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Wenn 63.630 Zuschauer ein Fußballfest wollen, dann sollten sie künftig einfach nach Bull Bay fahren. Denn was die Mannschaft von Trainer Sports Mann am Dienstagabend in der Amerikaliga gegen Victoria City ablieferte, war weniger ein Spiel, mehr eine Demonstration. 6:0 hieß es am Ende - und das war, man glaubt es kaum, sogar noch schmeichelhaft für die Gäste. Schon nach vier Minuten war klar, wohin die Reise geht. Moritz Jahn, der rechte Mittelfeldmotor mit Vorwärtsdrang, schlenzte den Ball nach Vorlage von Fehmi Karaer unhaltbar in den Winkel. "Ich dachte eigentlich, der Ball sei zu weit raus", grinste Jahn später, "aber dann hat er mich wohl selbst überrascht." Es war der Auftakt zu 90 Minuten Lehrfilm-Fußball von Bull Bay. Nur acht Minuten später stellte Innenverteidiger Julian Kaufmann auf 2:0. Ja, richtig gelesen - der Innenverteidiger. Nach einer Ecke stieg er höher als alle anderen und nickte ein. "Ich hab schon ewig kein Tor mehr gemacht. Vielleicht sollte ich jetzt öfter vorne bleiben", lachte Kaufmann hinterher. Trainer Sports Mann verzog keine Miene. "Wenn der Abwehrchef trifft, ist das schön. Aber wenn er danach unbedingt Stürmer werden will, reden wir noch mal in Ruhe." In der 19. und 20. Minute war dann die große Stunde von Jannik Hoppe, der zentrale Mittelfeldspieler mit dem Radar im Fuß. Erst verwandelte er eine Vorlage von Karaer eiskalt, dann legte er gleich selbst nach. 4:0 nach 20 Minuten - und Victoria City taumelte wie ein Boxer, der schon dreimal angezählt wurde. "Wir wollten eigentlich kompakt stehen", murmelte City-Abwehrspieler Corey Lockwood später, "aber irgendwie war da ständig einer von denen frei." Lockwood selbst machte später noch mit zwei Gelben Karten auf sich aufmerksam - die zweite in der 82. Minute bedeutete Gelb-Rot und den endgültigen Feierabend. "Da hab ich wohl das falsche Bein zum falschen Zeitpunkt ausgefahren", meinte er zerknirscht. Noch vor der Pause musste Bull Bays Fehmi Karaer nach einer Verletzung raus - aber sein Vertreter Bruno Calvente fügte sich nahtlos ein. "Fehmi ist mein Kumpel, da spielst du doppelt so motiviert", sagte Calvente, "auch wenn’s bei 4:0 natürlich leicht fällt." In der zweiten Halbzeit versuchte Victoria City, irgendwie wieder Ordnung zu finden. Die Statistik zeigt immerhin 47,7 Prozent Ballbesitz - aber das war eher kosmetischer Natur. Denn Bull Bay blieb gefährlich, hatte 18 Torschüsse (gegenüber 6 der Gäste) und schaltete erst spät einen Gang zurück. Humberto Martins, der junge Stürmer, kam zur zweiten Hälfte für Joao del Rio und wirbelte sofort los. Zwar sah er in der 53. Minute Gelb, aber die Fans jubelten ihm trotzdem zu - wohlwollend, als wäre der gelbe Karton Teil einer Reifeprüfung. Den Schlusspunkt setzte dann der Mann des Abends: Juanito Mendez. Der 31-jährige Linksaußen traf erst in der 81. Minute nach feinem Zuspiel von Hoppe, dann noch in der Nachspielzeit, diesmal nach Vorlage von Jahn. "Ich wollte eigentlich den Ball nur sichern", sagte Mendez mit schelmischem Grinsen, "aber wenn das Tor schon so groß dasteht, wär’s ja unhöflich, vorbeizuschießen." Trainer Sports Mann war nach dem Spiel erstaunlich gelassen. "Das war ordentlich. Aber wir haben noch Luft nach oben", meinte er trocken. "Vielleicht hinten ein bisschen weniger Gelb, vorne ein bisschen mehr Demut." Seine Spieler grinsten breit - Demut war an diesem Abend das Einzige, was Bull Bay nicht auf dem Platz gezeigt hatte. Und Victoria City? Trainerin - oder besser gesagt, ihr Pressesprecher, weil sie sich gleich nach Abpfiff wortlos in die Kabine zurückzog - erklärte: "Wir müssen das analysieren. Und zwar gründlich." Das Publikum verabschiedete die Teams mit stehenden Ovationen - für Bull Bay. Die Fans sangen, tanzten, und einer hielt ein Transparent hoch: "6 Gründe, warum wir euch lieben!" Ein Spiel, das in die Vereinschronik eingehen wird: offensiv, effizient, gnadenlos. Bull Bay hat an diesem Abend nicht nur drei Punkte geholt, sondern vermutlich auch ein paar schlaflose Nächte in Victoria City ausgelöst. Oder, wie es Moritz Jahn nach seinem Galaauftritt formulierte: "Wenn’s läuft, dann läuft’s. Heute hätten wir wahrscheinlich auch noch mit verbundenen Augen getroffen." Und wer weiß - wenn Bull Bay so weitermacht, wird die Amerikaliga bald um einen Spitznamen reicher sein. Vielleicht einfach: "Die Baywatcher". Nur dass sie nicht retten, sondern versenken. 22.09.643990 12:18 |
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