Anpfiff
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Bremen siegt spät: Costa sticht Rostock das Herz aus

Es war einer dieser Abende im Ostseestadion, an denen man sich fragt, ob der Fußballgott ein Faible für Dramatik - oder einfach schwarzen Humor - hat. 14.769 Zuschauer erlebten beim 6. Spieltag der 3. Liga ein Spiel, das in seiner Ironie kaum besser hätte geschrieben werden können: Der FC Rostock dominierte, lief, kämpfte, schoss - und stand am Ende trotzdem mit leeren Händen da. Der SV Bremen entführte mit einem späten 2:1-Sieg alle drei Punkte.

Dabei hatten die Hanseaten aus Rostock alles im Griff. 58 Prozent Ballbesitz, 16 Torschüsse, eine Zweikampfquote knapp über 51 Prozent - das sind Werte, mit denen man normalerweise ein Spiel gewinnt. Nur leider zählen am Ende keine Prozente, sondern Tore. Und die schossen Daniel Morriss (33.) und Juan Pablo Costa (86.) für Bremen. Dazwischen hatte Michel Featherstone (48.) die Rostocker Hoffnung noch einmal aufleben lassen.

Schon in den ersten Minuten zeigten die Gastgeber, was sie sich vorgenommen hatten. Coach Thom Wöhrle hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt, mit drei Stürmern und einem klaren Auftrag: Attacke. Nach nur drei Minuten prüfte Gustav Martens erstmals Bremens Keeper Lewis Clancy, der den Ball so festhielt, als wäre es seine Steuererklärung. "Wir wollten von Anfang an Druck machen", erklärte Wöhrle später. "Und das haben wir - nur leider ins Leere."

Bremen dagegen agierte abgeklärt, fast stoisch. Jack Schlakowski ließ seine Elf aus einer ausgewogenen Ordnung heraus spielen. Kein wildes Pressing, kein hektischer Aktionismus - eher das Fußballäquivalent zu einer guten Tasse Tee: langsam, heiß, aber irgendwann wirkungsvoll. In der 33. Minute kombinierten sich Dieter Römer und Daniel Morriss durch die Rostocker Abwehr, als wäre sie aus Butter: 0:1.

"Ich hab einfach draufgehalten", grinste Morriss nach dem Spiel. "Und dann war er drin. Vielleicht lag’s am Wind - oder an meinem neuen Haarschnitt."

Rostock reagierte mit Wut im Bauch und einem Schuss Verzweiflung. Der junge Leandro Zubiaurre, gerade mal 18, rackerte vorne unermüdlich, verpasste aber in der 37. und 41. Minute jeweils knapp. Der Pausenpfiff kam Bremen gerade recht, Rostock dagegen schien schon da an seine Frustrationsgrenze zu stoßen.

Doch kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, da bebte das Stadion. In der 48. Minute flankte Vicente Butragueno von rechts butterweich auf Featherstone, der den Ball humorlos unter die Latte drosch - 1:1! Die Fans tobten, Wöhrle ballte die Faust, und man glaubte: Jetzt kippt das Spiel.

Und tatsächlich, Rostock drückte. Brinkmann aus der Distanz, Ibano per Kopf, Zubiaurre im Fallen - Clancy im Bremer Tor wurde zum meistbeschäftigten Mann des Abends. "Ich hab die Bälle irgendwann nicht mehr gezählt", witzelte er später. "Aber ich glaube, mein rechter Arm hat jetzt eine eigene Postleitzahl."

Bremen stand tief, lauerte. Schlakowski reagierte, brachte den jungen Kay Buchholz für den müden Costa (62.). Später nahm er auch Morriss vom Feld - ein riskanter, fast trotzig wirkender Doppelwechsel in der 87. Minute. Nur: Costa war da längst wieder auf dem Platz. Denn kaum einer hatte mit seiner Rückkehr gerechnet - und mit diesem Moment in der 86. Minute schon gar nicht.

Felipe Carballo setzte sich auf der rechten Seite durch, passte flach in den Strafraum. Costa, eben noch unauffällig, stand plötzlich goldrichtig und schob zum 2:1 ein. Rostocks Keeper Antunes flog, kam aber zu spät. Stille. Dann Jubel - allerdings aus der Gästekurve.

"Ich hab gar nicht gesehen, dass der Ball reingeht", sagte Costa später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Erleichterung und Verwunderung lag. "Aber ich hab’s gehört - die Rostocker Fans haben kurz aufgehört zu schimpfen."

Die letzten Minuten waren pure Verzweiflung. Rostock warf alles nach vorn, selbst Innenverteidiger Hansen stürmte. In der 93. Minute noch einmal Brinkmann - doch Clancy war wieder da. Dann der Abpfiff.

Wöhrle stapfte kopfschüttelnd über den Rasen. "Wir hätten heute zehn Punkte verdient, mindestens", murrte er. Sein Bremer Kollege Schlakowski grinste nur: "Wir nehmen auch drei."

Zwei Gelbe Karten für Bremen - Henrico (83.) und Martinez (88.) - waren letztlich die einzigen Flecken auf einer ansonsten disziplinierten Vorstellung der Gäste. Bremen bleibt damit oben dran, Rostock dagegen tritt auf der Stelle und fragt sich, wie man ein Spiel mit 16:11 Torschüssen verlieren kann.

Vielleicht lag es an der Effizienz, vielleicht an Fortuna, vielleicht einfach am Fußball selbst. Der kann bekanntlich grausam sein - vor allem, wenn man ihn dominieren will.

Oder, wie Featherstone später seufzte: "Manchmal ist Fußball wie ein Strandspaziergang - du glaubst, du gehst Richtung Sonne, und dann kommt die Flut."

Ein Satz, der wohl in Rostock noch eine Weile nachhallen wird.

26.07.643990 20:26
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Die Alte ist trotzdem unheimlich in Ordnung! Ich habe sie kennengelernt, als ihr Zahnarzt mir das Esszimmer neu tapeziert hat. Kerstin merkte sofort, dass ich bei der Behandlung ein bißchen Schiss hatte. Sie hielt mir ganz lieb das Händchen.
Rudi Assauer über seine neue 24-jährige Lebensgefährtin, die als Zahnarzthelferin arbeitet
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