseinheiten etwas lauter werden - wer nur 42 Prozent seiner Zweikämpfe gewinnt, hat Gesprächsbedarf. Am Ende verabschiedeten sich die Fans mit stehenden Ovationen, während Deco und Exposito Arm in Arm vom Platz gingen. Eine Szene, die sinnbildlich war für diesen Abend: Spielfreude, Teamgeist, und ein Schuss südländischer Selbstironie. Oder, wie es ein Zuschauer auf der Tribüne formulierte: "So spielt man Fußball, wenn man Montag frei hat." 15.07.643990 09:39 |
Sprücheklopfer
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