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Ein kalter Januarabend, Flutlicht, 6540 Zuschauer in Emsdetten - und ein Heimteam, das von der ersten Minute an klarmachte: Hier wird nicht diskutiert, hier wird dominiert. Borussia Emsdetten fegte Einheit Rudolstadt mit 3:0 vom Platz und hätte sich durchaus noch ein, zwei Tore mehr gönnen dürfen. Aber Trainer Michael Lappe war nach Abpfiff ohnehin zufrieden: "Wenn man 15 Torschüsse hat und der Gegner keinen einzigen, dann darf man die Tabelle auch mal genießen", grinste der Coach, während er sich die Mütze tiefer in die Stirn zog. Schon nach neun Minuten fiel das erste Tor, wie aus dem Lehrbuch des gepflegten Kombinationsspiels: Kay Lohmann, 19 Jahre jung und unerschrocken, tanzte am linken Flügel seinen Gegenspieler aus, legte quer, und Paul Chevallier schob aus zentraler Position lässig ein. 1:0 - und Rudolstadt war fortan nur noch Statist. "Ich wusste gar nicht, dass man in so kurzer Zeit so viel Platz haben kann", witzelte Chevallier später in der Mixed Zone. Die Gäste aus Thüringen wirkten bemüht, aber harmlos. Ihr Trainer Erik Schumann stand bereits in der ersten halben Stunde so oft mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, dass man fast Mitleid bekommen konnte. "Das war heute kein Regionalliga-Niveau von uns. Eher Kreisklasse am Sonntagnachmittag", seufzte er später ehrlich. Seine Elf brachte es auf genau null Torschüsse. Ja, null. Nicht mal ein Versuch aus der zweiten Reihe, kein Verzweiflungsball - nichts. Emsdetten dagegen spielte weiter wie im Rausch. In der 31. Minute legte Sebastian Nagel von rechts mustergültig ab, und Oskar Beer jagte den Ball trocken ins rechte Eck - 2:0. Rudolstadts Torhüter Detlev Ullrich hechtete, streckte sich, sah gut aus - aber hatte keine Chance. "Ich hab’s kommen sehen, aber der war einfach zu platziert", gab der 31-Jährige später zu - und fügte mit Galgenhumor an: "Immerhin hab ich diesmal keine Fliege gefangen." Bis zur Pause war’s ein Spiel auf ein Tor, und die Zuschauer hatten ihren Spaß. "Das ist ja wie früher unter Lappe, als wir noch alle dachten, wir steigen auf", rief ein Fan auf der Haupttribüne seinem Kumpel zu, während dieser an seinem Becher dampfenden Glühweins nippte. In der zweiten Halbzeit ließ es Emsdetten etwas ruhiger angehen, doch der Ball lief weiter sicher durch die Reihen. 54,9 Prozent Ballbesitz mögen auf dem Papier nicht überragend aussehen, aber die Dominanz war spürbar - Rudolstadt bekam kaum Luft zum Atmen. Als dann in der 70. Minute erneut die Kombination Lohmann-Chevallier zündete, war endgültig Feierabend. Wieder kam der Pass von links, wieder stand Chevallier goldrichtig. 3:0, die Entscheidung. Danach wurde es etwas hitziger: Didier Beyince sah in der 78. Minute Gelb, nachdem er bei einem harmlosen Zweikampf offenbar vergessen hatte, dass man seinen Gegenspieler nicht gleichzeitig umarmen und umgrätschen darf. "War nix, ich wollte nur den Ball", erklärte er mit einem unschuldigen Lächeln. Rudolstadts Jannis Meiser holte sich kurz darauf auch noch den gelben Karton ab - aus Frust, wie sein Trainer meinte. Ansonsten blieb die Partie fair, und auch das Publikum war gnädig. Ein paar "Olé"-Rufe begleiteten die Passstafetten der Borussia, die ihre Linie bis zum Schluss durchzog. Kein wildes Pressing, kein bedingungsloser Angriff - einfach kontrollierte Spielfreude. Nach dem Abpfiff klatschte Trainer Lappe seine Jungs ab und hob mahnend den Finger: "Schönes Spiel, aber wir dürfen nicht übermütig werden. Nächste Woche zählt’s wieder bei null." Da grinste Chevallier, der Doppeltorschütze, nur und meinte: "Wenn wir so spielen, zählt’s bei uns immer bei drei." Einheit Rudolstadt hingegen muss sich nach dieser Lehrstunde ernsthafte Gedanken machen. Keine Torchance, keine zwingende Aktion, kein zündender Moment - das war zu wenig. "Vielleicht hätten wir ja mal aus 30 Metern draufhalten sollen", murmelte Kapitän Meiser, als er in die Kabine trottete. So bleibt am Ende ein klarer 3:0-Heimsieg, ein überragender Chevallier, zwei Assists von Youngster Lohmann und die Erkenntnis: Borussia Emsdetten hat an diesem 7. Spieltag der Regionalliga A nicht nur gewonnen, sondern auch ein kleines Statement gesetzt. Und als die Flutlichter langsam erloschen, hörte man auf der Tribüne jemanden sagen: "Wenn die so weitermachen, müssen wir bald Eintritt zahlen wie in der Bundesliga." - Na, das wäre dann wohl das schönste Problem, das Emsdetten je hatte. 07.04.643987 20:22 |
Sprücheklopfer
Wir waren alle vorher überzeugt davon, dass wir das Spiel gewinnen. So war auch das Auftreten meiner Mannschaft, zumindest in den ersten zweieinhalb Minuten.
Peter Neururer