Canadian Soccer
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Blues tanzen White Rock schwindlig - 3:0-Auswärtssieg mit Stil und Spott

Es war ein frostiger Abend in White Rock, aber die 27.000 Zuschauer im Stadion bekamen eine Lehrstunde in kanadischer Fußballkultur - und zwar vom Gast. Die Quebec Blues spielten White Rock United von der eigenen Felsenbühne und nahmen beim 3:0 (1:0) alle Punkte mit auf die Heimreise. "Wir wollten zeigen, dass Blues nicht nur eine Musikrichtung ist, sondern auch ein Spielplan", grinste Quebec-Trainer Lutz Lindemann nach der Partie, während hinter ihm seine Spieler in der Kabine "Oh, what a night!" sangen - eher ironisch, versteht sich.

Dabei hatte es für die Gastgeber zunächst gar nicht so schlecht begonnen. White Rock United, offensiv ausgerichtet und mit leichtem Ballbesitzvorteil (52 Prozent), begann mutig. Schon in der 5. Minute prüfte Javier Custodio mit einem satten Linksschuss den Blues-Keeper Thomas Trottier. Der hielt - und das sollte symptomatisch bleiben. "Ich dachte, irgendwann muss doch einer reinrutschen", murmelte Custodio später und zuckte mit den Schultern.

Die Blues dagegen spielten wie eine Jazzband: locker, präzise, mit plötzlichen Soli. In der 23. Minute war es dann Julien Malfoy, der nach perfekter Vorarbeit von Oscar Sancho den ersten Ton setzte - 1:0. Malfoy, 35 Jahre alt und mit der Ruhe eines Mannes, der schon alles gesehen hat, schob den Ball lässig vorbei an Keeper Rhys Nicksay. "Oscar hat mir den Ball so serviert, ich musste nur noch guten Appetit sagen", witzelte Malfoy später.

White Rock wirkte kurz geschockt, fing sich aber wieder. Sie kombinierten gefällig, kamen durch William Ward (50.) und Julien Bourgeois (53.) zu Chancen, doch Trottier stand wie ein Fels. "Wir haben geschossen, sie haben getroffen - das fasst’s gut zusammen", meinte Wards Kollege Yves Hensley trocken.

Nach dem Seitenwechsel erhöhten die Blues das Tempo - und die Effizienz. In der 54. Minute kam Innenverteidiger Rhys Hamlin nach einer Ecke von Sergio Espinosa zum Kopfball. 2:0. Ein Tor aus dem Lehrbuch für "Wie man als Verteidiger heimlich Stürmer spielt". White Rocks Abwehr stand dabei Spalier, als wollten sie Hamlin zum Jubiläum gratulieren. "Da hat keiner gerufen - wahrscheinlich dachten alle, der Ball geht ins Aus", knurrte White-Rock-Coach in der Pressekonferenz, nannte aber keine Namen.

Vier Minuten später machte Marwin Sonnenschein den Deckel drauf. Nach feiner Vorarbeit von Hanns Lauer schlenzte der Mittelstürmer den Ball ins lange Eck - 3:0. Sonnenschein, Name wie aus einem Sommerroman, spielte an diesem Abend als ginge gerade die Sonne über Quebec auf. "Ich wollte einfach Spaß haben, und wenn’s dann klingelt, ist das Bonus", sagte er mit einem breiten Grinsen.

Was folgte, war ein Lehrstück in Spielkontrolle: Die Blues ließen Ball und Gegner laufen. Sie schossen insgesamt 17-mal aufs Tor, während White Rock mit 7 Versuchen und schwindendem Selbstvertrauen zu kämpfen hatte. Die Tackling-Quote von nur 46 Prozent sprach Bände. Quebec dagegen presste dosiert ("Pressing? Nur wenn’s knapp wird", hatte Lindemann vor dem Spiel gesagt) und wirkte in jeder Phase überlegen.

In Minute 59 wechselte Lindemann den fleißigen Barend Veeder aus, Carsten Döring kam und brachte frische Beine. Später durfte auch Routinier Detlev Herrmann zeigen, dass man mit 35 noch eine rechte Seite dichtmachen kann. Selbst das Publikum, das anfangs noch jeden White-Rock-Angriff bejubelte, wirkte irgendwann ratlos. Ein älterer Fan auf der Tribüne fasste es bitter-komisch zusammen: "Wir haben den Ball, sie haben die Tore - ist doch auch was."

Als Schiedsrichterin Jana Moreau nach 92 Minuten abpfiff, war der Frust sichtbar. Die Blues tanzten in einer Jubeltraube, während White Rock-Spieler betreten auf den Rasen starrten. "Heute war’s eine Lektion in Konsequenz", gab White Rocks Kapitän Lucas Barthez zu. "Wir hatten mehr Ballbesitz, aber das bringt nichts, wenn du damit nur die Uhr polierst."

Lutz Lindemann schloss die Pressekonferenz mit einem trockenen "Ich bin zufrieden - vor allem, dass sich keiner verletzt hat. Und dass wir jetzt zwei Tage frei haben." Ein Reporter fragte, ob sein Team nun an die Tabellenspitze glaube. Lindemann grinste: "Wir glauben an gutes Essen, guten Schlaf und nächste Woche an drei weitere Punkte."

White Rock United dagegen wird sich fragen müssen, wie man mit so viel Ballbesitz so wenig Biss zeigen kann. Vielleicht hilft eine Woche Blues hören - um zu verstehen, wie man Rhythmus und Präzision verbindet.

Und so endete der Abend in White Rock: Die Zuschauer gingen leise, die Blues sangen laut. Ein gerechtes 0:3 - und eine Erinnerung daran, dass Musik manchmal einfach schöner klingt, wenn man den richtigen Takt trifft.

21.05.643993 20:55
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Ich hatte vor der Saison ein Angebot aus England. Wäre ich bloß hingegangen. In England ist Fußball wenigstens noch Männersport und nichts für Tunten.
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