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Es war einer dieser Abende, an denen die Zuschauer im Birkerod-Stadion ahnten: Das wird kein Fußballfest, sondern ein Geduldsspiel. 12.500 Fans hatten sich bei kühlem Januarwind zum 10. Spieltag der 1. Liga Dänemark eingefunden, um ihre "Blauen" lautstark zu unterstützen. Am Ende gingen sie mit kalten Händen und leerem Herzen nach Hause - Nordsjälland entführte mit einem späten Treffer von Andre Blood in der 84. Minute den Sieg. Dabei hatte Birkerod FF eigentlich ordentlich begonnen. Trainer Andreas Depner setzte auf ein ausgewogenes 4-4-2, solide, unaufgeregt, fast schon zu vernünftig. "Wir wollten ruhig bleiben und Nordsjälland kommen lassen", erklärte Depner später, während er mit den Händen in den Taschen auf den Rasen starrte. "Leider sind sie dann wirklich gekommen." Schon in den ersten Minuten legten die Gäste los, als wollten sie die Ballstatistik gleich zu Beginn entscheiden. Nordsjälland mit leichtem Ballbesitzvorteil (51,5 zu 48,5 Prozent) zeigte früh, dass "Offensive" bei Trainerin Kiki Ötzi nicht nur auf dem Taktikzettel steht. In der 4. Minute prüfte Innenverteidiger Ragnvald Bentsen den Birkeroder Keeper Henry Stapleton mit einem strammen Schuss - ein erstes Lebenszeichen. Danach folgten Torschüsse im Viertelstundentakt, mal von Benitez, mal von Noll, mal von Aguas - nur der Torjubel fehlte. Birkerod, bemüht aber harmlos, kam erst in der 29. Minute durch Phillip Hess zu seinem ersten gefährlichen Abschluss. Der Ball flog gut zwei Meter über das Tor - und der Stadionsprecher versuchte es mit Galgenhumor: "Knapp daneben ist auch vorbei." Ein Satz, der später noch oft bemüht wurde. Die Zuschauer sahen in der ersten Halbzeit ein Spiel, das taktisch interessant, aber emotional eher ein Kamillentee war - viel Ballgeschiebe, wenig Risiko. "Es war wie Schach, nur ohne Schachmatt", grinste ein Fan auf der Tribüne. Nach dem Seitenwechsel erhöhte Nordsjälland das Tempo. Sören Jessen prüfte Stapleton kurz nach Wiederanpfiff, und Andre Blood, der Name war Programm, schnupperte mehrfach am Treffer (35., 59., 67.). Birkerod kämpfte tapfer, verteidigte tief, lauerte auf Konter - doch vorne fehlte die Präzision. Hess, Smith und der junge Bolsius vergaben in Serie zwischen der 69. und 73. Minute. Dann kam die 84. Minute. Ein langer Ball von hinten, abgefeuert von - ausgerechnet - Innenverteidiger Bentsen. Blood startet, nimmt die Kugel mit der Brust an, ein kurzer Blick, ein Schuss - und das Netz zappelt. 0:1. Eiskalt. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du so oft probierst, muss irgendwann einer rein", sagte Blood nach dem Spiel mit einem Grinsen, das so breit war wie das Tor selbst. Birkerod rannte noch einmal an, Vincent Lavoie versuchte es in der 85. Minute mit einem verzweifelten Fernschuss, aber Nordsjällands junger Keeper Sergio Makukula blieb cool. "So ein Schuss wärmt einen Torhüter im Winter wenigstens auf", witzelte er danach. Statistisch gesehen war der Sieg verdient: 19 Torschüsse für Nordsjälland, nur 7 für Birkerod. Auch in den Zweikämpfen (54 zu 46 Prozent) hatten die Gäste die Nase vorn. Doch spielerisch blieb es ein zähes Ringen, das erst spät entschieden wurde - typisch für ein Team, das auf "sicheres Schießen" und kontrollierte Offensive setzt. Trainerin Kiki Ötzi war nach dem Schlusspfiff sichtlich zufrieden: "Wir wissen, dass wir viele Chancen brauchen, aber unsere Jungs glauben bis zur letzten Minute. Heute wurde das belohnt." Auf die Frage, ob sie Andre Blood künftig öfter in letzter Minute treffen sehen möchte, lachte sie: "Mir wäre lieber, er trifft in der ersten." Für Birkerod bleibt die Erkenntnis: solide Abwehrarbeit allein reicht nicht. Der Mut zum Risiko fehlte. Kapitän Albert Enrico brachte es auf den Punkt: "Wir haben 90 Minuten lang fast alles richtig gemacht - außer das, was zählt." Und so verabschiedete sich der Abend so, wie er begonnen hatte - mit passender Symbolik: Die Stadionlichter gingen aus, während ein paar Fans leise murmelten: "Nächstes Mal fällt der rein." Fazit: Nordsjälland gewinnt verdient, wenn auch spät. Birkerod kämpfte redlich, verlor aber den Mut zum Tor. Und irgendwo in der Kabine klopft sich Andre Blood noch immer lachend auf die Brust - dort, wo der Ball vor seinem Siegtreffer lag. 03.05.643987 07:35 |
Sprücheklopfer
Ich hatte vor der Saison ein Angebot aus England. Wäre ich bloß hingegangen. In England ist Fußball wenigstens noch Männersport und nichts für Tunten.
Axel Kruse nach einer roten Karte