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Es war ein heißer Abend in Duque de Caxias, 32.000 Zuschauer schwitzten, litten - und sahen am Ende, wie ihr Team in der 92. Minute um alle Punkte gebracht wurde. Capibaribe Recife gewann beim 9. Spieltag der brasilianischen 1. Liga mit 1:0, und der Held des Abends hieß - ausgerechnet - Jeno Csernai, ein Linksverteidiger, der sonst eher für rustikale Grätschen als für filigrane Torabschlüsse bekannt ist. Das Spiel begann, wie viele solche Partien beginnen: mit viel Lärm, hohen Erwartungen und einer frühen Erkenntnis, dass es wohl kein Torfestival werden würde. Capibaribe, von Trainer Opa Jokel gewohnt offensiv eingestellt, legte los wie die Feuerwehr. Schon in der zweiten Minute prüfte Tiago Oliveira den Heimkeeper Dominique Bataillard mit einem satten Schuss - der erste von insgesamt 14 Gästetorschüssen. Duque de Caxias hingegen brachte es im ganzen Spiel auf vier Versuche, was die Fans spätestens ab der 60. Minute ahnen ließ, dass ihr Abend kein Feuerwerk, sondern eher ein Kerzenschein werden würde. Capibaribe dominierte die Partie mit knapp 52 Prozent Ballbesitz - nicht erdrückend, aber ausreichend, um das Geschehen zu kontrollieren. Tiago Oliveira und Yannik Boyer machten auf den Flügeln ordentlich Dampf, doch entweder fehlte die Präzision oder Bataillard verhinderte mit seinen Reflexen Schlimmeres. "Ich dachte irgendwann, der Ball will einfach nicht rein", gestand Oliveira nach dem Spiel mit einem Grinsen. "Und dann trifft ausgerechnet Jeno - der Typ, der sonst lieber den Ball in die Wolken schießt." In der Tat: Csernai, der in der 66. Minute noch Gelb gesehen hatte, stürmte in der Nachspielzeit nach vorne, als würde er plötzlich vergessen haben, dass er eigentlich Linksverteidiger ist. Nach einem klugen Pass von Alexander Lockwood fasste er sich ein Herz, zog aus 20 Metern ab - und der Ball schlug unhaltbar unten rechts ein. 92. Minute, 0:1. Der Jubel war groß, die Gesichter der Heimfans entsprechend klein. "Ich habe einfach draufgehauen", erklärte Csernai später, noch völlig ungläubig über seinen Geniestreich. "Opa hat immer gesagt, ich soll nicht so viel nachdenken. Heute hab ich’s mal versucht." Sein Trainer Opa Jokel, der sonst eher den grantigen Strategen gibt, lachte nach Schlusspfiff: "Ich wollte ihn eigentlich schon auswechseln - zum Glück war ich zu langsam." Duque de Caxias, unter der Leitung von Coach (dessen Name an diesem Abend wohl niemand wissen wollte), spielte solide, aber harmlos. Adriano Almeida und der junge Amaury Meira sorgten mit zwei späten Distanzschüssen (77. und 88. Minute) noch einmal kurz für Hoffnung, doch Capibaribes Torhüter Juan Pablo Ferreira blieb souverän. "Ich musste ja fast frieren da hinten", spottete der Keeper. "Vier Schüsse - das ist doch eher ein Trainingstag." Statistisch lässt sich das Spiel leicht zusammenfassen: Capibaribe Recife mit 14 Schüssen aufs Tor, Duque de Caxias mit 4. Ballbesitz leicht zugunsten der Gäste (52 zu 48 Prozent), Zweikampfquote ebenfalls pro Recife (55 zu 45). Man könnte also sagen: Wer mehr tut, wird irgendwann belohnt - auch wenn es bis zur Nachspielzeit dauert. Die Schlussphase bot dann alles, was Fußball dramaturgisch so schön macht: ein verzweifeltes Heimteam, das plötzlich alles nach vorne wirft, ein Gegner, der kontert, und ein Verteidiger, der die Geschichte neu schreibt. Csernai jubelte, riss die Arme hoch, während seine Mitspieler ihn fast erdrückten. "Ich hab kurz gedacht, sie brechen mir die Rippen", lachte er später. Trainer Jokel fasste es pragmatisch zusammen: "Wir haben 91 Minuten dominiert und in der 92. getroffen. Das nennt man Effizienz." Für Duque de Caxias bleibt die Erkenntnis, dass man mit "ausgewogener" Taktik manchmal einfach zu brav ist. Die Fans verabschiedeten ihre Spieler trotzdem mit Applaus - wohl auch, weil sie ahnten, dass an diesem Abend einfach der Fußballgott ein Herz für Linksverteidiger hatte. Und so ging ein Spiel zu Ende, das weder spektakulär noch langweilig war - eher eine zähe Mischung aus Geduld und Zufall, gewürzt mit einem späten Knalleffekt. Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Wir hätten auch bis Mitternacht spielen können - das Tor hätte trotzdem Csernai gemacht." Ein sarkastisches Schlusswort? Vielleicht dieses: Wenn selbst Linksverteidiger treffen, ist im Fußball wirklich alles möglich - außer ein Tor für Duque de Caxias an diesem Abend. 01.05.643987 21:44 |
Sprücheklopfer
Es wird nicht ganz zur Routine, weil ich ja mittlerweile auch die Mütter gewechselt habe.
Felix Magath auf die Frage, ob Geburten ab dem fünften Kind schon zur Routine werden