// Startseite
| Diarios de Futbol |
| +++ Sportzeitung für internationale Wettbewerbe +++ |
|
|
|
Es war einer dieser Abende, an denen der Fußball seinen ganz eigenen Sinn für Drama pflegt. 79.500 Zuschauer im ausverkauften Stadion von Bull Bay brüllten, schwitzten und litten sich durch 90 Minuten Halbfinal-Fußball, der alle Zutaten eines Herzinfarkts hatte - nur keine Tore für CD Sao Paulo. Am Ende stand ein knappes, aber verdientes 1:0 für Bull Bay, das damit den Einzug ins Finale der Amerikaliga perfekt machte. Das Spiel begann, als hätte Trainer Sports Mann seine Jungs unter Strom gesetzt. Schon in der dritten Minute zog Franck Rochefort aus der Distanz ab - der Ball rauschte knapp über die Latte. "Ich wollte ihn eigentlich flach reinziehen", grinste Rochefort später, "aber dann hat mich wohl die Höhenluft inspiriert." Kurz danach prüfte Jerome DeBrosse den gegnerischen Keeper Pedro Morais, der mit einer spektakulären Parade glänzte. Bull Bay gab den Ton an, während CD Sao Paulo zunächst so wirkte, als hätten sie das Navi im Stadion verloren. Doch je länger das Spiel dauerte, desto besser fanden die Gäste ins Spiel. William Lujan und Peter Michaelsen kombinierten sich gefährlich vors Tor, scheiterten jedoch an Bull Bays Keeper Andrew Gayheart, der einmal mehr bewies, dass Torhüter auch in 90 Minuten Yoga machen können - Beweglichkeit inklusive. Die entscheidende Szene kam in der 22. Minute: Moritz Jahn flankte von rechts, punktgenau auf den Fuß von Juanito Mendez, der mit einem satten Volley vollendete. 1:0 für Bull Bay - und die Tribüne vibrierte wie ein Presslufthammer. "Ich hab einfach draufgehalten", erklärte Mendez später lachend. "Wenn ich nachgedacht hätte, wäre der Ball wahrscheinlich im Parkhaus gelandet." Nach dem Treffer zog sich Bull Bay etwas zurück, ließ den Ballbesitz (am Ende 47 zu 53 Prozent) lieber den Gästen, verteidigte aber mit giftigen Zweikämpfen und cleverem Stellungsspiel. CD Sao Paulo, unter der Leitung von Trainer Pat Kick, versuchte alles. "Wir hatten genug Chancen, um zwei Spiele zu gewinnen", schimpfte Kick nach dem Abpfiff. "Aber am Ende gewinnt der, der trifft - das ist ja das Gemeine an diesem Sport." Kurz vor der Pause dann der Schockmoment: Antonio Jorge, gerade erst für Vitorino Aguas eingewechselt, blieb nach einem Zweikampf liegen und musste verletzt raus. Ein bitteres Kapitel im ohnehin unglücklichen Abend der Gäste. In der zweiten Halbzeit war Sao Paulo klar überlegen, erhöhte das Pressing und schoss aus allen Lagen - elf Torschüsse insgesamt, aber keiner wollte rein. Mal war es Gayheart, mal das Aluminium, mal schlicht das Pech, das den Brasilianern im Weg stand. Bull Bay konterte gelegentlich - meist über den unermüdlichen Juanito Mendez, der gleich mehrere Male gefährlich auftauchte (48., 53., 81. Minute), aber sein zweites Tor verpasste. Trainer Sports Mann blieb an der Seitenlinie erstaunlich ruhig. "Ich hab ihnen gesagt: Spielt’s runter, aber bitte nicht einschlafen", erzählte er später mit einem Augenzwinkern. In der 78. Minute brachte er Jannik Hoppe für Alexander MacMillan, kurz darauf Jordi Roy für Jakub Lukes - frische Beine, um den knappen Vorsprung zu retten. Sao Paulo setzte in der Schlussphase alles auf eine Karte. Valter Bruun feuerte in der 85. Minute noch einmal einen strammen Schuss aufs Tor, doch Gayheart war wieder zur Stelle. Und als Vitorino Aguas in der 89. Minute allein durch war, hielt das ganze Stadion den Atem an - bis der Ball knapp am Pfosten vorbeizischte. "Ich glaube, der Ball hat noch ’ne Kurve genommen, um uns zu verschonen", meinte Bull-Bay-Verteidiger Julian Kaufmann später halb im Ernst, halb im Gebetston. Als Schiedsrichterin Maria Estevez nach 94 Minuten abpfiff, brach die Hölle los. Feuerwerk, Gesänge, und ein erleichterter Trainer Mann, der seinen Spielern um den Hals fiel. "Wir haben’s nicht schön gemacht, aber schön ist was für Galerien. Wir wollten ins Finale, und das haben wir geschafft." Für CD Sao Paulo blieb nur der bittere Trost, die bessere Statistik zu haben - mehr Ballbesitz, leicht höhere Zweikampfquote - aber eben null Tore. Trainer Kick schüttelte den Kopf: "Fußball ist manchmal wie ein schlechter Witz. Heute waren wir die Pointe." Und so zieht Bull Bay mit einem 1:0 (1:0) ins Finale der Amerikaliga ein. Ein Spiel, das sicher nicht in die Annalen wegen seiner Eleganz eingeht - aber wegen seiner Nerven. Oder, wie Juanito Mendez es zusammenfasste: "Manchmal reicht ein gutes Bein und ein bisschen Glück. Heute hatte ich beides." Das Publikum jubelte, der Rasen dampfte, und irgendwo in der Kabine summte jemand leise: "Finale, oho!" - aber das ist eine andere Geschichte. 25.09.643993 19:09 |
Sprücheklopfer
Berti Vogts ist die arme Sau, die von den Medien durchs Dorf getrieben wird.
Rainer Calmund