Jamaica News Bulletin
+++ Sportzeitung für Jamaica +++

Bull Bay tanzt Samba am Strand von Portmore

Was für ein Abend im Nationalstadion von Portmore! 49.140 Zuschauer sahen ein Fußballspiel, das anfangs an ein Geduldsspiel erinnerte, dann aber in einen sonnendurchfluteten Wirbelsturm verwandelte. Am Ende jubelte Bull Bay, das mit einem 3:1-Auswärtssieg den sechsten Spieltag der 1. Liga Jamaica krönte - und Portmore Town in eine nachdenkliche Nacht schickte.

Dabei hatte Heimtrainer Klaus Kartoffel vor dem Anpfiff noch gewarnt: "Wenn du gegen Bull Bay zu offen spielst, rennen sie dir davon - und zwar mit einem Lächeln." Offenbar hatte seine Mannschaft das Lächeln gehört, aber nicht den Rest des Satzes. Denn schon nach 13 Minuten klingelte es: Bruno Calvente, der Mann mit der Eleganz eines Tangotänzers und der Schusstechnik eines Schmiedehammers, vollendete nach feinem Zuspiel von Joao del Rio zum 0:1.

Portmore hielt dagegen, zumindest optisch. 55 Prozent Ballbesitz, das sah gut aus in der Statistik - aber Tore zählen bekanntlich auf der Anzeigetafel, nicht im Excel-Sheet. Christian Letourneur prüfte Bull-Bay-Keeper Andrew Gayheart mit einem satten Schuss (12.), Arne Karl zirkelte später (18.) knapp vorbei. Doch es blieb beim Rückstand zur Pause.

Die zweite Hälfte begann, wie die erste aufgehört hatte: Portmore spielte, Bull Bay traf. In der 64. Minute nahm Alexander MacMillan im Mittelfeld Maß, schickte del Rio steil, und der junge Brasilianer blieb eiskalt - 0:2. "Ich dachte kurz, ich sei im Training, so viel Platz hatte ich", grinste del Rio später. Trainer Sports Mann nickte zufrieden: "Wir wollten genau diese Momente erzwingen. Und Joao hat’s gemacht wie gemalt."

Nur drei Minuten später flackerte kurz Hoffnung in Portmore auf. Arne Karl, der unermüdliche Marathonmann auf links, zog von der Strafraumkante ab - und plötzlich stand’s 1:2. Das Stadion erwachte, die Trommeln dröhnten, und selbst Kartoffel ballte die Faust. "Da dachte ich, jetzt kippen wir das Ding", seufzte er später. Doch statt Kippe kam Keule: In der 79. Minute schlug del Rio erneut zu, diesmal nach einem Pass des frischen Jakub Lukes. 1:3, und die Sache war durch.

Portmore warf alles nach vorn, aber es blieb beim Versuch. Fünf Torschüsse, davon einer drin - das ist die Bilanz eines Teams, das mehr nachdachte, als handelte. Bull Bay dagegen kam auf 15 Abschlüsse, spielte mit weniger Ballbesitz, aber mit mehr Konsequenz. Ein Wort, das Kartoffel in der Pressekonferenz mehrfach seufzend wiederholte. "Wir hatten mehr Ball, mehr Raum, mehr Ideen - aber sie hatten mehr Tore. So einfach ist Fußball manchmal. Leider."

Die Stimmung auf dem Rasen war hitzig, aber nicht unfair. Je eine Gelbe Karte auf beiden Seiten - Kurt Binder (Portmore, 10.) und Karl Andersson (Bull Bay, 11.) - mehr brauchte der Schiedsrichter nicht, um das Geschehen im Griff zu behalten. Andersson wurde später ausgewechselt, Kerschakow kam für ihn - "Ich war müde vom Laufen", witzelte der Schwede nach dem Abpfiff.

Bull Bay zeigte sich taktisch mutig. Von Beginn an offensiv eingestellt, mit klarer Zielrichtung nach vorn, während Portmore eher auf Balance und Sicherheit setzte - eine Sicherheit, die sich als trügerisch erwies. Die Gäste verzichteten auf Pressing, aber ihre Konter stachen wie Mücken in der Dämmerung: klein, schnell, und jedes Mal schmerzhaft.

Im Fanblock der Gäste wurde nach dem dritten Treffer gesungen, getanzt und mit Kokosnüssen angestoßen. Del Rio wurde gefeiert wie ein Popstar. "Ich hab nur gemacht, was ich sollte", grinste er bescheiden und verschwand in einer Traube jubelnder Mitspieler.

Bull Bay springt mit diesem Sieg in der Tabelle wohl nach oben - und Portmore, das sich mit starkem Ballbesitz und schwacher Effizienz präsentierte, muss sich fragen, ob Schönheit allein reicht. Vielleicht nicht in der 1. Liga Jamaica, wo Tore nun mal hübscher glänzen als Passquoten.

Zum Schluss stand Trainer Kartoffel am Spielfeldrand, schaute lange auf die leeren Ränge und murmelte: "55 Prozent Ballbesitz - das ist wie 55 Prozent eines Regenschirms. Hilft dir auch nicht, wenn’s richtig schüttet."

Ein Satz, der in Portmore wohl noch nachhallen wird. Und bei Bull Bay? Da regnet’s heute nur Konfetti.

26.07.643990 18:47
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Ich hatte vor der Saison ein Angebot aus England. Wäre ich bloß hingegangen. In England ist Fußball wenigstens noch Männersport und nichts für Tunten.
Axel Kruse nach einer roten Karte
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