Canadian Soccer
+++ Sportzeitung für Kanada +++

Bulls stürmen Surrey - kaltschnäuzig, clever, kanadisch

40.000 Zuschauer im sonnigen Surrey hatten sich am Dienstagabend auf ein Fußballfest gefreut. Am Ende blieb ihnen vor allem eines: höflicher Applaus für die Gäste. Die Okanagan Bulls gewannen beim heimischen Surrey City mit 2:0 (0:0) und entführten völlig verdient drei Punkte aus der "Citadel Arena". Ein Ergebnis, das deutlicher war, als es auf der Anzeigetafel stand - und das mit chirurgischer Präzision herausgespielt wurde.

Schon die erste Halbzeit ließ erahnen, wohin die Reise gehen würde. Surrey City begann engagiert, aber so richtig gefährlich wurde es nie. Zwei Torschüsse in 90 Minuten sprechen Bände - und das in einem Heimspiel. Emanuel Bonde versuchte es nach 32 Minuten aus der Distanz, Manuel Futre legte sechs Minuten später nach, doch beide Male war Bulls-Keeper Alessio Fabbro eher unterbeschäftigt als gefordert. "Ich hätte mir fast einen Tee gekocht", scherzte der italienische Schlussmann später.

Die Bulls dagegen rollten an - mal über links, mal über rechts, meist aber einfach über Surrey hinweg. Hanns Bouchard prüfte früh Torhüter Stephane Bosworth (13.), und auch der junge Christian Lockwood zeigte zweimal, warum er als kommender Star des Teams gilt. "Wir wussten, dass sie über die Flügel anfällig sind", erklärte Bulls-Trainer Markus Merk nach dem Spiel mit einem Grinsen, "und wir haben ihnen dort einfach wehgetan."

Nach einer torlosen ersten Halbzeit brachte Merk zur Pause frische Beine: Francisco Butragueño kam für Bouchard, Jaime Couto ersetzte den blassen Andre Le Tallec. Genau diese Wechsel sollten sich als goldrichtig erweisen.

In der 66. Minute war es soweit. Giovanni Rizzi, der unermüdliche Mittelfeldmotor, spielte einen perfekten Steilpass in die Gasse, Butragueño startete im richtigen Moment, blieb cool und schob den Ball an Bosworth vorbei ins Netz. 1:0 für die Bulls - und Stille im Stadion. Surrey-Trainer (der Presse später zufolge etwas zu still) war kurz darauf an der Seitenlinie zu sehen, wie er sich kopfschüttelnd in sein Notizbuch vertiefte.

Wer jetzt auf eine Antwort der Gastgeber hoffte, wartete vergeblich. Surrey City hatte an diesem Abend einfach keinen Plan B. Der junge Akakios Charisteas holte sich stattdessen eine Gelbe Karte ab (51.), wohl aus purer Frustration. "Ich wollte einfach mal zeigen, dass wir noch leben", meinte er später halb lachend, halb entschuldigend.

Die Bulls kontrollierten das Spiel nun nach Belieben. 54 Prozent Ballbesitz, neun Torschüsse, ruhiger Aufbau, keine übertriebene Aggressivität - ganz nach dem Lehrbuch des Trainers. In der 85. Minute setzten sie den Deckel drauf: Jaime Couto war zur Stelle, als eine verunglückte Abwehraktion von Surrey vor seine Füße fiel. Der 22-Jährige zog ab, und der Ball zappelte im Netz. 2:0, Feierabend.

"Das war ein Sieg der Reife", bilanzierte Merk nach dem Spiel. "Wir haben nichts Spektakuläres gemacht, nur das Nötige - aber das richtig." Butragueño sah das ähnlich, aber weniger nüchtern: "Ich liebe diese Spiele, wenn du spürst, dass jeder Pass sitzt. Heute war so ein Tag."

Und Surrey? Kapitän Yves Carey versuchte, Fassung zu bewahren: "Wir haben gut angefangen, aber irgendwann war es, als spielten wir gegen ein Uhrwerk. Da drehst du dich um, und der Ball ist schon wieder weg."

Die Fans verabschiedeten ihr Team trotzdem mit Applaus - vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Stolz, dass man es immerhin 65 Minuten offen gestaltet hatte.

In der Statistik bleibt Surrey City mit 43 Prozent gewonnener Zweikämpfe und zwei kümmerlichen Torschüssen das Schlusslicht des Abends. Die Bulls hingegen präsentierten sich abgeklärt, ruhig und effizient - ein Team, das weiß, wann man zuschlagen muss.

Zum Schluss fragte ein Reporter den Bulls-Trainer, ob er mit dem Spiel rundum zufrieden sei. Merk lachte: "Sagen wir so: Wenn meine Jungs auch noch anfangen würden, Chancen zu verschwenden, würde ich mich ja langweilen."

Ein Satz, der wohl symptomatisch ist für den Abend in Surrey: Die Bulls waren nicht brillant, aber sie waren besser - und das reicht im Fußball ja bekanntlich völlig aus.

03.09.643993 00:45
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Berti Vogts ist die arme Sau, die von den Medien durchs Dorf getrieben wird.
Rainer Calmund
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager