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Ein lauer Januarabend, 53.346 Zuschauer im Estadio Alfonso López, und UD Bucaramanga hatte offenbar beschlossen, das neue Jahr mit einem Feuerwerk zu beginnen - ganz ohne Pyrotechnik, dafür mit präzisem Offensivfußball. Das 4:0 über Opita Huila beim 4. Spieltag der 1. Liga Kolumbien war mehr als nur ein Statement: Es war eine Demonstration, ein Lehrfilm, vielleicht auch ein bisschen eine Demütigung. Schon nach acht Minuten war klar, wohin der Abend führt. Damiano Decollatura, der 24-jährige Wirbelwind auf dem rechten Flügel, traf nach feinem Zuspiel von Antonio Hermenegildo. Der Schuss? Präzise wie ein Uhrwerk. Der Jubel? Eine Mischung aus Erleichterung und Übermut - Decollatura blies sich die Backen auf, als wolle er das Stadion allein aufblasen. "Ich hatte das Gefühl, dass heute alles klickt", grinste er später. "Antonio hat mir den Ball so serviert, dass ich nur noch Danke sagen musste." Und Antonio selbst? Der revanchierte sich knapp eine halbe Stunde später (37.), als er nach einer Ecke von Innenverteidiger Emiliano Amendolara goldrichtig stand. 2:0 - und Huila wirkte da schon wie ein Boxer in der Sechsten, der nur noch auf die Glocke wartet. Trainer Papa Ancelotti, sonst mehr für trockene Analysen bekannt, lächelte diesmal fast rührselig. "Unsere Jungs haben gespielt, als hätten sie vergessen, dass Weihnachten vorbei ist", sagte er schmunzelnd. "Aber wenn sie so Geschenke verteilen, nehme ich das gerne." Die zweite Halbzeit begann, wie die erste geendet hatte: Bucaramanga spielte, Huila schaute. Während die Gäste ihre angeblich offensive Ausrichtung wohl nur versehentlich auf dem Matchplan stehen hatten, rollte Angriff um Angriff auf ihr Tor. Vierzehn Torschüsse für Bucaramanga, null für Huila - eine Statistik, die eigentlich nur bei Jugendspielen vorkommt. In der 63. Minute war es wieder Decollatura, diesmal nach Vorarbeit von Rui Mascarenhas. Der Ball zappelte im Netz, und der Italiener riss die Arme hoch, als habe er gerade die Champions League gewonnen. Eine Minute später setzte er noch einen drauf - Vorlage Emilio Nani, Abschluss Decollatura, 4:0. Ein Doppelpack binnen 60 Sekunden, der das Stadion in einen Taumel versetzte. "Ich hab gar nicht gemerkt, dass es so schnell ging", lachte Decollatura. "Ich dachte, es sei dieselbe Wiederholung auf der Anzeigetafel." Während Bucaramanga munter kombinierte, suchte Huila nach dem Ball - und fand stattdessen Gelbe Karten. Bruno Fortunio (70.) und Alex Granados (80.) sahen Gelb, vermutlich aus purer Frustration. Trainer Ancelotti kommentierte es trocken: "Das war wohl deren Art, uns zu stoppen." Der Rest war Schaulaufen. Papa Ancelotti gönnte seinen Routiniers eine Pause: Amendolara ging für den jungen Leandro Sousa (67.), später durfte Torwart Finlay Linney Feierabend machen, Evgenios Giannopoulos übernahm. Selbst die Bankspieler lächelten, als wäre das Ergebnis ein Geburtstagsgeschenk. Auf der anderen Seite stand Opita Huila-Trainer - dessen Name sich in den offiziellen Listen verloren hatte - ratlos an der Seitenlinie. Seine Mannschaft hatte 47 Prozent Ballbesitz, aber keinen einzigen Schuss aufs Tor. "Wir haben den Ball gehabt, aber irgendwie nie gewusst, was damit anzufangen ist", sagte ein sichtlich zerknirschter Alex Granados nach dem Spiel. In der Mixed Zone war die Stimmung entsprechend zweigeteilt. Bucaramanga feierte Decollatura, der mit drei Treffern und einer Vorlage glänzte, während Hermenegildo ihm den Rücken stärkte. "Damiano ist wie ein Espresso - klein, stark und gefährlich, wenn du ihn unterschätzt", witzelte der Stürmer. Die Fans auf den Tribünen tanzten, sangen, und ein älterer Herr im gelben Trikot schrie in Richtung der Presseplätze: "Schreibt’s euch auf: Das ist unser Jahr!" Ob er Recht behält, wird sich zeigen. Aber nach einem Auftritt wie diesem darf man in Bucaramanga zumindest träumen. Papa Ancelotti verabschiedete sich mit einem Augenzwinkern: "Ich habe ihnen gesagt, sie sollen offensiv spielen. Dass sie das so wörtlich nehmen, überrascht mich selbst ein bisschen." Und Huila? Die Gäste verließen das Feld mit gesenktem Kopf, wohl wissend, dass sie an diesem Abend nur Statisten in einer Bucaramanga-Gala waren. Kein Schuss aufs Tor, zwei Gelbe Karten, vier Gegentreffer - das ist kein Spiel, das man sich später noch einmal ansehen möchte. Manchmal, so scheint es, hat Fußball etwas von einem Theaterstück: Es gibt Helden, es gibt Nebendarsteller, und manchmal auch eine Komödie, bei der nur eine Seite lacht. In Bucaramanga lachten am Sonntagabend 53.346 Menschen - und einer davon ganz besonders: Damiano Decollatura. 06.03.643987 10:27 |
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