Jamaica News Bulletin
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Bull Bay kämpft Spanish Town nieder - MacMillan trifft, der Rest schwitzt

Ein lauer Abend in Kingston, 66.382 Zuschauer, eine laute Menge, die sich mehr Sonne als Schatten wünschte - und ein Fußballspiel, das alle Erwartungen an Dramatik, aber wenige an spielerische Feinheit erfüllte. Bull Bay schlägt Spanish Town mit 1:0, und das klingt knapper, als es sich anfühlte - oder vielleicht auch nicht.

Trainer Sports Mann hatte seine Elf von Beginn an auf Angriff getrimmt, die Taktik lautete "offensiv, stark aggressiv, balanciert im Passspiel". Übersetzt: Alles nach vorn, und was hinten passiert, sehen wir später. Spanish Town-Coach Ioannis Exis hingegen blieb seinem bedächtigen Stil treu, ließ seine Mannschaft "balanciert und sicher schießen" - was im jamaikanischen Fußball oft bedeutet: viel Ballbesitz, wenig Ertrag.

Die ersten Minuten gehörten Bull Bay. Schon in der ersten Minute prüfte Hugo Manu den Keeper Davib Wyler mit einem kernigen Schuss aus 18 Metern. Zwei Minuten später scheiterte Joao del Rio, und man ahnte: Das wird heute ein langer Abend für Spanish Towns Abwehr. In der 18. Minute dann der Moment, der das Spiel entschied: Alexander MacMillan, der Mann mit der Stirn eines Schachspielers und den Beinen eines Marathonläufers, nahm den Ball von Jakub Lukes zentral an, drehte sich einmal in Zeitlupe - und schlenzte ihn ins rechte Eck. Wyler flog, sah gut aus, aber der Ball war schon drin. 1:0.

"Ich wollte ihn eigentlich volley nehmen, aber dann dachte ich: Ach, warum nicht elegant?", grinste MacMillan später. Trainer Mann klopfte ihm auf die Schulter: "Wenn er anfängt, darüber nachzudenken, wird’s gefährlich - für alle."

Spanish Town war geschockt, rappelte sich aber auf. Dominique Merz, der alte Haudegen auf der linken Seite, hatte in der 6. und 54. Minute gute Gelegenheiten, aber Bull-Bay-Keeper Andrew Gayheart hielt, was zu halten war - und manchmal auch das, was gar nicht zu halten war. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass er mich trifft", sagte Gayheart lachend über seine Parade in der 75. Minute gegen Sebastien Auch.

Insgesamt brachte es Spanish Town auf neun Torschüsse, Bull Bay auf satte 15. Ballbesitz? Überraschenderweise 55 Prozent für die Gäste. Doch was nützen Zahlen, wenn die Kugel nicht über die Linie will? "Wir hatten den Ball, aber sie hatten das Tor", kommentierte Exis trocken. "Und leider zählt immer noch das."

Das Spiel blieb ruppig. Drei Gelbe für Spanish Town - Christopher Billet (29.), Merz (40.) und Lewis Stanton (63.) - zeugten von wachsender Frustration. Auch Bull Bays Otto Dahlstrom durfte sich in der 84. Minute ein Souvenir in Form von Gelb abholen. "Er meinte, ich hätte ihn gehalten", erklärte Dahlstrom über Merz. "Stimmt, aber nur, weil er sonst hingefallen wäre."

In der zweiten Halbzeit verlegte sich Bull Bay aufs Kontern. Sports Mann wechselte klug: MacMillan ging in der 64. Minute unter Standing Ovations runter, Jordi Roy kam - und brachte Stabilität. "Ich hab ihm gesagt, mach einfach nix Dummes", so Mann. Roy nickte, machte tatsächlich nix Dummes, und schon war die halbe Pressekonferenz gerettet.

Spanish Town versuchte es weiter, meist über den jungen Sebastien Auch, der mit 19 Jahren den Ehrgeiz eines ganzen Stadtviertels in die Beine gepflanzt bekommen zu haben scheint. Drei Mal schoss er, drei Mal knapp vorbei. "Ich dachte, der Wind hilft mir", murmelte er beim Abgang. Der Wind tat’s nicht.

In der Nachspielzeit durfte Bull Bays Linksverteidiger Karl Andersson noch einen Fernschuss probieren, der das Stadion kurz aufschreien ließ - aber Wyler tauchte ab. Danach war Schluss, und die Fans von Bull Bay sangen, als hätten sie gerade die Liga gewonnen.

Statistisch gesehen war’s ein knappes Ding: 53,3 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Bull Bay, 46,6 für Spanish Town - ein Spiegelbild der Entschlossenheit. Und das 1:0 war so ein typisches Ergebnis eines Spiels, in dem einer wollte und der andere überlegte, ob er wirklich will.

"Wir haben das gemacht, was nötig war - nicht mehr, nicht weniger", bilanzierte Trainer Mann. "Und ja, schön war’s nicht, aber drei Punkte sind schöner als Schönspielerei."

Exis nahm’s sportlich: "Wir hatten Ideen, aber keine Tore. Vielleicht drehen wir das nächste Mal einfach um."

So endete ein Abend, der in Erinnerung bleiben wird - nicht, weil er spektakulär war, sondern weil er zeigte, dass Fußball manchmal kein Feuerwerk braucht. Manchmal reicht ein Schuss, ein Moment, ein MacMillan.

Und irgendwo in Bull Bay knallt bestimmt noch immer ein Sektkorken - leise, aber verdient.

22.09.643990 15:22
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Rainer Calmund
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