Jamaica News Bulletin
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Bull Bay zerlegt Kingston TG - ein karibischer Fußballabend mit Donnerhall

Ein lauer Abend über Bull Bay, 53.284 Zuschauer im Stadion, und schon nach wenigen Minuten dröhnte der Jubel wie ein tropischer Sturm durchs Rund: Julian Kaufmann, Innenverteidiger mit der Wucht eines Lastwagens und der Zielgenauigkeit eines Chirurgen, wuchtete in der 7. Minute den Ball per Kopf ins Tor. "Ich dachte zuerst, er will den Ball klären", scherzte Trainer Sports Mann später, "aber Julian hat wohl beschlossen, das Spiel selbst in die Hand zu nehmen."

Das war der Auftakt zu einer ersten Halbzeit, in der Kingston TG kaum Luft bekam. Bull Bay, angetrieben von einem offensivfreudigen Mittelfeld, wirbelte - 23 Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache, während die Gäste ganze drei Mal so etwas wie Gefahr andeuteten. In der 29. Minute folgte das 2:0: Jerome DeBrosse, der rechte Flügelstürmer mit der Eleganz eines Tänzers und der Kaltschnäuzigkeit eines Buchhalters, traf nach Pass von Rene Couture. Der rechte Verteidiger hatte sich zuvor bis tief in die gegnerische Hälfte geschlichen, als wollte er heimlich ein Picknick auf dem Strafraumeck veranstalten.

"Ich hab nur gesehen, dass niemand mich gestört hat - also dachte ich: warum nicht?", grinste Couture nach dem Spiel. "Jerome hat’s dann schön gemacht."

Kingston TG dagegen wirkte, als hätte man ihnen die Sonnencreme in die Schuhe geschmiert. Trainer Zion Marley, sonst ein ruhiger Geist an der Seitenlinie, war schon nach 25 Minuten am Gestikulieren wie ein Dirigent ohne Orchester. Seine Mannschaft lief hinterher, der Ballbesitz war mit 49 zu 51 Prozent zwar fast ausgeglichen, aber Ballbesitz ohne Bewegung ist bekanntlich so produktiv wie ein Regenschirm im Sturm.

Noch vor der Pause fiel das 3:0 - Hugo Manu, der bullige Linksaußen, hämmerte in der 40. Minute den Ball unter die Latte, wieder nach Vorarbeit von Couture. Kingston-Keeper Marcio Figo blieb nur das resignierte Abwinken. "Ich hab den Ball gehört, bevor ich ihn gesehen hab", murmelte er in der Mixed Zone, "und dann war’s zu spät."

Die zweite Halbzeit? Ein Schaulaufen der Hausherren, die das Tempo zwar etwas drosselten, aber weiter dominierten. Hugo Manu hatte allein fünf weitere Abschlüsse (49., 58., 59., 71., 80.), traf aber nur noch das Fangnetz. Kingston TG kam in Minute 77 und 78 zu zwei zaghaften Schüssen durch den jungen Adrian Domingos - beide Male sichere Beute für Bull-Bay-Keeper Andrew Gayheart, der ansonsten einen sehr ruhigen Abend verbrachte.

Auch die Statistik war eindeutig: Bull Bay mit 56,9 Prozent gewonnener Zweikämpfe, Kingston TG mit 43,1 - das spiegelt den Eindruck des gesamten Spiels. Es war nicht so, dass die Gäste nicht wollten; sie konnten schlicht nicht. "Wir haben uns vorgenommen, ruhig zu bleiben", erklärte Trainer Mann nach dem Spiel, "aber nach dem dritten Tor musste ich mich selbst daran erinnern, nicht zu lächeln."

Ein kleiner Aufreger in der 64. Minute: Bull Bays Linksverteidiger Mikhail Kerschakow sah Gelb nach einem rustikalen Einsteigen - wohl mehr aus Langeweile als aus Notwendigkeit. Zehn Minuten später durfte er dann vom Feld, ersetzt vom 19-jährigen Dominique Lancaster, der prompt einen Distanzschuss wagte (85.) - knapp drüber, aber mit Applaus bedacht.

Kingston TGs Thierry Florit bekam in der 75. Minute ebenfalls Gelb, vermutlich aus Frust. Trainer Marley versuchte es noch mit motivierenden Rufen ("Bewegt euch doch!"), doch seine Elf schien kollektiv in die Halbzeitpause zurückgekehrt zu sein.

Der Schlusspfiff kam fast als Erlösung. Bull Bay spielte die letzten Minuten im OFFENSIVE-Modus, als wollten sie noch das vierte Tor erzwingen, aber auch so war der Abend ein Statement: 3:0, klare Sache, Tabellenführung gefestigt.

"Das war Fußball mit Spaßfaktor", meinte Hugo Manu anschließend. "Und das Beste: Meine Mutter war im Stadion. Sie meinte, jetzt darf ich wieder zum Abendessen kommen."

Zion Marley hingegen klang nachdenklich: "Wir sind jung, wir lernen. Heute haben wir gelernt, dass Ballbesitz kein Trostpreis ist."

Ein verdienter Sieg also für Bull Bay - mit Wucht, Witz und einer Prise karibischer Lässigkeit. Und vielleicht auch der Beginn einer kleinen Erfolgsgeschichte.

Oder, wie ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions grinste: "Wenn die so weiterspielen, muss der Gegner bald mit Sonnenbrille auflaufen - so hell strahlt Bull Bay gerade."

22.06.643990 01:37
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