// Startseite
| Canadian Soccer |
| +++ Sportzeitung für Kanada +++ |
|
|
|
Die Quebec Blues haben am 26. Spieltag der 1. Liga Kanada ein klares Statement abgegeben: Mit 2:0 besiegte das Team von Trainer Lutz Lindemann die Vancouver Whitecaps - ein Ergebnis, das auf dem Papier solide aussieht, in Wahrheit aber eine kleine Lehrstunde für die Gäste war. 38.080 Zuschauer im Stade du Nord sahen ein Spiel, das so einseitig war wie eine Schneeschaufel im Juli. Quebec spielte von Beginn an offensiv, fast schon übermütig. Lindemann hatte seine Mannschaft auf Angriff eingestellt - aggressiv, laufstark, mit Flügelspiel, das Vancouver mehrfach ins Schleudern brachte. "Wir wollten einfach Spaß haben", grinste Lindemann nach dem Spiel. "Und wenn man Spaß hat, trifft man eben auch mal das Tor." Das erste Tor fiel in der 29. Minute, und es war ein kleines Kunstwerk. Julien Malfoy, der 35-jährige Routinier auf der rechten Seite, nahm eine butterweiche Flanke von Julio Ordonez direkt ab und drosch den Ball ins rechte Eck - keine Chance für Jean Cauchon im Whitecaps-Tor. Malfoy selbst sagte später mit einem Augenzwinkern: "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass es gut aussieht." Es sah gut aus. Sehr gut sogar. Vancouver wirkte nach dem Gegentreffer konsterniert, beinahe höflich - als wollten sie sich für den Aufwand der Gastgeber bedanken. Zwar hatten die Whitecaps mehr Ballbesitz (53 Prozent), aber der Ballbesitz endete meist irgendwo in der Nähe der Mittellinie. Nur vier Torschüsse standen am Ende zu Buche - und das, obwohl Quebecs Torwart Jerome Leachman in der zweiten Halbzeit mehr Zeit hatte, mit den Fans zu plaudern als Bälle zu halten. In der 58. Minute fiel die Entscheidung: Christopher Berard, der zentrale Mittelfeldmann der Blues, zog nach feiner Vorarbeit von Hanns Lauer aus 20 Metern ab - flach, präzise, unhaltbar. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Berard lachend, "aber dann hat der Ball wohl beschlossen, eine andere Karriere einzuschlagen." Danach war Vancouver praktisch chancenlos. Trainer Lutz Lindemann reagierte gelassen: Er brachte in der 65. Minute den 18-jährigen Destiny Udogie für den erfahrenen Paul Musgrave - ein Zeichen für die Zukunft. Auch Aaron Wyler kam für Lauer, und später wurde der erschöpfte Malfoy durch Oliver Schmitt ersetzt. "Julien hätte gern noch ein drittes Tor geschossen", sagte Lindemann, "aber er hat mehr geschwitzt als ein Schneemann im August." Die Whitecaps hingegen blieben ihrem "balanced" Ansatz treu - so ausgeglichen, dass selbst die Eishockeyfans im Stadion anfingen, über Powerplays zu diskutieren. Trainerstatements gab es nur mit Zähneknirschen. "Wir hatten die Kontrolle", meinte Whitecaps-Coach trocken, "aber leider nicht über den Ball." Die Statistik spricht ohnehin Bände: 20 Torschüsse für Quebec, nur vier für Vancouver. Die Blues gewannen 56 Prozent ihrer Zweikämpfe und liefen ihre Gegner permanent an. Selbst in der Nachspielzeit, als Aaron Wyler (91.) noch einmal abzog, schien Quebec mehr Lust auf Tore zu haben als Vancouver auf Punkte. Nur ein letzter Verzweiflungsschuss von Alexandre Huxley in der 93. Minute erinnerte daran, dass auch die Gäste theoretisch am Spiel teilnahmen. Nach dem Abpfiff war die Stimmung ausgelassen. Die Fans sangen, die Spieler tanzten, und Lutz Lindemann witzelte: "Wenn wir so weitermachen, müssen wir bald Eintritt für Trainings verlangen." Julien Malfoy fasste den Abend wohl am besten zusammen: "Ich bin alt genug, um zu wissen, dass man solche Spiele genießen muss. Und jung genug, um noch eins zu schießen." Die Quebec Blues haben mit diesem Sieg nicht nur drei Punkte geholt, sondern auch Selbstvertrauen getankt. Vancouver dagegen wird sich fragen müssen, ob Ballbesitz ohne Durchschlagskraft wirklich ein Konzept ist oder nur eine Beschäftigungstherapie. Am Ende blieb das Gefühl, dass Quebec an diesem Abend alles richtig gemacht hat - zielstrebig, frech, mit einem Hauch Ironie. Und wer weiß: Vielleicht war es der Beginn einer späten Saisonrallye, angeführt von einem 35-jährigen Rechtsaußen, der bewiesen hat, dass Erfahrung manchmal besser ist als alle Taktiktafeln der Welt. Oder, wie Lindemann beim Rausgehen sagte: "Fußball ist einfach - man muss nur die richtigen Leute haben, die ihn kompliziert aussehen lassen." 07.07.643993 07:10 |
Sprücheklopfer
Berti Vogts ist die arme Sau, die von den Medien durchs Dorf getrieben wird.
Rainer Calmund