Jamaica News Bulletin
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Bull Bay tanzt Constant Spring aus - 5:3-Spektakel in Kingston

50 000 Zuschauer im National Stadium von Kingston bekamen an diesem lauen Januarabend alles, was Fußballherzen höher schlagen lässt: acht Tore, ein Stürmer in Galaform und eine Abwehr, die manchem Trainer graue Haare beschert hätte. Am Ende triumphierte Bull Bay mit 5:3 über Constant Spring - ein Ergebnis, das so wild war wie das Spiel selbst.

Schon die erste Viertelstunde ließ erahnen, dass hier kein Sicherheitsfußball gespielt werden würde. Beide Teams traten offensiv auf, verzichteten weitgehend auf Pressing und schienen sich darauf geeinigt zu haben, dass Verteidigung ein optionales Konzept sei. In der 20. Minute brachte Martin Lopez Constant Spring in Führung - ein trockener Schuss nach Zuspiel von Giacomo Fuscaldo. Die Heimfans jubelten, doch kaum hatten sie sich gesetzt, glich Bull Bay durch Joao del Rio aus (23.). Der junge Brasilianer nahm den Pass von Mikhail Kerschakow elegant mit und nagelte den Ball unter die Latte.

"Ich dachte, der Ball platzt gleich", grinste del Rio später in der Mixed Zone. "Aber wenn man so trifft, darf er ruhig platzen."

Nur sieben Minuten später sorgte Moritz Jahn für das 2:1 der Gäste - die Flanke kam von Marcio Nani, und Jahn traf so präzise, dass selbst das Tornetz kurz sprachlos wirkte. Doch Constant Spring zeigte Moral: Georg Abel verwandelte in der 32. Minute nach schöner Vorarbeit von Morgan Graves. Das Stadion vibrierte, die Fahnenschwenker legten eine Extraschicht ein.

Dann kam Jannik Hoppe. Der Mittelfeldmotor von Bull Bay hatte offenbar beschlossen, dass Halbzeitstände wie 2:2 zu langweilig sind. In der 42. Minute schob er den Ball nach Pass von Bruno Calvente überlegt ins lange Eck - 3:2 für Bull Bay, Halbzeit.

"Ich habe den Jungs in der Kabine gesagt: ’Wir spielen ja nicht Hallenfußball, ihr dürft auch mal zurücklaufen’", verriet Constant-Spring-Coach nach dem Spiel mit gequältem Lächeln. Sein Name blieb ungenannt, aber seine Stimme klang, als hätte er 90 Minuten lang gegen Windmühlen gekämpft.

Nach dem Seitenwechsel wurde es kurz ruppiger. Ein gelbes Kärtchen für Einar Carew (50.) war der Auftakt zu einer kleinen Sammelbestellung: Hugo Manu (61.), Felix Afzelius (67.) und Lucas Callahan (71.) von Bull Bay durften ebenfalls in den Notizblock des Schiedsrichters. "Ich wollte nur den Ball treffen - der Ball war halt schneller", rechtfertigte sich Callahan schmunzelnd.

Fußball gespielt wurde aber auch noch. In der 76. Minute gelang Constant Spring der erneute Anschluss: Andre Seiler verwertete eine butterweiche Flanke von Graves zum 3:4. Die Fans glaubten wieder an die Wende, die Trommeln dröhnten, und irgendwo auf der Tribüne schrie jemand: "Jetzt nehmen wir sie auseinander!" - ein Optimist, wie sich herausstellen sollte.

Denn Bull Bay hatte noch Lust. Jannik Hoppe traf in der 83. Minute zum 4:3, nachdem Lucas Callahan das Mittelfeld zerpflügt hatte. Nur zwei Minuten später sorgte del Rio mit seinem zweiten Treffer - diesmal nach Vorarbeit von Hoppe - für den 5:3-Endstand.

Die Statistik war eindeutig: 21 Torschüsse für Bull Bay, nur 7 für Constant Spring. Auch im Ballbesitz (52,6 % zu 47,4 %) und in der Zweikampfquote (54 % zu 45 %) lag das Team von Trainer Sports Mann vorne. Der Coach zeigte sich entsprechend zufrieden: "Wir wollten zeigen, dass offensive Disziplin keine Fantasie ist. Heute war sie real - und laut."

Lopez dagegen wirkte frustriert: "Drei Tore zu Hause und trotzdem verlieren? Das ist wie ein Reggae-Konzert ohne Bass."

Am Ende blieb den Gastgebern nur der Applaus für ihre Spielfreude - und die Erkenntnis, dass man Spiele nicht allein mit schönen Angriffen gewinnt. Bull Bay dagegen feierte ausgelassen. Del Rio wurde auf den Schultern getragen, Hoppe grinste in jede Kamera, und Trainer Mann versprach augenzwinkernd: "Nächste Woche üben wir Verteidigen. Vielleicht."

Ein spektakulärer Abend, der zeigte, warum die jamaikanische Liga immer wieder für Torfestivals gut ist. Wer an diesem 21. Spieltag nicht im Stadion war, verpasste vielleicht den schönsten Grund, die Abwehrarbeit einmal zu vergessen.

19.09.643987 04:15
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