Jamaica News Bulletin
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Bull Bay dreht das Spiel - und Barbican verliert die Nerven

Ein Montagabend unter Flutlicht, 64.349 Zuschauer, karibische Temperaturen - und ein Spiel, das alles bot, was man sich in der 1. Liga Jamaicas wünschen (oder fürchten) konnte. Bull Bay besiegte Barbican FC mit 2:1 (1:1), drehte nach frühem Rückstand auf und ließ die Gäste schließlich in Unterzahl ins Leere laufen.

Dabei hatte Barbican zunächst allen Grund zur Freude. In der 26. Minute zirkelte der 23-jährige Billy Bisson den Ball nach feinem Zuspiel von Jean-Pierre Bosworth aus spitzem Winkel ins Netz. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Bisson später, "aber wenn’s reingeht, dann sag ich natürlich: Das war Absicht."

Die Freude währte allerdings genau 60 Sekunden. Denn im direkten Gegenzug schlug Bull Bay zurück - und wie! Hugo Manu pflügte über den linken Flügel, flankte butterweich auf Moritz Jahn, der den Ball volley ins lange Eck drosch. 27. Minute, 1:1 - und das Stadion tobte. "Da hat es kurz vibriert, als wäre ein Erdbeben unter der Tribüne", meinte Trainer Sports Mann trocken.

Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Barbican hatte mit 54 Prozent Ballbesitz zwar die Kontrolle, Bull Bay aber den Biss - und vor allem deutlich mehr Zug zum Tor. 17 Torschüsse stehen am Ende für die Gastgeber, nur fünf für Barbican. Besonders auffällig: Marcio Nani. Der rechte Flügelflitzer von Bull Bay schoss gefühlt aus jeder Lage, mal knapp vorbei, mal mitten aufs Tor, doch in der 62. Minute belohnte er sich selbst.

Nach einem Abpraller reagierte Nani am schnellsten, zog mit dem rechten Fuß ab und traf flach ins Eck. Torwart Guillaume Lockhart streckte sich vergeblich. 2:1 - die Wende war perfekt. "Ich hatte das Gefühl, der Ball wollte einfach zu mir", sagte Nani später, "und dann wollte ich ihn auch nicht enttäuschen."

Barbican verlor daraufhin mehr als nur das Spiel. In der 63. Minute sah Rechtsverteidiger Evan Morriss nach einem rustikalen Einsteigen - und das ist noch milde formuliert - die Rote Karte. "Er hat den Ball gesehen, aber leider nur im Rückspiegel seines Gegners", kommentierte ein Zuschauer lachend. Trainer Peter Heinze tobte an der Seitenlinie, während Schiedsrichter Lewis ungerührt blieb.

Ab da war Bull Bay überlegen, wenn auch nicht immer souverän. Moritz Jahn musste nach 73 Minuten verletzt vom Platz, wurde durch Otto Dahlstrom ersetzt. "Er hat sich wohl verhoben - beim Jubeln", witzelte Mitspieler Bruno Calvente später. Sports Mann nahm’s sportlich: "Das war ein hartes Spiel, aber wir haben Charakter gezeigt. Und Moritz bekommt von mir eine Woche Strandurlaub als Medizin."

Barbican versuchte trotz Unterzahl noch einmal Druck aufzubauen, doch ihre Angriffsbemühungen verpufften regelmäßig am Strafraumrand. Jeremy Devael, sonst ein quirliger Stürmer, lief sich an der vielbeinigen Bull-Bay-Abwehr fest. Die Hausherren verteidigten mit Herz und Härte - Julian Kaufmann kassierte dafür in der 70. Minute Gelb, grinste aber nur: "War eine taktische Grätsche - sehr taktisch."

Die letzten Minuten gehörten wieder Bull Bay. Klaus, Nani und Calvente feuerten noch mehrfach aufs Tor, ohne den Sack endgültig zuzumachen. Doch der Sieg war ungefährdet. Als Schiedsrichter Lewis nach 91 Minuten abpfiff, fiel Sports Mann seinem Co-Trainer um den Hals, während Peter Heinze kopfschüttelnd in die Kabine stapfte.

"Wir hatten mehr Ball, aber weniger Tore", bilanzierte Heinze später in der Pressekonferenz. "Das ist im Fußball leider noch immer das falsche Verhältnis." Sein Gegenüber konterte mit einem breiten Grinsen: "Ich sage meinen Jungs immer: Wer öfter schießt, darf auch öfter jubeln. Heute war das wieder Matheunterricht mit Happy End."

Fazit: Bull Bay zeigte eine leidenschaftliche Vorstellung, nutzte die entscheidenden Momente eiskalt und bewahrte trotz Verletzung und Kartenchaos die Ruhe. Barbican dagegen verlor nach starkem Beginn den Faden - und irgendwann auch die Contenance.

Und während die Fans von Bull Bay noch lange nach Schlusspfiff im Stadion sangen, sagte ein älterer Zuschauer augenzwinkernd: "Wenn die so weitermachen, brauchen sie bald ein eigenes Wörterbuch für Jubelrufe." Ein schöner Abend für Bull Bay, ein lehrreicher für Barbican - und ein weiterer Beweis, dass Fußball auf Jamaika mehr Gefühl als Ballbesitz ist.

15.08.643987 09:17
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