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Das Stadion bebte schon beim Einlaufen, 43.500 Zuschauer stimmten ein in ein kanadisches Fußballfest, und am Ende sahen sie einen dieser Abende, an denen einfach alles passte: Die Quebec Blues besiegten die North York Stars mit 3:0 - und das, obwohl sie weniger Ballbesitz hatten und auf dem Papier defensiv schwächer aussahen. Aber Papier ist bekanntlich geduldig, Tore sind’s nicht. Von Beginn an zeigten die Blues, dass sie trotz "nur" 42 Prozent Ballbesitz nicht gewillt waren, den Gästen das Spiel zu überlassen. Schon in der ersten Minute prüfte Diego Sousa den Keeper der Stars, Roger Buffett, mit einem wuchtigen Schuss. In Minute vier wieder Sousa, in Minute fünf Veeder, in Minute sechs Malfoy - die Blues feuerten, als wollten sie alle Eishockey-Teams der Region gleichzeitig vertreten. "Wir wollten Druck machen, den Gegner gar nicht erst atmen lassen", grinste Trainer Lutz Lindemann später. Nach einer knappen Viertelstunde schienen sich die Stars zu fangen, und tatsächlich tauchte Carlos Tonel gefährlich vor dem Tor der Blues auf. Doch Torwart Thomas Trottier blieb ruhig wie ein kanadischer See am frühen Morgen. Dann kam die 19. Minute - und mit ihr die Explosion: Olivier Krieger, der fliegende Mittelfeldmann, zog nach einem feinen Zuspiel von Christopher Berard von links in die Mitte und jagte den Ball ins Netz. 1:0! Das Stadion vibrierte, und Krieger rief später lachend: "Ich wollte eigentlich flanken - aber manchmal muss man den Zufall auch arbeiten lassen." Bis zur Pause blieben die Blues tonangebend, auch wenn North York gefällig kombinierte. Die Gäste hatten mehr Ballbesitz (57 Prozent), aber ihre Angriffe wirkten wie höfliche Anfragen, während Quebec mit jedem Vorstoß ein Ausrufezeichen setzte. Rafael Baro sah in der 35. Minute Gelb, nachdem er Krieger etwas zu leidenschaftlich stoppen wollte - "er hat mich eher umarmt als gefoult", witzelte der Torschütze. In der zweiten Hälfte blieb das Bild ähnlich: Die Stars spielten, die Blues trafen. Sousa, der schon in der ersten Halbzeit wie ein Sturm im Strafraum gewütet hatte, belohnte sich in der 68. Minute. Wieder kam die Vorlage von Krieger, und diesmal zimmerte Sousa den Ball humorlos unter die Latte - 2:0, der Drops war fast gelutscht. "Ich hatte die ganze Woche schlecht geschlafen", gestand er später, "aber nach dem Tor hab ich mich gefühlt wie 25." Nur drei Minuten später fiel die endgültige Entscheidung: Hanns Lauer, der kurz darauf ausgewechselt werden sollte, zog aus halbrechter Position ab, nachdem Berard ihn mustergültig bedient hatte. 3:0 - und das Spiel war endgültig blau gefärbt. "Das war kein Zufall", meinte Lindemann nachher mit einem leicht sarkastischen Lächeln. "Wir haben einfach das gemacht, was North York vorhatte - nur schneller." Trainer Jokel Kuss von den Stars hingegen wirkte ratlos. "Wir hatten den Ball, aber keine Ideen. Vielleicht hätten wir mit dem Ballbesitz ein bisschen aufs Tor schießen sollen." Tatsächlich brachten es seine Männer auf sieben Schüsse, die Blues dagegen auf doppelt so viele (14). Drei davon saßen - und das ist nun mal die Statistik, die am Ende zählt. In der Schlussphase wurde es noch hitzig: Agustin Marques sah Gelb (74.), Lorenzo Van Poucke ebenfalls (88.). Das Publikum pfiff, die Blues wechselten munter durch: Lauer ging für Johnstone, Malfoy für Vidigal, Krieger für Ordonez. Lindemann kommentierte das mit einem Augenzwinkern: "Wenn du 3:0 führst, darfst du auch mal den Jungs auf der Bank was gönnen." Als der Schlusspfiff ertönte, lagen sich die Blues in den Armen, während die Stars mit hängenden Köpfen abzogen. Sousa nahm sich noch Zeit für die Fans, signierte ein paar Trikots und rief in die Menge: "Heute war Blues-Tag!" Ein Sieg der Effizienz, der Leidenschaft - und des Pragmatismus. Quebec spielte nach vorn, North York quer. Und während die Gäste noch nach Antworten suchten, hatte Lindemann schon den nächsten Spruch parat: "Wir sind nicht die Schönsten, aber im Moment wohl die Effektivsten." Man kann es ihm kaum verdenken - an diesem Abend tanzten die Blues wirklich mit den Stars. 30.03.643994 12:00 |
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Mario Basler