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Es war einer dieser warmen Abende in Pedro Juan Caballero, an denen das Flutlicht heller strahlt als die Hoffnungen der Heimfans. 26.757 Zuschauer kamen zum 5. Spieltag der 1. Liga Paraguay, um UD 2 de Mayo gegen CF Taquari zu sehen - und gingen mit einem leichten Sonnenbrand auf der Seele nach Hause: 0:2 hieß es am Ende, ein Ergebnis so nüchtern wie die Körpersprache der Spieler von Nurullah Sahin in der Schlussphase. Dabei fing alles gar nicht so schlecht an. Bereits in der ersten Minute versuchte Amaury Xavier das Glück mit einem strammen Schuss - doch der Ball landete nicht etwa im Glück, sondern in den sicheren Händen von Taquaris Keeper Alf Abramson. "Ich dachte, ich erwische ihn auf dem falschen Fuß", murmelte Xavier später, "aber der hatte offenbar beide Füße richtig stehen." Danach übernahm CF Taquari konsequent das Kommando. Ballbesitz 56 zu 44 Prozent, sechzehn Torschüsse insgesamt - die Zahlen erzählen eine deutliche Geschichte, und sie ist nicht in Blau-Weiß geschrieben. Lionel Xavier prüfte früh den Heimtorwart Xavi Hernando, und spätestens als Xabier Maniche in der 34. Minute nach einem Pass von Innenverteidiger Leah Revivo den Ball trocken ins Eck drosch, war klar: CF Taquari war nicht zum Sightseeing angereist. "Das war einstudiert", erklärte Maniche mit einem Grinsen. "Leah ruft immer ’Kaffee!’, wenn er den Ball nach vorne chippt. Ich weiß nicht, warum, aber es funktioniert." Trainer Tim Thaler lächelte später in der Pressekonferenz: "Wir haben in dieser Woche Standards geübt - und offenbar auch Humor." 2 de Mayo dagegen wirkte bemüht, aber zahnlos. Der junge Arnau Domingos ackerte über links, kam zu mehreren Abschlüssen, aber immer wieder stand ein Bein dazwischen - oder Abramson. "Mir fehlt noch ein bisschen Kaltschnäuzigkeit", gab der 18-Jährige ehrlich zu. Sein Trainer hingegen suchte die Ursache woanders: "Wir waren gut organisiert, aber Taquari hat uns mit Erfahrung und Ruhe den Schneid abgekauft", so Sahin. Nach der Pause brachte Thaler frisches Personal - Deco und der flinke Alessio Visintin kamen für die müde wirkenden Stürmer Lionel Xavier und Maniche. Und auch wenn das Spiel kurzzeitig an Tempo verlor, blieb der Gast gefährlich. In der 66. Minute dann die Entscheidung: Rechtsverteidiger Carl Barbosa, sonst eher bekannt für rustikale Grätschen als für filigrane Technik, traf nach Vorarbeit des 18-jährigen Francisco Doreste zum 0:2. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Barbosa lachend, "aber der Ball hatte wohl andere Pläne." Doreste, der das Tor vorbereitete, war anschließend der Liebling der Reporter - jugendlich, schnell, frech. "Er erinnert mich an mich selbst", sagte Thaler halb ernst, halb ironisch. "Nur dass ich damals nie so gut war." Das Heimteam versuchte es weiter, Arnau Domingos mit einem beherzten Schuss in der 70. Minute, Carlos Viqueira in der 85. Doch am Ende blieb es beim Versuch. Und als Viqueira in der 93. Minute nach einem Zweikampf verletzt liegen blieb, war das sinnbildlich: Tapfer gekämpft, aber auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Taquari kassierte zwar zwei Gelbe Karten - Jozef Kozacik (57.) und Torschütze Barbosa (74.) -, doch das störte niemanden. "Ein bisschen Gelb macht das Leben bunter", scherzte Thaler mit einem Seitenblick auf den vierten Offiziellen, der trocken erwiderte: "Solange es kein Rot wird." Nach dem Schlusspfiff klatschten die Gäste routiniert ab, während UD 2 de Mayo mit hängenden Köpfen in die Kabine verschwand. Nur der Torwart Hernando winkte noch kurz Richtung Tribüne - eine Geste, die ihm ehrlichen Applaus einbrachte. Statistisch blieb wenig zu beschönigen: 8:16 Torschüsse, weniger Ballbesitz, geringere Zweikampfquote. Und doch war da dieser Moment in der 94. Minute, als Amaury Xavier noch einmal abschloss - vergeblich, aber mit Stolz. "Ich wollte einfach, dass der Schiedsrichter wenigstens noch ein Mal pfeift, weil ich’s versucht hab", sagte er lächelnd. Am Ende jubelte CF Taquari verdient. Zwei Tore, keine Gegentreffer, und ein Trainer, der trotz des Erfolgs bescheiden blieb: "Wir wissen, dass wir besser sein können", meinte Thaler. "Aber so lange wir gewinnen, darf ich das ruhig sagen." Sahin dagegen fasste es sarkastisch zusammen: "Manchmal ist Fußball einfach - der Gegner schießt Tore, wir nicht." Ein Fazit, das so ehrlich ist wie das Ergebnis: 0:2. Und während draußen die letzten Flutlichter erloschen, blieb ein Gefühl, das jeder Fußballfan kennt - Hoffnung auf das nächste Spiel, in dem vielleicht wieder die Sonne für die Richtigen scheint. 06.03.643987 10:31 |
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