// Startseite
| Canadian Soccer |
| +++ Sportzeitung für Kanada +++ |
|
|
|
Halifax, 1. März 2026 - 45.149 Zuschauer im Halifax Stadium sahen an diesem frostigen Abend ein Spiel, das man wohl als "Lehrfilm in Effizienz" in den Trainingsräumen der Okanagan Bulls zeigen wird - und als "Was-wir-nicht-tun-sollten"-Vortrag in Halifax. Die Bulls siegten mit 2:0 (2:0), und das schon nach einer ersten Halbzeit, in der die Huskies so wirkungslos wirkten wie ein stumpfes Jagdmesser. Bereits nach sieben Minuten klingelte es: Vincent Travassos, der rechte Flügel der Bulls, bugsierte den Ball nach einem butterweichen Pass von Philippos Alexiou ins Netz. "Ich hatte Zeit, einen Kaffee zu trinken, bevor ich schießen musste", grinste Travassos später, sichtlich zufrieden mit seiner Frühschicht. Halifax’ Keeper Dagfinn Kjeldsen sah den Ball kommen, aber nicht vorbeifliegen - ein Muster, das sich an diesem Abend wiederholen sollte. Die Huskies versuchten danach, mit Kampf und Konterfußball das Ruder herumzureißen. Trainer Julian Resch hatte sein Team defensiv eingestellt, auf schnelle Umschaltmomente lauernd. Doch das Problem: Man kann nur kontern, wenn man den Ball hat. Und den hatten die Bulls, obwohl der Ballbesitz am Ende mit 51:49 Prozent leicht zugunsten der Huskies ausfiel, in den entscheidenden Momenten fest im Griff. In der 40. Minute legten die Gäste nach. Hanns Bouchard, der linke Stürmer mit der feinen Technik und der Geduld eines Schachspielers, traf nach Vorlage von Jaime Couto zum 2:0. Zwei Pässe, ein Abschluss, ein Treffer - und das bei 17 Torschüssen insgesamt. Kein überbordendes Spektakel, aber klinisch präzise. "Das war kein Zufall", meinte Bulls-Coach Markus Merk nach dem Spiel. "Wir trainieren das. Weniger Chaos, mehr Chirurgie." In der zweiten Halbzeit zeigten die Huskies zwar mehr Herz, aber wenig Hirn im letzten Drittel. Ihre besten Gelegenheiten vergaben Zsolt Czibor (73.) und Lorenzo Van Aken (75.), die beide an Bulls-Torhüter Marcio Futre scheiterten. "Ich schwöre, der Typ hat Magneten in den Handschuhen", murmelte Czibor beim Abgang in den Katakomben. Die Partie wurde ruppig, als die Frustration wuchs. Erst kassierte Van Aken Gelb für ein rustikales Einsteigen (57.), dann Michel Lansbury bei den Bulls ebenfalls (68.). Derselbe Lansbury sah in der 89. Minute Gelb-Rot, nachdem er Zsolt Czibor beim Kopfballduell geparkt hatte wie ein Lieferwagen - letzterer flog, ersterer durfte duschen. "Michel muss lernen, dass Verteidigen kein Ringen ist", kommentierte Merk trocken. Doch der unrühmliche Schlusspunkt gehörte den Huskies: In der 92. Minute sah Andrea da Sibari glatt Rot. Der Mittelfeldmann hatte offenbar beschlossen, dass der Ball optional ist und trat Okanagans Giovanni Rizzi so unsanft um, dass selbst die hartgesottenen Fans auf der Nordtribüne kurz still wurden. Trainer Resch hob danach nur die Augenbrauen: "Er wollte ein Zeichen setzen. Leider war’s das falsche." Statistisch betrachtet war das Spiel ein kleiner Widerspruch: Halifax hatte knapp mehr Ballbesitz, aber nur fünf Torschüsse. Die Bulls schossen 17 Mal - ein Wert, der zeigt, dass sie trotz ihrer scheinbar gemütlichen Spielweise jederzeit gefährlich waren. Nach dem Schlusspfiff herrschte bei den Huskies eine Mischung aus Ratlosigkeit und Trotz. Kapitän Salvador Barbosa fasste es mit nordischer Nüchternheit zusammen: "Wir haben nicht schlecht gespielt, nur nicht gut genug, um ein Tor zu schießen." Ein Satz, der wohl auch als Motto über die Saison der Huskies stehen könnte. Die Bulls hingegen feiern ihren Sieg mit breiter Brust, auch wenn Coach Merk auf die Euphoriebremse trat: "Zwei Tore sind schön, aber wir hätten vier machen müssen. Ich will keine Künstler, ich will Handwerker mit Präzision." Travassos grinste bei diesen Worten und flüsterte seinem Teamkollegen Bouchard zu: "Dann sind wir wohl die Malermeister der Liga." Das Publikum verabschiedete die Spieler mit höflichem Applaus - halb Anerkennung, halb Erleichterung, dass es vorbei war. Die Huskies müssen sich nun fragen, ob eine defensive Grundhaltung wirklich der Weg nach vorn ist oder nur ein eleganter Rückwärtsgang. Fazit: Die Bulls waren bissiger, cleverer und einfach schneller bei der Sache. Halifax kämpfte, aber ohne Plan und Fortune. Am Ende stand ein 0:2, das klarer wirkte, als die Statistik es vermuten lässt - und ein Abend, an dem man in Halifax lernte, dass man mit Verteidigen allein keine Punkte holt. Oder, wie Trainer Resch es später in der Kabine sagte: "Manchmal ist ein Gegentor der Wecker. Heute haben wir zwei verschlafen." 21.05.643993 21:16 |
Sprücheklopfer
Ich habe immer gesagt, mich interessiert nicht, wer spielt. Hauptsache ich spiele.
Mario Basler