// Startseite
| Anpfiff |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Es gibt Spiele, bei denen man schon nach einer halben Stunde weiß: Das wird kein normaler Fußballabend. Der 8. Februar 2026 in Bremen war genau so einer. 9040 Zuschauer sahen einen SV Bremen, der den SV Sandhausen mit 6:0 (5:0) aus dem Stadion schoss - ein Ergebnis, das selbst die Anzeigetafel kurzzeitig überforderte. Trainer Jack Schlakowski hatte seine Elf offensiv eingestellt, und das von der ersten Minute an. Schon nach sieben Minuten ließ Johannes Hummel die Bremer Herzen höher schlagen, als er eine butterweiche Flanke von Nelio Henrico volley in die Maschen drosch. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Hummel später. "Der Ball hat gemacht, was er sollte - das passiert nicht jeden Tag." Sandhausen wirkte da schon wie ein Boxer, der nach dem ersten Schlag benommen in die Ecke taumelt. Bremen presste nicht einmal aggressiv - sie mussten gar nicht. Die Gäste spielten "balanced", also ausgeglichen, was in diesem Fall bedeutete: ausgeglichen zwischen Chaos und Resignation. In der 17. Minute legte Roberto Verdasco nach, ein satter Schuss aus 20 Metern, vorbereitet von Linksverteidiger Theo Hamilton. 2:0, und Sandhausen war endgültig im freien Fall. Trainer Schlakowski klatschte zufrieden, während sein Gegenüber - dessen Name der Vereinschronist lieber verschweigt - regungslos auf der Bank saß. Was folgte, war ein Fußballgewitter. Juan Pablo Costa, der Bremer Mittelstürmer mit dem Charme eines Tango-Tänzers, traf doppelt (36. und 44. Minute), jeweils nach sehenswerten Kombinationen über Dieter Römer und Verdasco. Beim 4:0 hob er sogar entschuldigend die Hände. "Ich wollte eigentlich querlegen", sagte Costa später schmunzelnd. "Aber der Ball hatte wohl eigene Pläne." Und als wäre das nicht schon genug, schlug in der Nachspielzeit der ersten Hälfte auch noch John Pelletier zu. Der 34-Jährige, der offenbar in einem Jungbrunnen trainiert, versenkte eine Vorlage von Costa eiskalt - 5:0 zur Pause. Das Publikum stand Kopf, während Sandhausens Verteidiger sich gegenseitig fragten, ob sie vielleicht doch lieber Schach hätten spielen sollen. Die zweite Hälfte war dann eher ein Schaulaufen. Bremen ließ Ball und Gegner laufen, 59 Prozent Ballbesitz und 24 Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache. Sandhausen brachte es auf genau null - ja, null - Schüsse auf das Tor. Torwart Lewis Clancy dürfte sich gelangweilt haben. "Ich hab überlegt, ob ich mir einen Kaffee holen soll", witzelte er nach dem Spiel. Die wenigen Highlights für die Gäste waren drei gelbe Karten - Breadalbane (23.), Grant (51.) und Christ (78.) versuchten auf ihre Weise, den Bremer Spielfluss zu stoppen. Erfolglos. Das sechste Tor fiel kurz vor Schluss: Daniel Morriss, normalerweise eher der Vorbereiter, traf in der 89. Minute nach Vorarbeit von Paulo Meireles. Ein Treffer mit Ansage - Meireles hatte ihm beim Einwurf noch zugerufen: "Jetzt bist du dran!" Morriss nickte und tat genau das. Nach dem Schlusspfiff feierten die Bremer ausgelassen. Trainer Schlakowski gab sich gewohnt lakonisch: "Wir wollten offensiv spielen - das hat wohl geklappt. Aber wir bleiben auf dem Boden. Nächste Woche zählt’s wieder bei null." Die Fans sahen das naturgemäß anders. "Das war ein Fußballfest!", rief ein älterer Herr im grün-weißen Schal, während er die letzten Minuten auf dem Handy noch einmal abspielte. Sandhausen hingegen schlich wortlos in die Kabine. Ein Spieler murmelte beim Vorbeigehen: "Manchmal läuft einfach alles gegen dich." Der Pressesprecher nickte nur und zog die Jacke enger - vermutlich die kälteste Rückfahrt der Saison. Fazit: Bremen spielte wie ein Aufstiegskandidat, Sandhausen wie ein Team, das den Aufzug sucht. 6:0, 24:0 Torschüsse, 60 Prozent Ballbesitz - Statistiken, die eher an ein Testspiel gegen eine Jugendmannschaft erinnern. Oder, wie es ein Fan nach dem Spiel formulierte: "Wenn das so weitergeht, brauchen die im Stadion bald eine größere Anzeigetafel." Ein Abend, der in Bremen noch lange erzählt werden wird - und in Sandhausen hoffentlich schnell vergessen ist. 20.06.643990 17:47 |
Sprücheklopfer
Wir sind zu stark um da unten wieder rauszukommen.
Klaus Toppmöller