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Die Okanagan Bulls haben am Donnerstagabend in der Copa Libertadores einen knappen, aber umso wertvolleren 1:0-Heimsieg gegen Sporting Cali eingefahren. Vor 59.000 Zuschauern im prall gefüllten Okanagan-Stadion reichte ein einziger, präziser Moment von Francisco Butragueño, um die Südamerikaner aus Cali in die Verzweiflung zu treiben. Es war kein Fußballfest voller Feuerwerke - eher ein taktisches Geduldsspiel, gewürzt mit einer Prise Ironie und gelben Karten. Schon die ersten Minuten ließen ahnen, dass sich beide Teams nichts schenken würden. Nach gerade einmal zwei Minuten sah Calis Rechtsaußen Jorge Rocha Gelb, nachdem er Xavi Gonzalez ein wenig zu temperamentvoll an die Seitenlinie begleitet hatte. "Ich wollte nur den Ball - aber der Ball wollte nicht mich", grinste Rocha nach dem Spiel und hob entschuldigend die Hände. Trainer Michael Jakel dagegen verzog keine Miene: "Wir wollten aggressiv beginnen. Vielleicht war das… etwas zu wörtlich." Sporting Cali startete offensiv, mit breiter Brust und einer taktischen Ausrichtung, die man nur als "Alles nach vorne, was Beine hat" bezeichnen kann. Die Bulls blieben dagegen in ihrer gewohnten defensiven Ordnung - kompakt, geduldig, fast stoisch. Trainer Markus Merk stand die meiste Zeit mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, als wolle er durch pure Gedankenübertragung die Formation stabil halten. Die erste halbe Stunde verlief ausgeglichen. Cali hatte etwas mehr Zug, Bulls den besseren Plan. In der 10. Minute prüfte Rocha Bulls-Keeper Marcio Futre mit einem strammen Schuss - doch der portugiesische Schlussmann tauchte ab wie ein Torwart aus einem Lehrvideo. Kurz darauf antwortete Bulls-Mittelfeldmann Philippos Alexiou mit einem Weitschuss, der knapp vorbeiging. Dann kam die 33. Minute, die Szene des Abends: Roberto Ferrer tankte sich über links durch, sah Francisco Butragueño am Fünfmeterraum lauernd - und der Rest war pure Präzision. Ein flacher Pass, ein schneller Abschluss, ein Tor wie mit dem Zirkel gezogen. 1:0 für die Bulls, und das Stadion explodierte. "Ich hab nur den Fuß hingehalten", gab Butragueño bescheiden zu Protokoll. "Aber immerhin den richtigen." Der Treffer wirkte wie ein Stich ins Selbstbewusstsein der Kolumbianer. Cali versuchte es weiter, vor allem über den bulligen Mittelstürmer Rafael Makukula, der gleich zweimal gefährlich zum Abschluss kam (22. und 73. Minute). Doch die Bulls-Verteidigung stand wie eine Betonwand - mit Michel Lansbury als unüberwindbarem Turm in der Mitte. Kurz vor der Pause hätte Alexiou fast erhöht, doch sein Schlenzer in der 41. Minute zischte um Millimeter am Pfosten vorbei. In der Kabine soll Trainer Merk laut Zeugenaussagen nur gesagt haben: "Macht einfach weiter so - aber bitte kein Herzinfarkt in der 90. Minute." In der zweiten Halbzeit übernahm Cali mehr und mehr den Ballbesitz - 49,7 Prozent sprechen für ein fast ausgeglichenes Duell, aber das Spielgefühl gehörte eindeutig den Gästen. Doch was hilft Ballbesitz, wenn die Gegenseite sich weigert, Lücken zu zeigen? "Es war, als würden wir gegen eine Mauer aus Kühlschränken spielen", stöhnte Calis Mittelfeldmann Marco Pauleta nach dem Spiel. Bulls-Keeper Futre parierte in der 53. Minute einen gefährlichen Volleyschuss von Adrian Domingo - und klatschte danach Richtung Tribüne, als hätte er gerade einen Elfmeter gehalten. "Ich wollte die Jungs wachrütteln", erklärte er später lachend. "Und ehrlich gesagt, auch mich selbst." Die Schlussphase wurde hitzig. Erst sah Xavi Gonzalez Gelb (77.), dann auch Adriano Quevedo (78.) - beide für Fouls, die man als "energisch" bezeichnen könnte, wenn man höflich ist. Cali drückte, Bulls mauerte, und irgendwo auf der Trainerbank summte Merk angeblich vor sich hin: "Ein 1:0 ist das schönste Ergebnis der Welt." Als Schiedsrichter Alvarez nach 94 Minuten endlich abpfiff, fielen die Bulls-Spieler sich in die Arme, als hätten sie das Champions-League-Finale gewonnen. Cali dagegen schlich vom Platz - enttäuscht, aber nicht entmutigt. "Wir wussten, dass Okanagan schwer zu knacken sein würde", sagte Jakel nach der Partie. "Aber wir haben gezeigt, dass wir nicht untergehen. Nächstes Mal fällt der Ball rein." Und Markus Merk? Der grinste nur: "Wenn man 59.000 Leuten Stabilität verkaufen will, muss man liefern. Heute haben wir geliefert." Ein 1:0, das die Bulls an die Tabellenspitze ihrer Gruppe katapultiert - und ein Spiel, das beweist: Manchmal ist Defensive eben doch die beste Offensive. Schlusswort: In einer Welt, in der Tore zählen, hat Okanagan bewiesen, dass auch das Verhindern von Toren eine Kunst ist. Und wer weiß - vielleicht malt Francisco Butragueño ja bald wieder ein neues Kunstwerk auf den Rasen. Bis dahin genießen die Fans ihren minimalistischen Sieg - Fußball als fein dosierte Nervenmassage. 07.03.643994 01:10 |
Sprücheklopfer
Da kann er sich doch freuen, mit mir spielen zu können.
Stefan Effenberg nachdem der Transfer von Sebastian Deisler zum FC Bayern bekannt wurde