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Ein lauer Abend in Kingston, 63.397 Zuschauer, und ein Spiel, das zunächst so zäh begann wie ein Montagmorgen ohne Kaffee. Doch als der Schiedsrichter zur zweiten Halbzeit pfiff, wachte Bull Bay auf - und Barbican FC schaute nur noch hinterher. Am Ende hieß es 3:1 für die Hausherren, und wer erst zur 46. Minute eingeschaltet hatte, bekam immerhin noch ein echtes Spektakel zu sehen. "Ich hab in der Kabine nur gesagt: *Vielleicht wollen wir ja heute mal gewinnen*", grinste Bull-Bay-Coach Sports Mann nach dem Spiel. "Schien geholfen zu haben." Tatsächlich war von der vorsichtigen ersten Hälfte - Ballbesitz 46 zu 54 Prozent aus Sicht von Bull Bay - nach der Pause wenig zu spüren. Der Dosenöffner kam in Minute 49: Otto Dahlstrom, der rechte Mittelfeldspieler mit der Dynamik eines Espresso-Doppels, zog nach feinem Zuspiel von Jerome DeBrosse ab - drin. 1:0. Das Stadion tobte, und Dahlstrom selbst meinte später lachend: "Ich hab gar nicht gesehen, dass er reinging. Ich wollte eigentlich flanken." Doch Barbican FC, von Coach Peter Heinze offensiv eingestellt, antwortete prompt. Nur fünf Minuten später stand Marc Grenier goldrichtig und traf nach Pass von Andrew Forsythe zum Ausgleich. 1:1, und das völlig verdient: Die Gäste hatten zu diesem Zeitpunkt mehr vom Spiel, zwölf Torschüsse insgesamt. "Wir waren da", sagte Heinze später. "Nur leider auch, als der Gegner wieder anfing mitzuspielen." Denn dann kam Juanito Mendez. Der 32-jährige Linksaußen, der in der ersten Halbzeit eher wie ein Tourist am Strand wirkte, bekam in der 66. Minute eine Flanke von Francisco Prieto und köpfte den Ball wuchtig ins Netz. Ein Bilderbuchtor - und der Moment, in dem Bull Bay endgültig die Kontrolle übernahm. Prieto allerdings sah vorher Gelb (43.), nachdem er bei einem Zweikampf mehr den Rasen als den Ball traf. "Alles Ball, nur der Ball war nicht da", erklärte er mit einem Schulterzucken nach dem Spiel. Humor hat er. In Minute 83 dann die Entscheidung - und was für eine! Innenverteidiger Pascal Berthier stieg nach einem Eckball am höchsten und köpfte zum 3:1 ein. Assistgeber: Alexander MacMillan, dessen Eckbälle an diesem Abend präziser waren als ein Schweizer Uhrwerk. "Ich übe das immer mit geschlossenen Augen", scherzte MacMillan, als er von Reportern umringt wurde. Das war’s - Barbican mühte sich noch, kam aber gegen die kompakte Defensive von Bull Bay nicht mehr durch. Henrick Oudekirk hatte kurz vor Schluss noch eine Chance (82.), doch Torwart Amaury Dieguez hielt souverän. "Ich wollte den Ball fangen, aber er war zu schnell - also hab ich ihn lieber angeschaut und gehofft", sagte Dieguez mit einem Augenzwinkern. Coach Heinze wirkte nach dem Abpfiff dagegen weniger amüsiert. "Wir haben das Spiel in zehn Minuten verloren", knurrte er. "Und dann noch eine Gelbe (Peltier, 72.) - das hat uns den Rhythmus genommen." Statistisch betrachtet war das Match fast ausgeglichen: 11 zu 12 Torschüsse, Tacklingquote 49 zu 51 Prozent, Ballbesitz leicht zugunsten der Gäste. Doch Fußball wird eben nicht im Statistikbüro entschieden. Bull Bay war nach der Pause einfach wacher, gieriger und - das muss man sagen - effizienter. In der Schlussphase wechselte Sports Mann noch dreimal: Mendez durfte nach seinem Treffer (82.) unter Applaus raus, wurde durch Hugo Manu ersetzt. Kurz darauf kam Markus Burger für den Torschützen Berthier (85.) - "den musste ich runternehmen, sonst köpft er noch das Flutlicht ein", grinste der Trainer - und schließlich ersetzte Karl Andersson den gelbbelasteten Prieto (87.). Beim Abpfiff jubelte das Publikum, als hätte Bull Bay gerade die Meisterschaft gewonnen. Vielleicht war es auch einfach die Erleichterung, endlich mal wieder ein überzeugendes Heimspiel gesehen zu haben. "Manchmal braucht man nur ein Tor, um sich zu erinnern, dass man Fußball spielen kann", sagte Kapitän Dahlstrom, der Mann des Abends. Fazit: Ein Spiel, das langsam anfing und stark endete - mit drei Toren binnen 35 Minuten und einer Mannschaft, die sich in der zweiten Halbzeit selbst neu erfand. Bull Bay darf weiter träumen, Barbican FC dagegen wird sich fragen, warum starke Statistiken manchmal so wenig wert sind. Oder wie Sports Mann beim Hinausgehen murmelte: "Ballbesitz ist schön - Tore sind schöner." 31.01.643994 10:45 |
Sprücheklopfer
Da kann er sich doch freuen, mit mir spielen zu können.
Stefan Effenberg nachdem der Transfer von Sebastian Deisler zum FC Bayern bekannt wurde