La Nacion
+++ Sportzeitung für Paraguay +++

CF Taquari dreht das Spiel - Luque feiert zu früh

Ein lauer Februarabend in Luque, 43.500 Zuschauer, Flutlicht, Trommeln, Grillgeruch. Alles war angerichtet für einen dieser Abende, die man später noch im Taxi erzählt: "Weißt du noch, damals, als Luque 3:2 führte und dann..." Ja, dann kam CF Taquari - und drehte eine Partie, die schon fast entschieden schien. Am Ende stand ein 3:4 (3:2) auf der Anzeigetafel, und die Gesichter der Heimfans sahen aus, als hätten sie versehentlich die falsche Stadionseite gewählt.

Aber der Reihe nach. CF Taquari kam mit einer klaren Ansage: offensiv, aggressiv, aber ohne Pressing - Trainer Tim Thaler hatte wohl beschlossen, seine Jungs lieber rennen zu lassen, wenn’s wirklich nötig ist. Und das war schon in der 8. Minute der Fall: Carlos Deco, der flinke Rechtsaußen, traf nach Vorarbeit von Jozef Kozacik zum 0:1. Ein Schock für die Heimfans, aber keiner von Dauer.

Denn General Luque antwortete postwendend. Nur fünf Minuten später, in der 13. Minute, setzte sich Julian Celis auf links durch, flankte butterweich - Georges Blanqui köpfte ein. 1:1, und die Tribüne bebte. "Da wusste ich: Heute geht was", grinste Blanqui nach dem Spiel, während er sich ein Handtuch über den Kopf warf.

Und tatsächlich: Luque spielte sich in einen Rausch. Stephane Caron legte in der 30. Minute mit einem platzierten Rechtsschuss nach, und in der 37. erhöhte Vincent Hennessy nach feiner Vorarbeit von - richtig geraten - Celis auf 3:1. Die Gastgeber dominierten: 56 Prozent Ballbesitz, 19 Torschüsse insgesamt, und gefühlt doppelt so viele Tänzchen an der Eckfahne.

Der Pausenkaffee für Trainer Rolando Rolando dürfte also besonders süß geschmeckt haben. Doch Fußball ist bekanntlich kein Wunschkonzert - und auch kein Kaffeekränzchen. Kurz vor der Pause, in der 45. Minute, rappelte es nämlich nochmal: Attila Detari verkürzte nach Vorlage des 19-jährigen Francisco Doreste auf 3:2. "Wir wollten zeigen, dass wir noch leben", sagte Detari später trocken.

Nach dem Seitenwechsel wurde das Spiel ruppiger. CF Taquari kassierte gleich drei Gelbe Karten (Visintin 22., Galindo 44., Boldin 60.), dazu eine Verletzung von Galindo, der in der 56. Minute humpelnd vom Platz musste. Ersatzmann Timofej Boldin machte es aber besser, als es sein Name vermuten ließ: In der 66. Minute leitete er das 3:3 ein, als er Carl Barbosa mustergültig bediente. Der Rechtsverteidiger (!) drosch den Ball ins Netz - und grinste dabei, als hätte er gerade das Tor des Monats geschossen.

Und kaum hatte das Stadion den Schock verdaut, zappelte der Ball schon wieder hinter Laurent Bonnaire im Netz. Nur eine Minute später, 67., traf Eduardo Mendo nach Vorlage von Alessio Visintin zum 3:4. Innerhalb von 60 Sekunden hatte CF Taquari das Spiel komplett auf den Kopf gestellt.

"Ich hab’ nur kurz geblinzelt", jammerte Luques Trainer Rolando Rolando später, "und schon stand’s andersrum." Seine Mannschaft rannte danach unermüdlich an, 19 Torschüsse, drückte, kombinierte, verzweifelte. Capucho versuchte’s in der 89. Minute noch einmal per Volley - aber Torwart Alf Abramson hielt, als hinge sein Monatsgehalt davon ab.

CF Taquari zeigte in der Schlussphase, wie man mit Erfahrung und einem Hauch Zynismus ein Ergebnis über die Zeit bringt. "Wir haben lange Bälle gespielt, weil wir wussten, dass sie müde sind", erklärte Thaler, der nach Abpfiff mit einem selbstzufriedenen Lächeln Richtung Presse ging. Seine Mannschaft hatte zum Schluss sogar das Pressing eingeschaltet - so viel taktische Anpassung sieht man selten in der 1. Liga Paraguay.

General Luque hingegen stand am Ende mit leeren Händen da - und einer Statistik, die weh tat: mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, bessere Zweikampfquote, aber null Punkte. "Manchmal gewinnt halt der, der weniger denkt", murmelte Mittelfeldmann Hennessy, der nach Abpfiff mit gesenktem Kopf in den Kabinengang trottete.

Und irgendwo zwischen den leeren Plastikbechern und den letzten Grillkohlen sang ein Fan leise: "Drei Tore und doch verloren, das ist Luque." Sarkasmus als Selbstschutz - auch das gehört zum Fußball.

Vielleicht tröstet sie der Gedanke, dass Schönheit nicht immer siegt. CF Taquari hat’s gezeigt: Effizienz schlägt Eleganz. Und während Thaler seinen Spielern ein spätes Bier gönnte, blieb Rolando Rolando nur ein bitteres Fazit: "Wir haben sie hergespielt - aber sie haben gewonnen."

Ein Satz, der wohl noch oft zitiert wird - zumindest bis zum nächsten Heimspiel.

18.08.643990 22:23
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Wir treten nicht an um ein Tor zu schießen, wir wollen das Spiel gewinnen!
Oliver Kahn
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager