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64008 Zuschauer im brodelnden Stadion von Kingston sahen am 20. Spieltag der 1. Liga Jamaica ein Spiel, das man wohl als "spät aufgetaut" bezeichnen darf. Bull Bay rang Whistling FC mit 1:0 nieder - ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber eine Geschichte voller Geduld, Aluminium, und eines wütenden Trainers namens Gus Hidding erzählt. Von Beginn an war klar, wer hier den Ton angeben wollte: Bull Bay-Trainer Sports Mann ließ seine Elf in einer offensiven Grundordnung antreten, die eher nach "Wir schießen euch aus dem Stadion" klang. Bereits nach drei Minuten prügelte Innenverteidiger Julian Kaufmann das Leder Richtung Tor, als wolle er demonstrieren, dass auch Abwehrspieler Offensivdrang besitzen dürfen. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, aber der flog ja noch über den Parkplatz", lachte er später. Bull Bay schoss und schoss - 17 Mal insgesamt - und doch blieb das Tor wie vernagelt. Timm Klaus versuchte es gleich dreimal, Hugo Manu und Marcio Nani kamen im Minutentakt zum Abschluss, aber Whistlings junger Keeper Jay Billet, gerade 21, hielt mit stoischer Ruhe. "Ich hab einfach die Augen zugemacht", grinste Billet nach dem Spiel. Vielleicht war das sein Erfolgsgeheimnis. Whistling FC dagegen versuchte es mit kontrollierter Langeweile. 50,7 Prozent Ballbesitz, aber kaum Ideen. Ihr Spiel erinnerte an einen Flötenton - zart, aber ungefährlich. Die erste echte Chance hatte Konstantin Gerassimow in der 29. Minute, doch Bull Bays Torwart Andrew Gayheart fischte den Ball mit der Lässigkeit eines Mannes, der gerade einen Schmetterling einfängt. Die Halbzeit kam mit einem torlosen 0:0, aber dafür mit reichlich Gesprächsstoff. "Wir hätten schon 3:0 führen müssen", knurrte Trainer Mann beim Pausentee. "Aber das ist Fußball - kein Wunschkonzert." Nach dem Wechsel blieb Bull Bay am Drücker. Whistling FCs Mittelfeld um Vitor Varela kämpfte gegen die Wellen aus Rot und Weiß, während Trainer Hidding an der Seitenlinie zunehmend verzweifelte. "Ich hab ihnen gesagt, sie sollen ruhig bleiben. Leider haben sie mich zu wörtlich genommen", sagte er später und schüttelte den Kopf. Die Entscheidung fiel in der 82. Minute: Der eingewechselte Juanito Mendez tänzelte an der linken Außenbahn entlang, legte überlegt zurück - und Lucas Callahan, der bis dahin eher unauffällig Regie geführt hatte, nahm Maß. Sein Schuss schlug präzise im rechten Eck ein, ein Strahl, der Billet diesmal keine Chance ließ. 1:0 Bull Bay, und das Stadion explodierte. Callahan blieb bescheiden: "Ich hab einfach draufgehalten. Manchmal muss man das Glück zwingen." Trainer Mann war weniger philosophisch: "Endlich! Ich dachte schon, wir müssten das Tor in Einzelteilen nach Hause tragen." Whistling FC versuchte in der Schlussphase noch einmal, den Ausgleich zu erzwingen, aber stattdessen flogen die Nerven. In der 87. Minute sah William Carey glatt Rot, nachdem er Otto Dahlstrom an der Seitenlinie mehr umarmte als tackelte. "Ich wollte nur den Ball", verteidigte sich Carey - allerdings stand der Ball zu diesem Zeitpunkt gut zwei Meter entfernt. Kurz darauf holte sich Cesc Sorribas noch Gelb für ein Foul, das man wohl als "symbolische Solidarität" deuten darf. Bull Bay brachte den knappen Vorsprung über die Zeit, und als der Schlusspfiff ertönte, klatschten die Spieler ab, als hätten sie das Finale gewonnen. 17:5 Torschüsse, fast ausgeglichener Ballbesitz, aber am Ende zählt nur: ein Tor, drei Punkte. "Ich bin stolz auf die Jungs", sagte Trainer Mann nach Abpfiff. "Wir haben nicht nur Fußball gespielt, wir haben gearbeitet. Und manchmal ist das der Unterschied." Sein Pendant Hidding fasste es pragmatischer: "Wenn du kein Tor schießt, kannst du nicht gewinnen. So einfach ist das. Und jetzt brauche ich einen Drink." Das Publikum verabschiedete die Teams mit Applaus, halb erleichtert, halb erschöpft. Ein Spiel, das lange nach 0:0 aussah, bekam noch seinen Helden - Lucas Callahan, der Mann des Abends. Und während in der Kabine von Whistling FC vermutlich die Pfeifen verstummten, sang Bull Bay leise den Siegersong. Ein spätes Tor, ein Platzverweis, ein Trainer mit Humor - manchmal genügt das, um Fußball wieder ganz einfach zu machen. 07.09.643987 14:37 |
Sprücheklopfer
Ihr könnt euch da ja mal hinstellen, und wenn dann Ribery mit 180 Stundenkilometern an einem vorbeigelaufen kommt, gibt's wenige, die den stoppen können.
Arne Friedrich