Sverige Fotboll
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Bodes Doppelpack versenkt Sirius - Norrköping siegt spät mit 2:1

Manchmal schreibt der Fußball Geschichten, die selbst Hollywood zu kitschig wären. Im Studenternas IP von Uppsala geschah am Dienstagabend eine davon: Ein Rechtsverteidiger, Hermann Bode, wird zum zweifachen Torschützen und damit zum Helden des FC Norrköping. Der Rest? 16.000 Zuschauer, die sich fragen, warum ihre Mannschaft vom FC Sirius trotz 56 Prozent Ballbesitz und gefühlt ewigem Anrennen am Ende mit leeren Händen dastand.

Dabei hatte es so gut begonnen für die Hausherren. Sirius startete mutig, kombinierte gefällig und ließ den Ball laufen, als hätten sie ihn für sich gepachtet. Schon nach acht Minuten prüfte Holger Pederson den jungen Norrköping-Keeper Tyler Prentiss mit einem Schuss ins kurze Eck - der 21-Jährige lenkte den Ball gerade noch über die Latte. "Da dachte ich mir: Heute läuft’s", grinste Pederson später, "leider lief’s dann nur für den anderen Holger - also Hermann Bode."

Denn in der 14. Minute rückte Bode, eigentlich für das Verteidigen zuständig, unauffällig mit nach vorn, bekam von Justin Gagnon einen Pass in den Lauf und hämmerte den Ball trocken ins Netz. 0:1 - und das Publikum rieb sich verwundert die Augen. Sirius-Coach - nennen wir ihn vorsichtig fassungslos - schüttelte nur den Kopf.

Doch der FC Sirius antwortete. In der 31. Minute legte Vincent Mattson eine butterweiche Flanke von links genau auf den Schlappen von Ferdinand Karlsson, der als Rechtsverteidiger offenbar Bodes Leistung nicht auf sich sitzen lassen wollte. Karlsson drosch den Ball aus 15 Metern unter die Latte. 1:1. "Das war so eine Szene, bei der du denkst, das ist jetzt der Wendepunkt", sagte Karlsson später. "War’s dann halt nicht."

Nach der Pause übernahm Norrköping zunehmend die Kontrolle - zumindest, wenn man die Zahl der Torschüsse zählt: 18 insgesamt, während Sirius nur auf sieben kam. Besonders der 19-jährige Ernst Ohlson sorgte auf der rechten Seite für Betrieb, rannte unermüdlich und zwang Torwart Göran Bloch mehrfach zu Glanzparaden. Auf der Tribüne flachste ein Fan: "Der Junge hat mehr Kilometer gemacht als meine Waschmaschine letzte Woche."

Trainer Rico Moschke, sonst ein Mann der ruhigen Worte, feuerte seine Mannschaft an der Seitenlinie regelrecht nach vorn. "Wir wollten das Ding unbedingt. Da war Feuer drin, selbst bei den Verteidigern", sagte er nach dem Spiel - und meinte damit natürlich Bode. Denn der Rechtsverteidiger schlug in der 80. Minute erneut zu. Nach einem abgewehrten Eckball blieb er vorne, der Ball fiel ihm vor die Füße, und mit der Abgeklärtheit eines Mittelstürmers schob er ihn zum 1:2 ein.

Die Schlussphase wurde hektisch. Sirius warf alles nach vorn, doch Pederson scheiterte zweimal (86. und 88.) an Prentiss, der nun endgültig zur Wand mutierte. Als in der 90. Minute Antonio Morte auf der anderen Seite noch einmal abzog, hielt der Keeper von Sirius wenigstens den Schaden in Grenzen.

Gelbe Karten gab’s auch, und zwar für Mattson (76.) auf Sirius-Seite, der nach einem rustikalen Einsteigen freundlich, aber bestimmt ermahnt wurde, und für die Norrköping-Abwehrrecken Johnsen (83.) und Bode (92.), die offenbar dachten, dass man nach zwei Toren auch mal ordentlich hinlangen darf.

Statistisch gesehen hätte Sirius das Spiel vielleicht gewinnen müssen: Mehr Ballbesitz, ein ruhigeres Passspiel, weniger Hektik. Aber Fußball ist eben kein Rechenspiel. "Wir haben uns schön den Wolf kombiniert", seufzte Pederson nach Abpfiff, "und dann kommt ein Rechtsverteidiger und macht uns zwei Dinger rein. Das ist doch verrückt."

Norrköping-Coach Moschke sah das naturgemäß anders. "Ich sag’s mal so: Wenn meine Außenverteidiger treffen, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Vielleicht stelle ich nächste Woche den Torwart vorne rein."

Das Publikum verabschiedete seine Mannschaft mit Applaus - auch wenn mancher Fan wohl lieber ein anderes Ergebnis gesehen hätte. Sirius hat gezeigt, dass sie spielerisch mithalten können. Nur die Effizienz, die hat an diesem Abend ganz klar ein Mann in Weiß und Blau gepachtet: Hermann Bode, der Rechtsverteidiger mit Mittelstürmergenen.

Und irgendwo in der Kabine, so munkelt man, soll er gelächelt haben und gesagt haben: "Na gut, wenn keiner vorne trifft, mach ich’s halt selbst."

Ein Satz, den man sich merken sollte - für die nächste Partie, in der Fußball wieder beweist, dass Logik im Strafraum oft Urlaub macht.

23.11.643993 05:02
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Einige Leute müssen hier im Hintergrund ihre Profilneurosen ausleben. Wenn dieser kleinkarierte Käse so weitergeht, dann geh' ich nach Sylt und bau' Sandburgen.
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