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Es war ein karibischer Fußballabend, wie man ihn sich nicht besser ausdenken könnte: 67.800 Zuschauer im ausverkauften Stadion von Bull Bay, tropische Luft, Trommeln, Pfeifen - und ein Spiel, das in seinen letzten Minuten zum Nervenkrimi wurde. Am Ende jubelte der Gastgeber Bull Bay über einen 3:2‑Sieg gegen den Barbican FC, der zwar mutig anrannte, sich aber zu spät belohnte. Schon in den ersten Minuten deutete sich an, dass Barbican an diesem 34. Spieltag der 1. Liga Jamaica nicht zum Kaffeeklatsch angereist war. Michel Baskin prüfte in der zweiten Minute den Bull‑Bay‑Keeper Andrew Gayheart mit einem satten Schuss - der erste von insgesamt 17 Torschüssen der Gäste. Doch während Barbican anlief, traf Bull Bay. In der 22. Minute war Ioakim Katranas zur Stelle. Nach feiner Vorarbeit von Otto Dahlstrom zog der rechte Flügelstürmer trocken ab - 1:0. "Ich wusste, dass der Ball reingeht, bevor ich geschossen hab", grinste Katranas später, und man konnte ihm das sogar glauben. Nur zwei Minuten später legte Verteidiger Felix Afzelius nach. Nach einer butterweichen Flanke von Fehmi Karaer drosch er den Ball ins Netz. 2:0 - und das Stadion bebte. Barbican-Trainer Peter Heinze stand an der Seitenlinie, die Arme verschränkt, und murmelte etwas, das nach "Das kann doch nicht wahr sein" klang. Seine Mannschaft dominierte die Statistiken - mehr Ballbesitz (50,1 %), mehr Torschüsse, mehr Zweikämpfe gewonnen -, aber eben nicht das, was zählt: Tore. Bull‑Bay‑Coach Sports Mann, ein Name wie gemacht für Schlagzeilen, sah das naturgemäß anders: "Wir spielen mit Herz, nicht mit Taschenrechnern", sagte er zur Pause, während seine Mannschaft im Offensivmodus blieb - über die Flügel, kurzpassorientiert, fast schon spanisch anmutend. Die zweite Halbzeit begann mit einem Offensivfeuerwerk von Barbican. Daniel Steiner versuchte es gleich dreimal zwischen der 40. und 52. Minute, aber Gayheart hielt, was zu halten war. In der 52. Minute wechselte Mann den erschöpften Jordi Roy aus und brachte Jannik Hoppe - eine Maßnahme, die sich später als goldrichtig erweisen sollte. In der 69. Minute endlich der verdiente Anschluss: Der junge Didier Greaves, gerade einmal 20 Jahre alt, verwertete eine Vorlage von Billy Bisson zum 2:1. "Endlich!", brüllte Heinze, "jetzt atmen wir wieder." Barbican roch Blut und drückte weiter, wurde aber zunehmend hektisch. Innenverteidiger François Reacock sah Gelb (82.), zuvor hatte Mittelfeldmann Andrew Forsythe (75.) bereits den Karton gesehen. "Wir wollten zeigen, dass wir keine Touristen sind", rechtfertigte sich Forsythe später mit einem schiefen Lächeln. Dann die Schlussoffensive: In der 87. Minute traf Marc Grenier nach erneutem Zuspiel von Bisson. 2:2, und plötzlich glaubte Barbican an das Wunder. Heinze ballte die Faust, die Fans tobten - doch das Schicksal hatte noch eine Pointe parat. In der Nachspielzeit, die vierte Minute lief, rollte Bull Bay ein letzter Angriff. Jannik Hoppe, eben jener Joker aus der 52. Minute, schickte Joao del Rio steil. Der 23‑jährige Mittelstürmer blieb eiskalt und schob den Ball ins kurze Eck. 3:2. Jubel. Ekstase. Und auf der anderen Seite pure Verzweiflung. "Ich dachte, wir hätten sie", sagte Heinze nach dem Spiel, "aber Fußball ist eben kein Wunschkonzert." Kurz darauf pfiff der Schiedsrichter ab, und das Stadion verwandelte sich in eine einzige tanzende Masse. Bull Bay hatte seine Pflicht erfüllt, und wie. Das Team von Sports Mann zeigte sich effizient wie ein Uhrwerk - neun Torschüsse, drei Tore, volle Ausbeute. Barbican hingegen versandete in Schönspielerei und Pech. "Wir haben’s spannend gemacht, das gehört zum Unterhaltungsprogramm", witzelte Katranas, während er sich von Fans feiern ließ. Trainer Mann ergänzte: "Ich sag meinen Jungs immer: Wenn ihr schon schwitzt, dann soll’s sich lohnen." Barbican hingegen reiste bedrückt ab, aber nicht gebrochen. "Wir nehmen die Energie mit", versprach Kapitän Greaves. "Beim nächsten Mal machen wir’s besser - oder wenigstens früher." Ein Spiel, das niemand so schnell vergessen wird: Drama, Tempo, Emotionen - und ein Happy End für die Gastgeber. Kurz gesagt: Fußball, wie er sein soll - unberechenbar, ungerecht und verdammt unterhaltsam. 18.10.643993 08:47 |
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Mario Basler