Jamaica News Bulletin
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Bruno Calvente erlöst Bull Bay - spät, aber verdient

Es war einer dieser Abende, an denen selbst der Rasen seufzt - 54.187 Zuschauer im Stadion von Bull Bay, tropische Luft, Flutlicht, 12. Spieltag der 1. Liga Jamaica. Und dann dieses Spiel, das so lange nach einem Geduldsspiel roch, ehe Bruno Calvente in der 78. Minute die Erlösung brachte. 1:0 hieß es am Ende gegen Harbour View, und Trainer Sports Mann atmete so tief durch, dass man es vermutlich bis ins Nachbardorf hörte.

Dabei hätte es längst so weit sein können. 23 Schüsse aufs Tor - das ist nicht nur eine Statistik, das ist ein Hilfeschrei an die Götter des Offensivfußballs. Ioakim Katranas eröffnete das Feuer bereits in der zweiten Minute, und von da an knallte es in regelmäßigen Abständen auf das Gehäuse von Luís Linares, dem armen Keeper von Harbour View. "Ich hatte irgendwann das Gefühl, die schießen aus Prinzip", grinste Linares nach dem Spiel, "aber immerhin kam keiner rein - na ja, bis zu dem einen halt."

Dieser "eine" kam, als alle schon mit einem weiteren torlosen Abend gerechnet hatten. Moritz Jahn, quirlig wie ein Kolibri auf Koffein, setzte sich auf der rechten Seite durch, schob den Ball flach in den Strafraum, und Bruno Calvente tat, was er zuvor 22 Mal vergeblich versucht hatte: Er traf. Links unten, unhaltbar, 78. Minute, Stadion explodiert.

"Ich hab einfach draufgehalten", sagte Calvente später mit einem Schulterzucken, das irgendwo zwischen Bescheidenheit und Selbstironie schwankte. "Nach so vielen Versuchen musste ja irgendwann einer rein." Trainer Mann grinste daneben: "Wir hatten das Spiel im Griff, aber irgendwann wollte ich schon anfangen, Stoßgebete zu schicken. Bruno hat mich davor bewahrt."

Von Harbour View kam indes offensiv - nichts. Kein einziger Schuss aufs Tor, kein gefährlicher Angriff, kein Moment, der den Heimtorwart Andrew Gayheart in echte Schweißnot brachte. "Wir wollten kontrolliert spielen", erklärte ein sichtlich genervter Gästecoach, der sich weigerte, seinen Namen in die Pressekonferenz einzutragen. "Aber Kontrolle ohne Ball ist eben schwierig."

Spätestens nach der Verletzung von Thierry Bruguiere in der 39. Minute - eine unglückliche Szene ohne Fremdeinwirkung - wirkte Harbour View völlig aus dem Konzept. Filipe Nani kam für ihn, aber das änderte nichts daran, dass Bull Bay das Spiel diktierte. 51 Prozent Ballbesitz, 61 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 23:0 Schüsse - das liest sich wie ein Monolog.

Und doch blieb das Publikum bis zum späten Treffer zwischen Begeisterung und Verzweiflung gefangen. In der 40. Minute verzog Juanito Mendez freistehend, in der 54. rauschte ein Kopfball von Joao del Rio knapp am Pfosten vorbei. Ein älterer Fan auf der Haupttribüne rief irgendwann: "Sports Mann, bring doch gleich alle Stürmer!" - worauf der Trainer sich tatsächlich umdrehte und lachte: "Ich hab ja kaum noch welche!"

Nach dem erlösenden Tor war die Erleichterung greifbar. Die letzten Minuten spulte Bull Bay souverän herunter, ohne das Risiko zu suchen. Harbour View dagegen wirkte, als hätte man ihnen die Gebrauchsanweisung fürs Toreschießen entzogen.

Die junge Einwechslung Dominique Lancaster (18) sorgte wenigstens noch für ein paar frische Beine auf der linken Seite, während der erfahrene Callahan im Mittelfeld die Fäden zog und das Tempo kontrollierte. "Lucas war heute unser Metronom", lobte Coach Mann. "Er hat gespielt, als hätte er eine Uhr im Fuß."

Für Harbour View bleibt der Abend ein Musterbeispiel für defensive Hingabe und offensive Abstinenz. "Manchmal muss man sich eingestehen, dass man einfach nicht gefährlich war", sagte Kapitän William Lorring ehrlich. "Wir hätten noch drei Stunden spielen können, und Gayheart hätte trotzdem saubere Handschuhe behalten."

Bull Bay dagegen kann mit diesem Sieg den Blick wieder nach oben richten. Es war kein Feuerwerk, aber ein Statement: Geduld zahlt sich aus, Schusswut irgendwann auch. Und wenn man ehrlich ist - ein 1:0 fühlt sich manchmal besser an als ein 4:0. Weil man es sich richtig erarbeitet hat.

Zum Schluss meinte Bruno Calvente, als die Mikrofone schon fast ausgeschaltet waren: "Ich hab gehört, nächste Woche soll’s regnen. Vielleicht flutscht’s dann leichter rein." - Ein Satz, der zeigt: Selbst bei 23 Schüssen kann man seinen Humor behalten.

Ein spätes Tor, ein verdienter Sieg, ein Abend, der in Erinnerung bleibt - zumindest für die Fans von Bull Bay, die endlich wieder jubeln durften. Harbour View dagegen muss wohl noch ein paar Nächte über die Null nachdenken.

26.05.643987 08:57
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Ich will jetzt nicht noch zusätzlich Feuer ins Öl gießen.
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