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Wenn 38.330 Fans im Lyngby Stadion den Atem anhalten, ist Derbyzeit in Dänemark. Doch schon nach einer halben Stunde war die Luft raus - zumindest für die Gastgeber. Bröndby Kopenhagen zerlegte Lyngby BC in einer ersten Halbzeit, die selbst Trainer Harald Burnat nach Abpfiff nur mit einem Schulterzucken und einem Grinsen kommentierte: "Wir hätten noch zwei mehr machen können, aber man soll ja nicht unhöflich werden." Dabei fing alles harmlos an. Lyngby spielte in den ersten Minuten mutig nach vorn, hatte durch Harvey Lochiel (6.) und den jungen Dagfinn Nguyen (13.) zwei Abschlüsse, die den Bröndby-Keeper Kim Svendsen wenigstens kurz aufweckten. "Da dachte ich: heute läuft’s", murmelte Lyngby-Trainer Hans Kellershoff später. Leider lief es - aber für die anderen. Ab der 20. Minute übernahm Bröndby das Kommando. Über die Flügel, wie einstudiert, rollte Angriff um Angriff. Links der quirlige Paris Kyrastas, rechts der blutjunge Ole Schmidt - und in der Mitte Halvor Kjargaard, ein bulliger Stürmer mit dem Charme eines Presslufthammers. In der 27. Minute war es dann soweit: Bjarne Henriksen steckte durch, Kjargaard nahm den Ball mit der Brust, drehte sich und nagelte das Leder trocken ins rechte Eck. 1:0 - der Anfang vom Ende. Nur drei Minuten später durfte der 19-jährige Ole Schmidt nach Vorlage von Alf Juul jubeln. Ein Treffer so sauber, dass selbst der Lyngby-Torwart Luís Bergantinos anerkennend nickte. Und als Kyrastas in der 31. Minute den dritten Treffer nachlegte - diesmal nach Kopfballvorlage von Innenverteidiger Gabriel Haddock - rieb sich mancher Zuschauer verwundert die Augen: 0:3 nach einer halben Stunde! "Wir waren in der Kabine sprachlos", gestand Lyngbys Kapitän Louis Herzog. "Hans hat nur gesagt: Jungs, wenigstens tut so ein Spiel Charakter bilden." Und Charakter zeigten sie dann auch - irgendwann. Nach dem Pausentee stellte Kellershoff auf Offensive um, brachte gleich drei frische Kräfte (Carstensen, Frost, Juul) und ließ pressen, was das Zeug hielt. Bröndby zog sich zurück, verwaltete, und zeigte, dass Offensive nicht immer bedeutet, ständig nach vorn zu rennen. Stattdessen: Ballbesitz (54 Prozent), Passsicherheit, und ein gelbverwarntes Zeichen von Viktor Bonde (48.), der offenbar den Derbygeist in Person mimte. Lyngby kämpfte, hatte Chancen: Herzog (74.) per Kopf, Fiedler (79.) mit einem satten Rechtsschuss - und genau der saß dann endlich. Nach schöner Vorarbeit von Vicente Chalana zimmerte Fiedler den Ball unter die Latte. Das Stadion erwachte wieder, die Fans sangen, als stünde es 3:3. "Da hab ich kurz geglaubt, wir könnten sie noch ärgern", sagte Fiedler später mit einem Lächeln, das mehr Trotz als Freude verriet. Doch Bröndby ließ nichts mehr anbrennen. Kjargaard prüfte noch einmal Bergantinos (59.), Schmidt zirkelte knapp vorbei (76.), und Kyrastas scheiterte in der 78. Minute an der Latte. Selbst als Lyngby in den letzten Minuten alles nach vorn warf - Ballbesitz, Leidenschaft, Pressing - blieb es beim verdienten 1:3. Statistisch war das Ergebnis so deutlich wie das Spiel: 15:7 Torschüsse für Bröndby, mehr Ballbesitz, mehr Zweikampfquote (53 zu 47 Prozent). Und das, obwohl die Gäste nie in den höchsten Gang schalteten. "Wir spielen offensiv, aber ohne Hektik", erklärte Coach Burnat trocken. "Manchmal ist Ruhe das beste Pressing." Kellershoff dagegen suchte nach Trost in der Philosophie: "Wer in der ersten Halbzeit untergeht, kann in der zweiten wenigstens lernen zu schwimmen." Ein Satz, der vermutlich noch länger in den Kabinenfluren hängen wird als das Ergebnis selbst. Am Ende blieb Bröndby obenauf - taktisch reif, mental stabil, und mit einer ersten Halbzeit, die in Lyngby wohl noch Albträume hinterlassen wird. Die Heimfans verabschiedeten ihre Mannschaft trotzdem mit Applaus. Vielleicht, weil sie wussten: Gegen so viel dänische Effizienz half an diesem Abend einfach kein Gebet. Und irgendwo im Tunnel hörte man Kjargaard lachen: "Drei Tore in vier Minuten - das war wie Training, nur lauter." Schlusswort? Vielleicht dieses: Wer zu spät aufwacht, verpasst nicht nur das Frühstück, sondern auch die Punkte. Lyngby hat das nun schwarz auf weiß - und Bröndby den Derbysieg in Gold. 17.03.643994 18:56 |
Sprücheklopfer
Oliver Kahn konnte ich gerade noch davon abhalten, sich zu ertränken. Der Rest hat sich auf der Toilette eingesperrt.
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