El Colombiano
+++ Sportzeitung für Kolumbien +++

Bucaramanga beißt sich die Zähne aus - Americano Cali erkämpft zähes 1:1

Es war einer dieser Abende, an denen 53.810 Zuschauer im Estadio Alfonso López früh merkten: Das wird kein gemütlicher Spaziergang, sondern ein zäher Fußballabend zwischen Leidenschaft, Lattentreffern und leichtem Wahnsinn. UD Bucaramanga und Americano Cali trennten sich am 8. Spieltag der 1. Liga Kolumbien mit einem 1:1 - ein Ergebnis, das beiden Trainern aus völlig unterschiedlichen Gründen Stirnfalten bescherte.

Kaum hatte der Schiedsrichter angepfiffen, zündete Bucaramanga ein Feuerwerk. Schon in der 2. Minute prüfte Manfred Hansen mit einem satten Linksschuss den Gästetorhüter Nevio Custodio, der da noch nicht ahnte, dass er in den kommenden 90 Minuten zum Helden wider Willen werden würde. Zwei Minuten später fiel, was fallen musste: Attila Radoki, quirlig wie eh und je im Zentrum, zog nach Vorarbeit von Bernardo Tristan ab - 1:0 für die Hausherren. "Ich dachte erst, Bernardo verliert den Ball beim Dribbling, aber er hat ihn irgendwie durch drei Beine durchgeschoben", grinste Radoki später.

Doch wer glaubte, Americano Cali würde sich verstecken, irrte gewaltig. Nur vier Minuten nach dem Rückstand zeigte Linksverteidiger Miguel Nani, dass auch Defensivkräfte Lust auf Offensivaktionen haben dürfen. Nach einem Freistoßgewühl und einem klugen Pass von Innenverteidiger Mario Viana drosch Nani den Ball aus halblinker Position in den Winkel - 1:1. "Ich wollte eigentlich flanken", gab er nach dem Spiel verschmitzt zu, "aber manchmal hat der Fußball eben Humor."

Danach entwickelte sich eine Begegnung, die weniger von Taktik als von purem Willen lebte. Bucaramanga rannte an, Cali konterte, und irgendwo dazwischen versuchte der Ball, sich neutral zu verhalten. Die Statistik sprach klar für die Gastgeber: 18 Torschüsse, 52,6 Prozent Ballbesitz, dazu eine Zweikampfquote von 54 Prozent. Nur - das Runde wollte einfach nicht mehr ins Eckige.

Iker Allegri nagelte in der 18. Minute eine Direktabnahme ans Außennetz, Fabio Antonio vergab gleich vier Großchancen zwischen Minute 24 und 40, und Pascal Letourneur versuchte sich in der 29. Minute an einem Schlenzer, der wohl heute noch auf dem Parkplatz gesucht wird. Americano Cali, dagegen, schoss siebenmal aufs Tor, meist durch den jungen Guillermo Eximenonis, der mit seinen 22 Jahren und unverschämtem Selbstvertrauen glänzte.

Zur Halbzeit standen sich zwei Teams gegenüber, die beide das Gefühl hatten, mehr verdient zu haben. "Wir hätten drei Tore machen müssen", knurrte Bucaramangas Coach Papa Ancelotti mit hochrotem Kopf. "Aber wenn du vorne so verschwenderisch bist, dann musst du hinten eben perfekt stehen - und das waren wir nicht."

Sein Gegenüber Gwydion ForChampion, ein Mann mit dem Namen eines Fantasyhelden und der Ruhe eines Schachgroßmeisters, sah das naturgemäß anders: "Wir wussten, dass sie stürmen würden wie ein Orkan. Also haben wir den Regenschirm ausgepackt."

In der zweiten Halbzeit wurde der Orkan zum Dauerregen. Bucaramanga drückte, Americano Cali verteidigte in Reih und Glied. Bernardo Tristan zwang Custodio in der 54. Minute zu einer Glanzparade, und in der 68. Minute hatte Fabio Antonio den Siegtreffer auf dem Fuß - doch wieder war der Keeper im Weg. Auf der anderen Seite sorgte Eximenonis in der 82. Minute noch einmal für Herzklopfen bei den Heimfans, als sein Schuss nur Zentimeter über die Latte strich.

In der 79. Minute wechselte Ancelotti doppelt: Ruben Martinez kam für Ignacio Espinosa, Jarne Dedobbelaer ersetzte Anton Ragulin. "Frisches Blut für die letzten Minuten", erklärte der Trainer - und meinte wohl eher: frische Nerven. Doch auch die Einwechselspieler konnten das 1:1 nicht mehr in ein Happy End verwandeln.

Als der Schlusspfiff ertönte, sanken beide Teams auf den Rasen. Bucaramanga hatte sich verausgabt, Cali hatte überlebt. Die Zuschauer applaudierten - vielleicht aus Dankbarkeit für das Drama, vielleicht auch aus purer Erleichterung.

"Ein Punkt fühlt sich heute an wie ein Sieg", sagte Americano-Kapitän Damian Martinez, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte. "Und ehrlich gesagt: Ich bin froh, dass der Schiedsrichter kein Nachspielzeit-Fetischist war."

Bucaramanga bleibt damit im Tabellenmittelfeld stecken, Americano Cali nimmt einen Zähler mit, der moralisch doppelt zählt.

Und irgendwo in der Katakombe des Stadions soll Papa Ancelotti gescherzt haben: "Wenn meine Jungs so zielsicher beim Abendessen wären wie vor dem Tor, gäbe es nie kalte Pasta."

Vielleicht war das die ehrlichste Analyse des Abends.

10.04.643987 04:37
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
In der Schule gab's für mich Höhen und Tiefen. Die Höhen waren der Fußball.
Thomas Häßler
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager