La Nacion
+++ Sportzeitung für Paraguay +++

CF Taquari dreht das Spiel - und Luna America nur noch Statist

Wer bei Anpfiff im Estadio Municipal von Taquari noch dachte, das würde ein gemütlicher Samstagabend, lag gründlich daneben. 42.219 Zuschauer erlebten beim 15. Spieltag der 1. Liga Paraguay ein Spiel, das in der ersten Halbzeit eher nach melancholischem Sonntagskick aussah - und in der zweiten Hälfte zur temperamentvollen Revue wurde. Am Ende hieß es 3:1 für CF Taquari gegen Luna America, und Trainer Tim Thaler grinste beim Abpfiff so breit, dass man dachte, er habe gerade die Meisterschale gewonnen.

Dabei sah es zunächst gar nicht danach aus. Luna America kam mit offensiver Grundausrichtung und dem Plan, CF Taquari früh zu überrumpeln. In der 24. Minute gelang das auch: Pau Vaz, der flinke Linksaußen, sprintete nach einem perfekten Zuspiel von Vicente Agirre in den Strafraum und setzte den Ball mit der Präzision eines Uhrmachers ins rechte Eck. Torwart Alf Abramson streckte sich, sah den Ball aber nur vorbeifliegen. 0:1 - und im Stadion wurde es kurz mucksmäuschenstill.

"Ich hab’ den Schuss kommen sehen, aber mein Körper hat sich dagegen entschieden, zu reagieren", scherzte Abramson später mit britischem Humor. Sein Trainer sah das weniger witzig: "In der Pause war ich kurz davor, eine neue Mannschaft zu bestellen", meinte Tim Thaler trocken.

Tatsächlich machte Taquari im ersten Durchgang vieles richtig - bis auf das Toreschießen. 19 Torschüsse standen am Ende auf der Statistiktafel, aber in den ersten 45 Minuten wollte einfach keiner rein. Lionel Xavier ballerte aus allen Lagen, Carlos Deco prüfte den Torwart mehrfach, und selbst Rechtsverteidiger Carl Barbosa versuchte sich als Scharfschütze. Doch Luna America verteidigte mit Glück, Geschick und gelegentlicher Verzweiflung.

Nach dem Seitenwechsel kam die Wende. In der 57. Minute kombinierten sich Eduardo Mendo und Alessio Visintin durchs Mittelfeld - Mendo legte elegant in die Gasse, Visintin schloss trocken ab. 1:1, der Bann war gebrochen. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass er reinfliegt", grinste Visintin später.

Nur acht Minuten später setzte Laurent Billet mit einem satten Schuss von der Strafraumkante noch einen drauf. Der junge Timofej Boldin hatte den Angriff mit feinem Auge vorbereitet. 2:1 - und das Stadion vibrierte. Man roch plötzlich das Adrenalin in der Luft, begleitet vom unverkennbaren Duft gegrillter Chorizo.

Luna America, bis dahin bemüht, aber harmlos, verlor völlig den Faden. Der Ballbesitz von 44 Prozent täuscht über die Trägheit hinweg, mit der die Gäste in der zweiten Hälfte auftraten. Nur drei Torschüsse standen am Ende zu Buche, und die meisten davon hätten auch den Fangzaun hinter dem Tor gefährdet.

Als Francisco Tristan in der 88. Minute nach Zuspiel von Carl Barbosa zum 3:1 einschob, war das Spiel gelaufen. Tristan, erst zur Pause für den glücklosen Carlos Deco eingewechselt, feierte sein Tor mit einem kleinen Tänzchen an der Eckfahne - halb Samba, halb glücklicher Stolperer. "Ich wollte eigentlich nur nicht hinfallen", gab er später lachend zu.

Trainer Thaler stand währenddessen mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, nickte und murmelte etwas, das wie "Endlich!" klang. Sein Gegenüber, der Coach von Luna America, schien dagegen die Uhr anzustarren, als könne er den Abpfiff herbeibeten.

Die Schlussminuten boten noch ein paar gelbe Karten - Eduardo Mendo in der 17. und Alessio Visintin in der 75. Minute auf Seiten der Gastgeber, Humberto Ximenez kurz vor Schluss bei den Gästen. Doch die Emotionen blieben im Rahmen. "Wir hatten einfach keine Lösungen mehr", bekannte Ximenez später. "Taquari war in der zweiten Hälfte überall schneller - sogar beim Jubeln."

Die Statistiken untermauern das Bild: 19 Torschüsse für Taquari, nur drei für Luna America, dazu 55 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfquote von über 56 Prozent. "Das war Fußball mit Geduld und Espresso", sagte Thaler später verschmitzt. "In der ersten Halbzeit haben wir geschlafen, in der zweiten waren wir hellwach."

Luna America dagegen fährt mit hängenden Köpfen nach Hause. "Wir wollten offensiv spielen", meinte ihr Kapitän Pau Vaz, "aber irgendwann war der Ball einfach nur noch ein seltener Gast bei uns."

So endete ein Spiel, das mit einem kleinen Schock begann und mit einem großen Applaus endete. CF Taquari festigt damit seinen Platz in der oberen Tabellenhälfte - und bewies einmal mehr, dass man auch ohne Pressing und mit einer Prise Humor Spiele drehen kann.

Oder, wie Torwart Abramson es später zusammenfasste: "Manchmal reicht’s, wenn man in der zweiten Halbzeit einfach beschließt, Fußball zu spielen."

07.11.643990 21:43
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Ich habe immer gesagt, mich interessiert nicht, wer spielt. Hauptsache ich spiele.
Mario Basler
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