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Es gibt Spiele, die beginnen wie ein Sommerspaziergang - und enden wie ein Orkan. Das Duell der Quebec Blues gegen Montreal Power am 7. Spieltag der 1. Liga Kanada gehörte zur zweiten Sorte. 37.938 Zuschauer im Stade du Québec sahen einen Fußballabend, der schon nach wenigen Minuten entschieden war. Endstand: 6:1, Halbzeitstand 5:0. Und wer zu spät kam, der hat das halbe Feuerwerk verpasst. Schon in der 4. Minute klingelte es - Christopher Berard, der 34-jährige Spielmacher mit der Ruhe eines Schachgroßmeisters und der Präzision eines Uhrmachers, versenkte den Ball nach Zuspiel von Yves Crichton. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Berard später, "aber der Ball hat sich anders entschieden." Manchmal schreibt der Fußball eben seine eigenen Pointen. Nur fünf Minuten später war Marwin Sonnenschein zur Stelle, bedient von eben jenem Berard. Sonnenschein - der Name ist an diesem Abend Programm. Sein Abschluss aus spitzem Winkel zum 2:0 ließ Montreals Keeper James Davonport aussehen, als habe er gerade erst erfahren, dass das Spiel begonnen hat. Die Blues spielten sich in einen Rausch: In der 20. Minute wieder Berard, diesmal nach Pass von Joseph Johnstone. 3:0. Dann Barend Veeder (32.) und erneut Sonnenschein (35.). 5:0 nach 35 Minuten - Quebec schoss Tore, als wäre das Torverhältnis eine Währung, die man horten muss. Trainer Lutz Lindemann stand an der Seitenlinie, Hände in den Taschen, und grinste wie jemand, der weiß, dass er heute nichts falsch machen kann. "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen Spaß haben. Ich wusste nicht, dass sie das so wörtlich nehmen", scherzte er nach dem Spiel. Montreal Power dagegen wirkte wie eine Mannschaft, die gerade ihr Navi verloren hatte. Zwar verzeichnete sie laut Statistik 54 Prozent Ballbesitz, doch das war so trügerisch wie ein Schönwetterbericht im kanadischen Februar. Drei Schüsse aufs Tor in 90 Minuten - einer davon fand immerhin den Weg ins Netz: Albert Corona traf in der 75. Minute nach Vorarbeit von Ernst Held. Ein hübscher Treffer, der wenigstens den Ehrentreffer rettete, aber mehr auch nicht. Die Blues dagegen ballerten munter weiter. 21 Torschüsse, sechs Treffer - und das bei nur 45 Prozent Ballbesitz. Effizienz wie aus dem Lehrbuch. Joseph Johnstone setzte in der 58. Minute den Schlusspunkt zum 6:0, bevor Corona das Ergebnis kosmetisch korrigierte. Ein besonderes Augenmerk verdiente Christopher Berard, der an drei Toren direkt beteiligt war. "Ich fühle mich heute wie 24, nicht wie 34", sagte er lachend in der Mixed Zone. "Aber morgen wahrscheinlich wieder wie 44." Neben ihm strahlte Doppel-Torschütze Sonnenschein: "Wir hatten Bock. Und wenn wir Spaß haben, wird’s gefährlich - für den Gegner." Auch die jungen Wilden durften ran: In der 59. Minute brachte Lindemann mit Destiny Udogie (18) und David Chamberlain (18) frisches Blut. "Die Jungs sollen wissen, wie es sich anfühlt, wenn ein Stadion bebt", sagte der Coach. Kurz darauf sah Udogie in der 89. Minute Gelb - ein Souvenir für die erste richtige Grätsche seines Lebens auf dieser Bühne. Und Montreal? Trainer Michel Barre (der offenbar gleichzeitig Spieler und Coach ist - oder einfach zu viel zu tun hat) fasste es trocken zusammen: "Wir hatten den Ball, sie die Tore. Das ist nicht das gleiche Spiel." Taktisch war es eine kleine Lehrstunde. Quebec agierte von Beginn an offensiv, aggressiv, mit Pressing light und Passspiel aus einem Guss. Montreal blieb bei "balanced" - was an diesem Abend so wirkte, als hätte jemand den Handbremshebel blockiert. Als der Schlusspfiff ertönte, stand auf der Anzeigetafel ein 6:1, das sich wie ein Statement liest. Quebec Blues, das war keine Fußballmannschaft, das war eine Jazzband im Rausch: Berard am Klavier, Sonnenschein am Mikrofon, Lindemann als Dirigent. Zum Schluss sagte ein Zuschauer im Ausgang: "Ich wollte eigentlich in der Pause gehen - aber dann hätte ich ja das sechste Tor verpasst." Ein Satz, der die Stimmung perfekt einfing. Fazit: Montreal hatte mehr Ball, Quebec mehr Herz. Und in einem Spiel, das nach 45 Minuten längst entschieden war, blieb vor allem eines hängen - das Gefühl, einem Team zugesehen zu haben, das gerade entdeckt hat, wie schön Fußball sein kann, wenn man einfach drauflos spielt. Und wer weiß: Vielleicht war das nicht nur ein Sieg, sondern der Beginn einer kleinen Blues-Sinfonie in der 1. Liga Kanada. 07.08.643990 08:32 |
Sprücheklopfer
Das spricht vielleicht für eine schlechte Vereinskarriere - aber das war ein Höhepunkt meiner Laufbahn!
Jan-Aage Fjörtoft auf die Frage, was ihm der Siegtreffer gegen Bayern München bedeutet