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Manchmal ist Fußball so einfach: Zwei Tore machen, hinten dicht halten, und das halbe Stadion tanzt. Bröndby Kopenhagen hat am 18. Spieltag der 1. Liga Dänemark genau das getan - und den großen Rivalen SC Kopenhagen mit 2:0 (0:0) besiegt. Was nüchtern klingt, war in Wahrheit ein Lehrstück darüber, wie man mit weniger Ballbesitz, aber mehr Biss ein Derby gewinnt. 41.144 Zuschauer sorgten im Brøndby Stadion für eine Atmosphäre, die selbst einem eingefleischten Nordländer das Blut in Wallung brachte. Während SC Kopenhagen unter Trainer Abe Boy mit 54,6 Prozent Ballbesitz und gepflegtem Passspiel glänzen wollte, schickte Harald Burnat seine Jungs mit einer einfachen Botschaft aufs Feld: "Lauf, kämpf und wenn du kannst, schieß aufs Tor." Bröndby tat all das - und zwar 14 Mal, doppelt so oft wie der Gegner. Die erste Halbzeit war ein Musterbeispiel dänischer Geduld. Es wurde viel gerannt, noch mehr gebrüllt, aber nichts Zählbares produziert. Diogo Jota, der erst 17-jährige Wirbelwind auf Bröndbys linker Seite, prüfte Torwart Albert Mocana gleich mehrfach (14., 17., 32.), doch der Routinier beim SC rettete mit Katzenreflexen. "Ich dachte, irgendwann muss einer durchrutschen", grinste Burnat später. "Aber anscheinend wollte der Ball noch ein bisschen skandinavische Luft schnuppern." Nach der Pause änderte sich das Bild kaum, doch dann kam Minute 57 - und mit ihr Joel Turcotte. Der flinke Rechtsaußen, bis dahin schon ständig auf der Suche nach Lücken, setzte sich nach einem präzisen Zuspiel von Bjarne Henriksen im Strafraum durch und traf trocken zum 1:0. Während Turcotte jubelnd in die Kurve rannte, hob Henriksen nur kurz die Hände. Zehn Minuten später bekam er Gelb - wohl ein Zeichen, dass er seine Energie anders verteilen sollte. Der SC versuchte, zu antworten. Ruben Carstensen und Jan Bendtsen hatten Chancen (58., 59., 62.), doch Bröndbys Keeper Lukas Kjargaard hielt, was zu halten war. "Ich hab heute den besten Sitzplatz im Stadion", witzelte er anschließend, "direkt hinter der Abwehrmauer." Harald Burnat reagierte taktisch klug: Jota, der junge Portugiese, durfte nach 61 Minuten raus, Gerd Damgaard kam - und wie! In der 89. Minute machte der eingewechselte Linksaußen den Deckel drauf. Nach perfekter Vorarbeit vom 20-jährigen Alf Juul zog Damgaard aus 16 Metern ab. Der Ball schlug unhaltbar unter die Latte ein. Die Tribüne bebte, Mocana schüttelte den Kopf, und Burnat streckte nur die Faust in die Luft. "Ich hab ihm vor dem Spiel gesagt, er soll einfach Spaß haben", lächelte der Trainer. "Offenbar hat er mich wörtlich genommen." Auf der anderen Seite wirkte Abe Boy nach dem Abpfiff wie ein Mann, der gerade seine Lieblingssocken verloren hat. "Wir hatten den Ball, aber sie hatten das Tor", seufzte er. "Manchmal ist das Leben ungerecht - und Fußball auch." Seine Spieler nickten betreten. Denn während Bröndby mit 53 Prozent gewonnener Zweikämpfe kämpferisch überzeugte, blieb der SC in entscheidenden Momenten zu brav. Bjarne Henriksen, der trotz Verwarnung und späterer Verletzung (78.) einer der auffälligsten Akteure war, nahm’s mit Galgenhumor: "Ich hab mir gedacht, wenn ich schon humpel, dann wenigstens mit drei Punkten." Statistisch gesehen war die Partie ein Paradoxon: Der SC hatte mehr Ballbesitz, spielte sauberer, aber kam nie wirklich durch. Bröndby hingegen kombinierte schnörkellos, aggressiv und mit einer Prise jugendlicher Frechheit. Besonders die rechte Seite mit Turcotte und Bentsen (später Bonde) machte den Unterschied - ständiger Druck, viele Abschlüsse, und am Ende auch das entscheidende Tor. Der Rest war Derby-Magie. Flutlicht, Rauchschwaden, und dieses Gefühl, dass selbst ein 2:0 wie ein Meisterstück schmecken kann. Als die Fans nach Schlusspfiff noch minutenlang sangen, stand Burnat am Spielfeldrand, verschränkt die Arme und sagte halb zu sich selbst: "Heute war’s einfach Brøndby-Fußball. Nicht schön, aber schön effektiv." Und wer genau hinsah, entdeckte auch bei Abe Boy ein kurzes Lächeln, als er in die Kabine ging. Vielleicht, weil er wusste: In dieser Stadt gibt’s nur einen wahren Sieger, wenn Bröndby so spielt. Ein Derby, das in Erinnerung bleibt - nicht wegen spielerischer Eleganz, sondern wegen Leidenschaft, Laufbereitschaft und einem beherzten Schuss Realismus. Kurz: Fußball, wie ihn die Dänen lieben. 26.08.643987 20:15 |
Sprücheklopfer
In der Schule gab's für mich Höhen und Tiefen. Die Höhen waren der Fußball.
Thomas Häßler