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Es war einer jener Abende, an denen das Stadion schon in der 20. Minute vibrierte, als wüsste es: Hier passiert heute noch einiges. 39.749 Zuschauer hatten sich zum 26. Spieltag der 1. Liga Paraguay eingefunden, als Club Ayes und CF Taquari aufliefen - zwei Teams, die sich gegenseitig alles schenkten, nur keine Ruhe. Das Endergebnis - 2:4 aus Sicht der Gastgeber - liest sich deutlich, doch der Weg dahin war ein wilder, manchmal fast slapstickartiger Ritt durch Defensive und Destruktion. Alexander Wiltshire brachte Club Ayes in der 22. Minute in Führung, nach feinem Zuspiel seines kongenialen Partners Kayahan Celikay. "Ich dachte, wenn ich schon wach bin, kann ich auch treffen", grinste Wiltshire später, noch mit einem Eisbeutel am Knöchel - jener Knöchel, der sich 30 Minuten später schmerzlich meldete. Sein Treffer war der Auftakt zu einer Partie, die sich schnell von taktischer Ordnung verabschiedete. Denn was CF Taquari danach veranstaltete, war eine Lehrstunde in Sachen Umkehrspiel. Leah Revivo, eigentlich Innenverteidiger, stieg in der 40. Minute wie ein Mittelstürmer in die Luft und köpfte den Ausgleich - Vorlage: Francisco Tristan, der auf der rechten Seite wirbelte, als hätte er drei Lungen. Nur fünf Minuten später drehte Tristan selbst das Spiel, diesmal nach schönem Pass von Alessio Visintin. Trainer Tim Thaler grinste nach der Partie: "Ich sag den Jungs immer, Verteidiger dürfen auch mal treffen - aber dass Leah gleich doppelt zuschlägt, war nicht im Plan." Die zweite Halbzeit begann, wie die erste geendet hatte - mit Wiltshire. In der 51. Minute traf er erneut, wieder nach Vorlage Celikays, und brachte Club Ayes zurück ins Spiel. Doch die Euphorie hielt exakt 9 Minuten. Dann schlug Taquari zurück, diesmal durch Alessio Visintin (60.), der eine flache Hereingabe von Gunnar Hoffmann trocken verwertete. Hoffmann, der sonst eher als rustikaler Abwehrchef bekannt ist, kommentierte lakonisch: "Ich wollte eigentlich nur klären, aber wenn der Ball halt beim Kollegen landet…" Der endgültige Knockout für Club Ayes kam in der 71. Minute - Leah Revivo, wieder er, wuchtete den Ball nach Ecke von Jose Enrique Galindo ins Netz. Zweiter Treffer des Abends für den Verteidiger, doppeltes Kopfschütteln bei Ayes-Trainer Justin Moller: "Wenn dein Innenverteidiger zweimal von einem anderen Innenverteidiger überflogen wird, weißt du, dass du was falsch machst." Statistisch war das Spiel ausgeglichener, als es das Ergebnis vermuten lässt: 10 zu 14 Torschüsse, 46 Prozent Ballbesitz für Ayes, 54 für Taquari. Doch die Gäste spielten zielstrebiger, kompromissloser - und, ja, ein bisschen frecher. Während die Hausherren versuchten, über Kurzpassspiel zu kombinieren, reichte bei Taquari oft ein langer Ball und ein Sprint in die Tiefe. Dann die Szene, die den ohnehin gebrauchten Abend für Club Ayes endgültig ruinierte: Inigo Tonel, Rechtsverteidiger mit Herz, aber ohne Geduld, sah in der 85. Minute Gelb-Rot. "Ich wollte doch nur den Ball treffen", beteuerte er später. "Leider stand da jemand drauf." Schon zuvor hatte Tonel Gelb gesehen (52.), und so endete sein Arbeitstag fünf Minuten vor Schluss unter den Buh-Rufen der eigenen Fans. "Wir haben zu hektisch reagiert, zu wenig Ruhe gehabt", meinte Moller nach dem Schlusspfiff, sichtlich bemüht, nicht laut zu werden. "Wenn du vier Gegentore kassierst, von denen zwei ein Innenverteidiger macht, brauchst du keine Statistik mehr." Sein Gegenüber Thaler hingegen strahlte: "Die Jungs haben verstanden, dass Fußball manchmal einfach Spaß machen darf. Und wenn’s hinten wackelt, dann schießen wir halt vorne zwei mehr." Der Abend endete mit Pfiffen, Applaus - und einem kleinen Tumult am Spielertunnel, als Wiltshire humpelnd in der Katakombe verschwand, während Revivo von den Gästefans gefeiert wurde wie ein Mittelstürmer alter Schule. Ob Club Ayes nach dieser Niederlage noch um die internationalen Plätze mitspielt, bleibt abzuwarten. Was sicher ist: CF Taquari hat mit diesem 4:2-Sieg nicht nur drei Punkte geholt, sondern ein Ausrufezeichen gesetzt - und Leah Revivo einen neuen Spitznamen eingebracht. "Der Kopfball-Kaiser", stand am Ausgang schon auf einem handgemalten Transparent. Bei so viel Ironie des Spiels hätte selbst der Fußballgott wohl geschmunzelt. Und vielleicht, ganz vielleicht, hat er sich gedacht: Heute war’s einfach zu schön, um 0:0 zu enden. 07.07.643993 04:24 |
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