Canadian Soccer
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Bulls stoppen Blues: Ein Abend voller Pfeffer, Pfosten und Pointe

Das Stadion von Quebec bebte an diesem Samstagabend - 43.500 Zuschauer, minus fünf Grad, aber Herzschlagtemperatur auf dem Rasen. Am 28. Spieltag der 1. Liga Kanada lieferten sich die Quebec Blues und die Okanagan Bulls ein Duell, das irgendwo zwischen Taktikseminar, Zirkusnummer und Nervenprobe pendelte. Am Ende stand ein 1:2 (0:1) - ein Resultat, das den Bulls drei Punkte und den Blues viele Fragen bescherte.

Von Beginn an machten die Gäste aus Okanagan klar, dass sie nicht für Sightseeing gekommen waren. Schon in der zweiten Minute prüfte Roberto Ferrer den Blues-Keeper Thomas Trottier, der sich dehnte wie ein Yoga-Lehrer im Morgengrauen. Kurz darauf folgte Francisco Butragueno - und wieder Trottier, diesmal mit der Faustabwehr zum Eckball. Coach Lutz Lindemann an der Seitenlinie schüttelte den Kopf, griff nach seiner Mütze und murmelte etwas, das wohl nicht für Kinderohren geeignet war.

In der 34. Minute dann der erste Stich der Bulls: Jean Bethune, ein rechter Mittelfeldspieler mit Turbo im Blut, vollendete nach feinem Zuspiel von Ferrer eiskalt ins linke Eck. "Ich hab’s einfach gespürt, dass der Ball da reingehen will", grinste Bethune später, als wäre das Tor eine gemeinsame Eingebung gewesen. Die Blues, bis dahin mehr mit dem eigenen Stellungsspiel beschäftigt, wirkten konsterniert. Lindemann brüllte: "Mehr Mut, Männer!", bekam aber nur ein Achselzucken von seinem Kapitän Christopher Berard zurück.

Kurz vor der Pause dann der erste personelle Paukenschlag: Der 18-jährige Destiny Udogie kam für den gelbverwarnten Matthijs Coster. Ein riskanter, aber notwendiger Schritt. "Ich wollte, dass der Junge läuft, bis ihm kalt wird - also nie", sagte Lindemann trocken.

Und siehe da: Gleich nach Wiederanpfiff zeigte Quebec plötzlich Zähne. In der 47. Minute war es Barend Veeder, der nach feiner Flanke von Julio Ordonez den Ball per Kopf ins lange Eck lenkte. 1:1, und das Stadion tobte. Veeder rannte jubelnd zur Eckfahne, als wolle er sie gleich heiraten, während Ordonez sich das Trikot über den Kopf zog und vom Schiedsrichter eine väterliche Ermahnung bekam.

Doch die Freude hielt exakt drei Minuten. Die Bulls konterten mit chirurgischer Präzision: Bethune flankte von rechts, Vincent Travassos rauschte heran und nagelte den Ball volley unter die Latte - 1:2 in der 50. Minute. Trottier flog vergeblich, die Zuschauer stöhnten kollektiv auf. Markus Merk, Trainer der Bulls, grinste später: "Das war wie im Training - nur dass sie da nie treffen."

Die restliche Spielzeit wurde zum offenen Schlagabtausch. Quebec schaltete auf Flügelangriff, die Taktikdaten zeigten "offensiv, aggressiv, Flanken bis der Arzt kommt". Veeder, Mourino und der eingewechselte Diego Sousa prüften den Bulls-Keeper Marcio Futre mehrfach, der aber einen Sahnetag erwischte. "Ich hätte auch mit drei Bällen gleichzeitig spielen können", witzelte der Torwart nach dem Schlusspfiff - und man glaubte es ihm fast.

Die Bulls dagegen blieben cool. Kein Pressing, kein großes Risiko, einfach cleveres Abwarten. Ferrer und Arrondo ließen den Ball laufen, als hätten sie Zeit bis Montag. Ihre 52 Prozent Ballbesitz fühlten sich an wie 70. "Wir wollten Quebec müde spielen. Hat funktioniert", kommentierte Merk mit einem Lächeln, das zwischen Ironie und Stolz pendelte.

In der Schlussphase setzte Lindemann alles auf eine Karte. Sousa kam für Mourino, Lauer ersetzte Johnstone - frische Beine, viel Wille, aber wenig Zielwasser. Hanns Lauer hatte in der 89. Minute noch den Ausgleich auf dem Fuß, doch Futre lenkte den Ball mit den Fingerspitzen an den Pfosten. Der Torjubel blieb im Hals stecken, die Blues-Fans griffen nach dem Glühwein.

Nach dem Abpfiff zogen die Bulls jubelnd von dannen, während Lindemann mit verschränkten Armen in die Kälte starrte. "Wir haben nicht schlecht gespielt, aber die Bulls waren eben einen Tick besser. Vielleicht auch zwei", sagte er und fügte mit sarkastischem Lächeln hinzu: "Nächste Woche üben wir dann Tore."

Das Fazit: Die Okanagan Bulls siegen verdient, weil sie ihre Chancen konsequent nutzten und im richtigen Moment eiskalt blieben. Quebec Blues kämpften, rannten, schossen elfmal aufs Tor - aber eben nur einmal hinein.

Und irgendwo in der Kabine summte Jean Bethune leise vor sich hin, angeblich den Refrain eines französischen Chansons. Vielleicht etwas über den Wind, der den Ball trägt. Oder über Siege, die man einfach spürt.

30.07.643993 07:47
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Rainer Calmund
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