// Startseite
| Canadian Soccer |
| +++ Sportzeitung für Kanada +++ |
|
|
|
Es war ein Dienstagabend, wie ihn die 36.000 Zuschauer im ausverkauften Power Dome von Montreal nicht so schnell vergessen werden - zumindest nicht die Fans der Quebec Blues. Die Gäste aus der Hauptstadt lieferten beim 3:1 (1:1)‑Sieg einen Fußballabend, der zwischen Wucht, Witz und Wutpendel schwankte. Montreal Power dagegen begann furios, fiel dann aber auseinander wie ein schlecht aufgestelltes Kartenhaus. Kaum hatte Schiedsrichter Duvall angepfiffen, da bebte das Stadion. In der vierten Minute zirkelte der 21‑jährige Morgan Ward den Ball mit jugendlicher Unbekümmertheit ins rechte Eck - 1:0 für Montreal. "Ich dachte, der geht drüber, ehrlich!", grinste der Torschütze später. Die Vorlage kam vom Linksverteidiger Andrew Girard, der sich in alter Cafu‑Manier nach vorne getankt hatte. Power war da, Power war laut, Power war… kurz. Denn die Blues antworteten mit bemerkenswerter Ruhe. In der 20. Minute tanzte Hanns Lauer auf der rechten Seite seinen Gegenspieler aus, flankte flach in den Strafraum, wo Altmeister Julien Malfoy - 35 Jahre, graue Schläfen, goldener Fuß - eiskalt einschob. 1:1, und plötzlich spielte nur noch Quebec. Trainer Lutz Lindemann ballte an der Seitenlinie die Faust und rief seinem Team zu: "Jetzt zeigen wir ihnen, was Blues bedeutet!" Und das taten sie. 21 Torschüsse standen am Ende auf dem Statistikzettel der Gäste, während Montreal gerade einmal fünf zustande brachte. Der Ballbesitz war mit 53 zu 47 Prozent knapp verteilt, doch die Intensität der Gäste war höher - die Tacklingquote spricht Bände: 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Quebec, nur 44 für die Gastgeber. Ein Knackpunkt war die Verletzung des 18‑jährigen Innenverteidigers Louis Prinsloo in der 34. Minute. Der Teenager musste nach einem unglücklichen Zusammenprall raus, Tränen in den Augen, und wurde von Routinier Rhys Hamlin ersetzt. "Er wollte weitermachen, aber ich kenne diese Blicke - der Junge war durch", sagte Lindemann später. Ironie des Schicksals: Hamlin hielt das Abwehrzentrum danach zusammen wie ein alter Zimmermann, der weiß, welche Schraube quietscht. Nach der Pause kam Quebec mit einem Plan - und einem Ordonez. In der 48. Minute fasste sich Julio Ordonez, der elegante Linksfuß, ein Herz, zog von der Strafraumkante ab und traf flach ins linke Eck. Assistent Barend Veeder jubelte mit ausgestreckten Armen, als hätte er gerade selbst getroffen. 2:1 Blues, und Montreal lag nun sichtbar neben der Spur. Trainer des Heimteams, der sich nach dem Spiel nur mit "Wir hätten mehr laufen müssen" zitieren lassen wollte, stand ratlos am Rand, während seine Spieler wie auf einer schiefen Ebene nach hinten rutschten. Das 3:1 in der 76. Minute war dann endgültig der Wirkungstreffer: Christopher Berard spielte einen butterweichen Pass auf Veeder, der trocken vollendete. "Ich hab’s kommen sehen, aber meine Beine nicht mehr gespürt", gab Montreals Keeper James Davonport selbstkritisch zu. Die Schlussphase brachte noch eine Gelbe Karte für Montreals Innenverteidiger Julien Astruc, der sich lautstark über einen angeblichen Ellbogenstoß beschwerte - und prompt selbst verwarnt wurde. "Das war kein Ellbogen, das war ein Quebecer Händedruck", witzelte Malfoy später, was Astruc vermutlich weniger amüsant fand. In den letzten Minuten versuchte Montreal, mit langen Bällen und verzweifelten Dribblings das Unmögliche möglich zu machen. Ein Schuss von Caio Couto in der 89. Minute zwang Quebec‑Keeper Jerome Leachman zu einer Glanzparade, doch am Ergebnis änderte das nichts. Die Blues spielten das Ding mit der stoischen Ruhe einer Band, die weiß, dass die letzte Zugabe schon im Taktbuch steht. "Wir haben einfach getan, was wir immer tun - den Ball laufen lassen und draufhauen, wenn’s passt", fasste Lutz Lindemann trocken zusammen. Sein Gegenüber nickte nur stumm und verschwand in den Katakomben. So endete der Abend, an dem Montreal Power kurzzeitig elektrisierte, dann aber vom Rhythmus der Blues übertönt wurde. Quebec tanzt sich mit diesem Sieg weiter oben fest, während Montreal die Steckdose sucht. Und irgendwo in der Kabine summte Malfoy angeblich leise eine Bluesmelodie - vielleicht die schönste Art, ein 3:1 zu feiern. 14.06.643993 00:28 |
Sprücheklopfer
Ich hatte vor der Saison ein Angebot aus England. Wäre ich bloß hingegangen. In England ist Fußball wenigstens noch Männersport und nichts für Tunten.
Axel Kruse nach einer roten Karte