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Ein lauer Abend in Kingston, 64.470 Zuschauer, und von Beginn an das Gefühl, dass hier etwas passieren wird. Es dauerte gerade einmal vier Minuten, bis Bull Bay dem eigenen Ruf als Heimmacht gerecht wurde: Moritz Jahn, der flinke Rechtsaußen mit der lässigen Frisur, drosch den Ball nach einer butterweichen Flanke von Otto Dahlstrom in die Maschen. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Jahn später, "aber der Ball hat sich entschieden, ein Tor zu werden." Doch wer dachte, die Greenstars GSC würden brav zuschauen, der irrte gewaltig. Zehn Minuten später antworteten sie mit einem Angriff nach Maß: Henri Monroe, der rechte Verteidiger mit mehr Vorwärtsdrang als manchem Stürmer lieb ist, bediente Julien Prentiss, der eiskalt zum 1:1 ausglich. Trainer Ostkurve Berlin ballte die Faust, als hätte er gerade den Weltpokal gewonnen. "Julien hat das gemacht, was wir jeden Donnerstag im Training üben - nur schneller", sagte er nach dem Spiel mit einem Augenzwinkern. Dann allerdings kam der Bruch. Monroe verletzte sich in der 22. Minute nach einem Zweikampf mit Hugo Manu und musste raus. Sein Ersatz, der junge Liam Burton, machte seine Sache tapfer, aber die rechte Seite der Greenstars blieb wackelig wie ein Strandstuhl im Sturm. Bull Bay spürte das und erhöhte den Druck. 12 Torschüsse sollten es am Ende werden, doppelt so viele wie die Gäste. Besonders auffällig: Marcio Nani, der rechte Stürmer, der schoss, flankte, fluchte - nur traf er nicht. In der 37., 45. und 47. Minute versuchte er es, doch der Ball wollte einfach nicht rein. "Das Tor war heute kleiner als sonst", meinte Nani halb ernst, halb lachend nach Abpfiff. Die zweite Halbzeit begann mit einem Paukenschlag. Gerade frisch eingewechselt, zeigte Lucas Callahan in der 50. Minute, warum er trotz seiner 31 Jahre noch immer der Denker und Lenker dieses Teams ist. Nach feiner Vorarbeit von Jahn schob er den Ball überlegt ins rechte Eck - 2:1 für Bull Bay. Der Jubel war ohrenbetäubend, und Callahan legte einen Tanz hin, der wohl selbst in der Karibik als exzentrisch gelten dürfte. Trainer Sports Mann kommentierte trocken: "Ich sag’s mal so - tanzen kann er besser als verteidigen." In den folgenden Minuten schien Bull Bay das Spiel endgültig unter Kontrolle zu haben. 54,8 Prozent Ballbesitz, solide Zweikampfbilanz, und ein Pressing, das in der ersten Halbzeit noch furios, später aber eher gemütlich wirkte. Der Statistik nach schaltete die Mannschaft nach der Führung auf "Verwalten" - zumindest, wenn man den Taktikdaten glauben darf. Die Greenstars versuchten es weiter, kamen aber selten gefährlich vor das Tor von Henri Carriere. Ein Schuss von Rene Hartshorn (74.) wurde Beute des Keepers, und in der 90. Minute zwang Prentiss ihn noch einmal zu einer Glanzparade. "Ich hab ihn kurz gesehen, dann war der Ball schon da", sagte Carriere später, "zum Glück war meine Hand auch da." Die Schlussphase brachte noch eine Gelbe für Rene Couture (91.), ein taktisches Foul, das man in der Schule wohl als "lieber einmal zu viel" bezeichnet. Ansonsten blieb es hitzig, aber fair - sechs Gelbe Karten insgesamt, keine davon rotgefährdet. Als der Schlusspfiff ertönte, standen die Fans von Bull Bay auf den Sitzen. 2:1, Arbeitssieg, aber ein verdienter. "Wir haben ein bisschen zu früh aufgehört zu rennen", gab Trainer Sports Mann zu, "aber solange wir vorne ein Tor mehr machen, darf man das wohl Stil nennen." Trainer Ostkurve Berlin hingegen suchte Trost im Galgenhumor: "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit schöner Aussicht - das Meer hinterm Stadion ist großartig." Am Ende bleibt ein Spiel, das alles hatte: frühe Tore, Verletzungsdrama, viel Emotion und ein Held namens Callahan, der zeigte, dass Erfahrung manchmal einfach besser ist als jugendlicher Übermut. Und irgendwo in der Kabine summte Moritz Jahn leise vor sich hin: "Ich wollte doch nur flanken." Vielleicht das schönste Kompliment an einen Abend, an dem Bull Bay wieder einmal bewiesen hat, dass Fußball auf Jamaika nicht nur Sonne, Sand und Reggae ist - sondern auch Einsatz, Leidenschaft und ein bisschen Wahnsinn. 30.09.643987 16:17 |
Sprücheklopfer
Ich hab früher schon in der Westkurve gestanden und Lothar Matthäus beschmissen.
Mario Basler