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Die Quebec Blues haben am eisigen Mittwochabend des 12. Spieltags der 1. Liga Kanada eine kleine Fußballlektion erteilt. Vor 39.242 bibbernden, aber glücklichen Fans im Stade de Glace ließen sie Surrey City beim 3:0 (2:0) keine Chance - und das, obwohl die Gäste den Ball häufiger sahen als die Hausherren. Doch was nützt der Ballbesitz, wenn man nicht weiß, wohin damit? Gleich zu Beginn machte Quebec klar, dass die Blues an diesem Abend nichts anbrennen lassen wollten. Bereits in der 10. Minute zirkelte Julien Malfoy, der 35-jährige Rechtsaußen mit der Eleganz eines alten Jazz-Saxophonisten, den Ball ins rechte Eck. Surrey-Keeper Stephane Bosworth streckte sich lang, sah aber aus, als würde er nach einer verlorenen Socke unter dem Bett greifen - vergeblich. Nur vier Minuten später legte der quirlige Oscar Sancho nach. Nach einem butterweichen Pass von Julio Ordonez aus dem linken Mittelfeld nahm Sancho Maß und hämmerte den Ball unter die Latte. 2:0 - und Surrey City schien schon da mehr nach Süden als nach Norden zu schauen. "Wir wollten eigentlich kompakt stehen", murmelte Surreys Trainer nach dem Spiel ins Mikrofon, "aber irgendwie war da mehr Kompaktheit bei Quebecs Pässen als in unserer Abwehrreihe." Die Blues spielten sich in einen wahren Rausch. 21 Torschüsse - mehr als fünfmal so viele wie Surrey (4). Und das, obwohl die Gäste laut Statistik 50,4 Prozent Ballbesitz hatten. Quebec-Coach Lutz Lindemann grinste nach der Partie: "Wir überlassen denen gern den Ball, solange sie nicht wissen, was sie damit anfangen sollen." In der 46. Minute, kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, machte Daan Bolsius den Deckel drauf. Nach feiner Vorarbeit von, na klar, Oscar Sancho, traf der niederländische Mittelfeldmotor aus 18 Metern flach ins Eck. Die Blues-Fans sangen, Surrey-Fans schauten betreten auf den Boden - und der Stadionsprecher hatte Mühe, seine Stimme im Jubelorkan zu halten. "Das war das schönste Tor meiner Karriere - heute jedenfalls", scherzte Bolsius später in der Mixed Zone, während hinter ihm Malfoy lachend ergänzte: "Er sagt das nach jedem Spiel." Surrey City dagegen taumelte. Manuel Futre sah in der 41. Minute Gelb, Philippe Beaupre sammelte gar zwei - erst Gelb in der 77., dann Gelb-Rot in der 84. Minute. "Ich wollte nur den Ball treffen", verteidigte sich Beaupre, "aber der Ball war irgendwie... woanders." Sein Trainer seufzte: "Ja, das war er heute öfter." Quebec spielte die Partie danach routiniert herunter, brachte mit drei 18-jährigen Talenten frisches Blut: Destiny Udogie, Louis Prinsloo und Samuel Eliot feierten ihre Liga-Minuten. Lindemann erklärte später: "Ich wollte sehen, ob die Jungs auch frieren können - sie haben bestanden." Taktisch war das Ganze ein Lehrstück der Effizienz. Während Surrey sich im "Balanced"-Modus verzettelte, blieben die Blues dauerhaft offensiv eingestellt, aggressiv im Zweikampf (Tacklingquote 57 Prozent gegen 43 Prozent) und spielfreudig bis in die Nachspielzeit. Selbst in Minute 92 knallte Malfoy noch einmal aufs Tor, als wolle er zeigen: Hier tanzt nur einer den Blues. Torhüter Jerome Leachman erlebte dagegen einen ruhigen Abend. Vier harmlose Versuche der Gäste, die er mit kalter Gelassenheit abfing. Nach Schlusspfiff zog er sich die Mütze über die Ohren und meinte trocken: "Ich hätte mir fast eine Wärmflasche ins Tor gelegt. Aber dann kam ja doch noch ein Schuss." Am Ende stand ein 3:0, das deutlicher war, als es die Zahlen ohnehin aussagten. Die Blues bleiben damit oben dran, Surrey City dagegen muss sich fragen, ob Ballbesitz ohne Ziel nicht einfach eine andere Form von Ablenkung ist. "Wir haben heute nicht nur gewonnen, wir haben getanzt", sagte Lindemann zum Abschied - halb ernst, halb schmunzelnd. Und tatsächlich: Wenn Quebec so weiterspielt, könnte der Winter in Kanada noch sehr, sehr blau werden - im schönsten Sinne des Wortes. 04.10.643990 13:02 |
Sprücheklopfer
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