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Es begann wie ein Fußballmärchen aus Bunkeflo und endete als Lehrstunde aus Norrköping. Vor 12.500 Zuschauern im heimischen Stadion schien Bunkeflo IF am 29. Spieltag der 2. Liga Schweden den Favoriten FC Norrköping anfangs völlig aus der Bahn zu werfen - ehe die Gäste das Spiel in der zweiten Halbzeit mit kühler Effizienz in ein 1:3 (1:0) verwandelten. Dabei hatte alles so verheißungsvoll begonnen: Schon in der 5. Minute durfte das Publikum jubeln, als Georg Holmqvist - nein, nicht der aus Norrköping, sondern der Bunkeflo-Holmqvist - nach feinem Zuspiel von Hjalmar Berglund das Leder humorlos ins rechte Eck zimmerte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Holmqvist später. "Vielleicht war’s Glück, vielleicht war’s Training - wahrscheinlich beides." Sein Namensvetter auf der anderen Seite sollte später noch zeigen, dass auch er den Familiennamen nicht umsonst trägt. Bunkeflo dominierte die erste halbe Stunde. 14 Torschüsse am Ende des Spiels zeugen von Spielfreude und Mut, auch wenn vieles an der Strafraumkante verpuffte. Trainer Rico Moschke von Norrköping stand derweil mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und schien die Geduld eines Schachgroßmeisters zu üben. "Wir wussten, dass sie losstürmen würden. Wir wussten auch, dass sie irgendwann müde werden", sagte er nach dem Spiel mit einem kaum unterdrückten Schmunzeln. In der zweiten Halbzeit sollte sich genau das bewahrheiten. Nur wenige Minuten nach Wiederanpfiff - in der 51. Minute - war es Patrik Holmqvist, der jüngere Bruder von Malkolm und entfernte Cousin des Bunkeflo-Schützen, der nach einem cleveren Pass von Harald Bloch den Ausgleich erzielte. "Ich dachte kurz, der Torwart kommt raus - und als er nicht kam, hab ich halt geschossen", erklärte Patrik lakonisch. Ab da war Norrköping die klar bessere Mannschaft. Die Gäste, anfangs noch etwas zögerlich, stellten auf Vollgas um. Das Offensivtrio Bloch-Braaten-Holmqvist kombinierte nun mit jener Selbstverständlichkeit, die man von einer Mannschaft erwartet, die Offensivfußball im Blut hat. In der 65. Minute belohnte sich Karl Bloch selbst, als er nach Zuspiel von Brede Braaten das 2:1 markierte. Zwei Minuten später revanchierte sich Braaten - diesmal nach Vorarbeit von Innenverteidiger Jonas Brauer - und erhöhte auf 3:1. Ein Doppelschlag, der die Bunkeflo-Fans in betretenes Schweigen versetzte. "Da hat’s bei uns einfach Klick gemacht", sagte Braaten später, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte. "Manchmal brauchst du nur ein Tor, um dich zu erinnern, dass du eigentlich Fußball spielen kannst." Die Heimmannschaft versuchte, wieder in die Spur zu finden, doch der Schwung war dahin. Georg Holmqvist mühte sich redlich, hatte in der 58. und 71. Minute noch gute Abschlüsse, doch der junge Norrköping-Keeper Eri Hecht (17) parierte mit stoischer Ruhe. "Ich hab einfach nur versucht, im Moment zu bleiben", sagte Hecht. "Und gehofft, dass keiner merkt, wie nervös ich war." Bunkeflo-Coach - der Name blieb im offiziellen Protokoll unerwähnt, was vielleicht besser so ist - wirkte an der Seitenlinie zunehmend ratlos. Seine Mannschaft hatte zwar mit 51 Prozent leicht mehr Ballbesitz und gewann auch etwas mehr Zweikämpfe, doch Norrköping war schlicht kaltschnäuziger. Selbst eine späte Gelbe Karte für Verteidiger Alf Johansson (93.) konnte den Frust nicht mehr tarnen. Die Zuschauer verabschiedeten ihre Spieler dennoch mit Applaus. Ein älterer Fan auf der Tribüne brachte es auf den Punkt: "Wir sind Bunkeflo - wir verlieren wenigstens mit Stil." Trainer Moschke zeigte sich nach dem Spiel zufrieden, aber nicht euphorisch. "Das war ein erwachsenes Spiel meiner Jungs. Wir haben Charakter gezeigt. Und ja, ich weiß, das klingt wie eine Floskel - aber diesmal stimmt’s wirklich." Bunkeflos Georg Holmqvist hingegen fasste den Abend mit einem bitteren Lächeln zusammen: "Wenn du früh triffst, denkst du, du hast alles im Griff. Und dann kommt der Fußball und erinnert dich daran, dass er keine Gnade kennt." Ein Spiel, das mit Feuer begann und mit eiskalter Präzision endete. Norrköping nimmt drei Punkte mit, Bunkeflo die Erkenntnis, dass gute erste Halbzeiten selten reichen. Und irgendwo zwischen Euphorie und Ernüchterung weht über Malmö der Duft von kaltem Gras, nasser Trikots - und ungebändigter Hoffnung auf das nächste Mal. 11.08.643993 00:01 |
Sprücheklopfer
Kopfball war für mich immer so etwas ähnliches wie Handspiel.
Günter Netzer