Canadian Soccer
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Bullenstark! Okanagan Bulls stürmen die Blues 3:1 nieder

Der Abend in Okanagan war kühl, das Stadion aber kochte: 54.034 Zuschauer sahen am 16. Spieltag der 1. Liga Kanada, wie die heimischen Okanagan Bulls die Quebec Blues mit 3:1 nach Hause schickten. Und das mit einer Mischung aus eiserner Disziplin, schnörkellosem Einsatz und, ja, einer Prise Humor.

"Wir wollten gar nicht so offensiv sein", grinste Bulls-Trainer Markus Merk nach dem Spiel, "aber die Jungs haben mich wohl falsch verstanden." Falsch verstanden oder nicht - am Ende standen drei Tore auf der Anzeigetafel, und die Blues blickten ratlos in die kanadische Nacht.

Von Anfang an war klar, dass die Bulls trotz ihrer nominell defensiven Ausrichtung nicht einfach auf Abwarten spielten. Nach nur wenigen Minuten testeten beide Teams die Reflexe der Torhüter, doch während Quebecs Leon Bureau eher den Ballfänger der hinteren Tribünen prüfte, zielte Okanagans Jens Hennig schon früh gefährlich.

Die erste echte Explosion kam in der 23. Minute: Linksverteidiger Adriano Quevedo, sonst eher für rustikale Grätschen als für filigrane Abschlüsse bekannt, fasste sich ein Herz. Nach feinem Zuspiel von Philippos Alexiou donnerte er das Leder ins rechte obere Eck - 1:0! "Ich wollte eigentlich flanken", gab Quevedo später zu, "aber manchmal küsst dich der Fußballgott eben auf den Spann."

Nur 15 Minuten später folgte der zweite Streich. Der junge Jens Hennig, 24 Jahre alt und offenbar mit einem Turbo im linken Fuß ausgestattet, verwertete eine Vorlage von Jaime Couto aus kurzer Distanz zum 2:0. In der Fankurve wurde es laut, sehr laut. Hennig selbst blieb cool: "Ich hab nur den Fuß hingehalten. Eigentlich wollte ich gar nicht im Abseits stehen - Glück gehabt, dass ich’s nicht war."

Quebecs Coach Lutz Lindemann reagierte zur Halbzeit mit einem tiefen Seufzer und zwei Wechseln. "Wir mussten was tun, sonst wäre es ein Trainingsspiel geworden - für die Bulls", sagte er später sarkastisch. Und tatsächlich, kaum hatte er den Satz beendet, da traf sein Team: In der 46. Minute verkürzte Kobe Piersens, nach schöner Vorarbeit von Paul Musgrave, auf 2:1. Ein Hoffnungsschimmer, der allerdings schnell erlosch.

Denn an diesem Abend hatten die Bulls einfach die dickeren Hörner. Mit 18 Torschüssen zu 9 und leichtem Ballbesitzvorteil (51 zu 49 Prozent) hielten sie das Geschehen fest in der Hand. Quebec rannte an, presste, und spielte in der Schlussphase fast schon mit offenem Visier - doch es half nichts.

In der 71. Minute sah Okanagans Linksverteidiger Luís Albinana Gelb, nachdem er den enteilten Piersens rustikal stoppte. "Er hat gesagt, er wollte nur den Ball spielen", grinste Piersens später. "Ich glaube, er hat den Ball auch getroffen - irgendwann."

Die endgültige Entscheidung fiel in der 87. Minute. Christian Lockwood, der quirlige Linksaußen, hatte offenbar noch Kraftreserven. Nach einem Eckball von Michel Lansbury erwischte er den Ball im Rückraum und setzte ihn trocken ins rechte Eck - 3:1. Die Bulls feierten, die Blues resignierten.

"Das war kein Hexenwerk", meinte Coach Merk nach dem Abpfiff. "Wir haben einfach Fußball gespielt." Sein Gegenüber Lindemann fand andere Worte: "Manchmal läuft’s einfach nicht. Vielleicht hätten wir die Bälle mit Nummern versehen sollen, dann hätten wir sie leichter wiedergefunden."

Die Zuschauer jedenfalls bekamen einiges geboten: Tempo, Tore, Emotionen - und ein Heimteam, das nicht nur kämpfte, sondern auch lachte. Selbst als in der Nachspielzeit ein Querpass von Hennig fast im Seitenaus landete, rief Merk lachend: "Der wollte schon mal fürs Eishockey üben!"

Mit diesem Sieg festigen die Okanagan Bulls ihren Platz im oberen Tabellendrittel, während Quebec weiter im Mittelfeld festhängt - mit der Erkenntnis, dass Offensivfußball allein nicht reicht, wenn am Ende die Defensive Löcher wie ein Schweizer Käse hat.

Oder, wie es Bulls-Kapitän Alexiou beim Verlassen des Platzes formulierte: "Wir waren vielleicht defensiv eingestellt - aber nicht defensiv im Kopf. Und das ist der Unterschied."

Ein Satz, der hängen bleibt. Ganz wie der Ball von Quevedo in der 23. Minute. Und während die Fans jubelnd in die Nacht zogen, blieb das Gefühl, dass in Okanagan gerade mehr gewachsen ist als nur drei Punkte - vielleicht ein bisschen Stolz, vielleicht ein bisschen Selbstbewusstsein. Und ganz sicher: eine gehörige Portion Bullenmut.

04.05.643994 02:37
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