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Ein lauer Sommerabend, 43.500 Zuschauer im Estadio Azul, und am Ende ein kollektiver Aufschrei der Erlösung: CF Taquari gewinnt am 27. Spieltag der 1. Liga Paraguay mit 2:1 gegen Aviador Pettirossi - und das nach einem Schlussakt, der einem Drehbuch von Alfred Hitchcock alle Ehre gemacht hätte. Schon der Start versprach Spektakel. Keine fünf Minuten waren gespielt, da rauschte Innenverteidiger Leah Revivo nach vorn, als wollte er gleich einen neuen Beruf ergreifen - "Stürmer wider Willen", grinste Trainer Tim Thaler später. Nach einer präzisen Flanke von Rechtsverteidiger Carl Barbosa köpfte Revivo den Ball wuchtig ins Eck. 1:0, und die Tribüne bebte. "Ich hab’ einfach gespürt, dass da was geht", erklärte der Torschütze später, noch halb ungläubig. Taquari drückte weiter. Jose Enrique Exposito prüfte den Keeper gleich dreimal in den ersten zehn Minuten, und Carlos Deco versuchte es in der 35. Minute artistisch, doch Leandro Mascarenhas im Tor der Gäste hielt, was zu halten war - und manches mehr. Pettirossi dagegen fand erst spät in die Partie. Ein paar harmlose Versuche von Xabi Borreguero blieben zunächst folgenlos. Nach der Pause kippte das Spiel dann plötzlich. Aviador Pettirossi kam mit neuer Energie aus der Kabine, offenbar hatte Trainer Diego Herrera in der Halbzeit das Wort "Laufbereitschaft" neu definiert. In der 50. Minute war es dann soweit: Diego Coelho steckte den Ball mustergültig durch, und Borreguero verwandelte eiskalt zum 1:1. "Das war unser Moment, da waren wir am Drücker", sagte Borreguero später - und er hatte recht. Zehn Minuten lang sah es so aus, als würde Taquari wanken. Aber Thaler reagierte. In der 45. Minute hatte er schon den 18-jährigen Francisco Doreste gebracht, "ein Bengel mit Mut, der nicht weiß, dass er nervös sein sollte", wie der Coach lachte. Später kam auch Lionel Hermenegildo für Barbosa, und plötzlich lief wieder mehr nach vorn. 16 Schüsse aufs Tor standen am Ende für die Gastgeber zu Buche - doppelt so viele wie die Gäste (7). Die Minuten verrannen, der Ballbesitz pendelte sich bei fast ausgeglichenen 52 zu 48 Prozent ein, und dann kam die Nachspielzeit. 91. Minute. Freistoß von links, Jozef Kozacik chippt den Ball in den Strafraum, und Carlos Deco - der bis dahin mehr geackert als geglänzt hatte - stieg am höchsten. Der Kopfball, wuchtig, präzise, unhaltbar. 2:1. Das Stadion explodierte. "Ich hab gar nicht gesehen, dass er drin war", gab Deco später zu, "aber als ich die Arme von Revivo sah, wusste ich Bescheid." Thaler hingegen war die Erleichterung deutlich anzusehen: "Wir haben heute Charakter gezeigt. Und ein bisschen Glück, das darf man auch mal sagen." Weniger glücklich war Aviador-Kapitän Agustin de Almeida, der in der 90. Minute noch Gelb sah, weil er - nennen wir es - zu engagiert in einen Zweikampf ging. Sein Kommentar nach dem Spiel: "Wenn man so spät verliert, fühlt sich jede Berührung an wie ein Schlag ins Herz." Trainer Herrera nickte nur und murmelte: "Wir müssen lernen, Spiele zu Ende zu bringen." Taktisch war es ein Duell zweier fast spiegelgleicher Systeme - beide Teams setzten auf eine ausgewogene Formation, beide verzichteten auf hohes Pressing und suchten kontrollierte Offensivaktionen. Der Unterschied lag am Ende wohl im Mut: Taquari spielte nicht spektakulärer, aber zielstrebiger. Und so endete ein Abend, der alles hatte, was Fußball so schön macht: frühe Hoffnung, späte Dramatik, und ein Publikum, das noch Minuten nach Abpfiff sang, als sei eine Trophäe errungen. "Wir sind keine Titelanwärter", meinte Thaler beim Rausgehen - und grinste dann doch. "Aber heute haben wir gezeigt, dass wir’s könnten." Ein Satz, der in Taquari wohl noch eine Weile nachhallen wird - zumindest bis zum nächsten Spieltag, wenn wieder 43.500 Kehlen hoffen, schreien, zweifeln und träumen dürfen. 27.11.643987 15:25 |
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Ich habe kein Problem damit, der Arsch zu sein.
Oliver Kahn