// Startseite
| Noticiero VeneVision |
| +++ Sportzeitung für Venezuela +++ |
|
|
|
Ein lauer Abend in Bolivar, 20.000 Zuschauer, ein Flutlicht, das jeden Fehlpass gnadenlos ausleuchtet - kurz: perfekte Bedingungen für das, was man ein "typisch venezolanisches Unentschieden" nennen könnte. Minerden Bolivar und Real Caracas trennten sich am 21. Spieltag der 1. Liga Venezuela mit 1:1, doch das Ergebnis erzählt nur die halbe Geschichte eines Spiels, das von verpassten Chancen, gelben Karten und einem heldenhaften Rechtsverteidiger geprägt war. Von Beginn an war klar, dass Bolivar, angetrieben von seinen lautstarken Fans und einer betont offensiven Ausrichtung, das Zepter in die Hand nehmen wollte. Schon in der vierten Minute prüfte Guillermo Bosingwa den gegnerischen Keeper mit einem satten Linksschuss, und kaum eine Minute später tat er es gleich noch einmal. "Ich dachte, wenn ich oft genug draufhalte, geht irgendwann einer rein", grinste der 33-Jährige nach dem Spiel. Ging aber nicht - zumindest nicht bei ihm. Real Caracas hingegen war effizienter. Nach einigen zaghaften Annäherungen über die linke Seite war es in der 20. Minute Agemar Manuel, der den Ball nach einem schnellen Umschaltspiel trocken ins Netz jagte. 1:0 für die Gäste - und Bolivar plötzlich mit hängenden Köpfen. "Wir waren kurz im Schockzustand", gab Heimkeeper Marco Valente später zu. "Ich hab nur noch das Netz wackeln sehen - und meinen Verteidigern den Kaffee verboten." Doch Bolivar ließ sich nicht beirren. Mit 53 Prozent Ballbesitz und insgesamt 11 Schüssen auf das Tor (gegenüber 9 der Gäste) erarbeiteten sie sich immer wieder Chancen. Daniel Pinto und Nelio Tiago wirbelten in der Offensive, als gäbe es einen Preis für den schönsten vergebenen Abschluss. In der 19. Minute scheiterte Pinto freistehend, in der 38. wieder - diesmal an der Latte. "Das war kein Aluminium, das war ein Fluch", murmelte er später kopfschüttelnd. Trainer Eiko Henke von Real Caracas sah das naturgemäß anders: "Wir wollten das Spiel kontrollieren. Wir wussten, dass Bolivar früh Druck macht, also haben wir sie laufen lassen." Tatsächlich ließen die Gäste Bolivar rennen - und zwar oft ins Leere. Ihr Konzept: diszipliniert, kompakt, und wenn’s sein muss, mit einem gelben Karton als Betonmischer. Adriano Machado holte sich in der 76. Minute Gelb ab, weil er Pinto "aus dem Spiel nehmen wollte, aber nur dessen Trikot fand", wie er selbst lachend bekannte. Die Szene des Abends gehörte dann aber einem Mann, den man sonst eher mit Grätschen in Verbindung bringt: Manuel Castro, Bolivars 33-jähriger Rechtsverteidiger, verwandelte in der 54. Minute einen Abpraller zum 1:1. Nach einer Ecke und einem verunglückten Klärungsversuch von Caracas stand Castro goldrichtig. "Ich hab einfach den Kopf hingehalten, weil sonst keiner wollte", scherzte er nach dem Spiel. Das Stadion tobte, die Fans sangen, und sogar der Linienrichter grinste kurz. Danach wurde das Spiel ruppiger. Eduardo Gonzalez sah schon in der 14. Minute Gelb für ein rustikales Einsteigen, später folgte Manuel Castro selbst - offenbar war das Tor kein Freifahrtschein zur Heiligsprechung. Trotzdem blieb Bolivar am Drücker. In der 57. Minute scheiterte Tiago erneut am glänzend aufgelegten Helmut Ackermann im Tor der Gäste. Der Schlussmann war der Grund, warum es am Ende beim 1:1 blieb. "Ich hab einfach beschlossen, heute unbezwingbar zu sein", sagte Ackermann mit einem Augenzwinkern. Henke wechselte in der Schlussphase fleißig durch - Piszczek (17 Jahre, das Küken der Truppe) kam zur Halbzeit, später Vitor Andrade und Jordi Pinto. Doch am Spiel änderte das wenig: Caracas blieb defensiv solide, Bolivar ideenreich, aber glücklos. Die letzten Minuten gerieten zum Belagerungszustand im Strafraum der Gäste - elf Schüsse aufs Tor sprechen für sich. Als der Schlusspfiff ertönte, sank Bolivars Trainer auf die Knie, während Caracas jubelnd die Arme hob - ein Bild, das sinnbildlich war für ein Spiel, das keiner so richtig verloren, aber auch keiner wirklich gewonnen hatte. "Ein Punkt ist besser als keiner", sagte Henke lakonisch. Sein Gegenüber nickte nur, bevor er ergänzte: "Aber zwei wären schöner gewesen." Am Ende bleibt ein gerechtes Unentschieden - Bolivar mit mehr Spielanteilen, Caracas mit der besseren Effizienz. Und ein Publikum, das trotz Allem zufrieden nach Hause ging. Oder wie ein Fan beim Verlassen des Stadions rief: "Wenn schon kein Sieg, dann wenigstens Spannung!" Und davon hatte dieser Abend reichlich. 21.05.643993 11:31 |
Sprücheklopfer
Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
Andreas Brehme