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Ein lauer Januarabend, 12.500 Zuschauer im Estadio de la Luna, und am Ende wieder diese vertraute Mischung aus Frust und leiser Verzweiflung bei den Fans von Luna America. Mit 0:2 (0:0) unterlag das Heimteam dem CF Taquari - und das, obwohl sie lange Zeit gar nicht so schlecht aussahen. Doch am Ende zählen Tore, und die schossen eben nur die Gäste: Carlos Deco in der 74. Minute und Attila Detari tief in der Nachspielzeit. Die Partie begann mit einem Feuerwerk - allerdings nur auf einer Seite. Schon in der ersten Minute prüfte Taquaris Linksverteidiger Jozef Kozacik den Heimtorwart Ramon Conceicao, der den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte lenkte. In der vierten Minute folgte der nächste Versuch, diesmal durch Jose Enrique Exposito. Man hatte den Eindruck, als wolle Taquari schon früh klarmachen: Wir sind nicht zum Sightseeing gekommen. Luna America hingegen wirkte zunächst nervös, verlor viele Bälle im Aufbau und versteckte sich hinter der eigenen Mittellinie. "Wir wollten erstmal Stabilität", erklärte später ein sichtlich genervter Trainer-Assistent, während Trainer Tim Thaler von Taquari auf der anderen Seite nur grinste: "Stabilität ist auch schön, aber ich mag Tore lieber." In der ersten Hälfte blieb es beim 0:0 - ein Ergebnis, das eher etwas über die Zielgenauigkeit als über das Spielniveau aussagte. Taquari hatte 14 Torschüsse zur Pause, Luna America ganze zwei. Doch noch lebte die Hoffnung. "Wir wussten, dass sie viel schießen, aber nicht immer treffen", meinte Abwehrchef Miguel Veloso nach der Partie. Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild kaum. Taquari blieb offensiv, drückte, kombinierte, und Luna America verteidigte mit dem Mut der Verzweiflung. In der 52. Minute kassierte der frisch eingewechselte Lionel Hermenegildo prompt Gelb - ein Zeichen, dass die Partie an Intensität gewann. Kurz darauf sah auch Eduardo Mendo Gelb, und es wurde ruppiger. Das 1:0 fiel schließlich in der 74. Minute - und war so etwas wie die logische Konsequenz. Nach einem langen Ball von Kozacik nahm Carlos Deco den Ball technisch fein mit der Brust an, zog aus halbrechter Position ab und traf unhaltbar ins lange Eck. Der Jubel des 28-jährigen Stürmers war so überschwänglich, dass man fast vergaß, dass er schon Gelb gesehen hatte. Fünf Minuten später korrigierte der Schiedsrichter das: Gelb-Rot für Deco nach einem hitzigen Wortgefecht mit Manus Pappas. Beide flogen - Pappas hatte kurz zuvor ebenfalls schon Gelb kassiert. "Ich wollte ihm nur gratulieren", sagte Pappas hinterher mit einem schiefen Lächeln. Deco wiederum kommentierte trocken: "Ich hab ihm erklärt, wie man verteidigt." Es war einer dieser Dialoge, die man sich nicht ausdenken kann. In Unterzahl kämpfte Luna America plötzlich mutiger, erspielte sich sogar zwei halbe Chancen - Heinz Kunz in der 82. Minute scheiterte knapp, der Ball strich über die Latte. Doch wer vorne nicht trifft, wird hinten bestraft. In der 92. Minute machte Attila Detari nach Vorarbeit von Andre Maier alles klar. Sein Schuss aus acht Metern war ebenso trocken wie verdient. "Das war die Quittung für unsere Passivität", knurrte Luna-Kapitän Vicente Agirre. Taquari-Coach Tim Thaler hingegen zeigte sich zufrieden: "Wir haben 19 Torschüsse, zwei Tore, das ist für uns schon Effizienzsteigerung." Die Statistik unterstreicht das Bild: 52,8 Prozent Ballbesitz für die Gäste, 19:5 Torschüsse, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Luna America wirkte über weite Strecken wie ein Team, das den Bus parkt, aber vergessen hat, wo die Handbremse sitzt. Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft dennoch mit Applaus - vielleicht, weil sie wissen, dass man gegen ein so konsequent auftretendes Taquari-Team auch mal verlieren darf. Oder weil man einfach froh war, dass es vorbei war. Am Ende blieb Trainer Thaler noch kurz auf dem Rasen stehen, klatschte seine Spieler ab und grinste in Richtung Tribüne: "Ich liebe diese Abende, wenn der Plan aufgeht." Und während die letzten Zuschauer den Ausgang suchten, murmelte ein älterer Herr im Vereinswappen-Schal: "Na ja, wenigstens hat’s nicht geregnet." Ein passender Schlusspunkt für einen Abend, an dem Luna America alles gab - außer Toren. 19.09.643987 07:53 |
Sprücheklopfer
Es gibt nur einen Ball. Wenn der Gegner ihn hat, muß man sich fragen: Warum!? Ja, warum? Und was muß man tun? Ihn sich wiederholen!
Giovanni Trappatoni