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Es war ein kühler Abend in Toronto, doch die 32.000 Zuschauer im Kanada-Stadion bekamen immerhin eines geboten: eine Lehrstunde in Effizienz. Die Quebec Blues besiegten den heimischen Toronto SC glasklar mit 3:0 - und das, obwohl die Gastgeber den Ball häufiger hatten. Doch Ballbesitz allein schießt bekanntlich keine Tore, und an diesem 14. Spieltag der 1. Liga Kanada zeigte Quebec eindrucksvoll, wie man aus wenigen Momenten alles herausholen kann. Schon in den ersten Minuten war klar, dass die Blues nicht zum Sightseeing angereist waren. Quebecs Stürmer Jaime Mourino prüfte den Torhüter Frederic Weise bereits in der dritten Minute. "Ich dachte, ich fang mal an, damit er wach bleibt", grinste der 34-jährige nach dem Spiel. Toronto reagierte mit zwei schnellen Gegenversuchen durch Patrick Fairchild (5.) und den jungen Didier Beaupre (6.), doch beide Male blieb Quebecs Keeper Jerome Leachman unbeeindruckt. Die erste Halbzeit war dann ein Paradebeispiel für gepflegtes Mittelfeld-Geplänkel. Toronto kombinierte gefällig, verteilte den Ball mit 53 Prozent Ballbesitz, kam aber kaum gefährlich zum Abschluss. Quebec dagegen lauerte - und traf noch nicht. Trainer Lutz Lindemann schüttelte in der Pause den Kopf und soll laut Seitenlinienmikro zu seinem Team gesagt haben: "Wenn ihr weiter so freundlich seid, lädt euch Toronto noch zum Abendessen ein." Was auch immer Lindemann in der Kabine sagte, es wirkte. Keine Minute nach Wiederanpfiff knallte Innenverteidiger Leon Bureau den Ball nach einer Ecke von Sergio Espinosa zum 0:1 ins Netz (46.). Ein Verteidiger als Dosenöffner - ironischer hätte das Script kaum sein können. "Ich war einfach da, wo sonst keiner war", erklärte Bureau und grinste breit. Toronto wirkte geschockt, und die Blues witterten Blut. Acht Minuten später erhöhte Emilio Vidigal auf 0:2 (54.), nach schöner Vorarbeit von Julio Ordonez, der über links alles in Bewegung setzte. Der Treffer war sinnbildlich: Quebecs Offensivreihe presste, lief, kombinierte - während Toronto sich fragte, warum man eigentlich den Ball ständig zurück zum Torwart spielte. "Wir hatten das Spiel eigentlich im Griff", meinte Torontos Mittelfeldmann Thomas Amyot später, "nur leider nicht das Tor." Eine treffende Analyse, denn Toronto brachte es insgesamt auf gerade vier Torschüsse - so viel wie Quebec in einer einzigen halben Stunde abfeuerte. Ganze 21 Mal prüften die Gäste den überarbeiteten Keeper Weise, der trotz seiner Paraden am Ende dreimal hinter sich greifen musste. Das dritte Tor fiel in Minute 84 - wieder durch den unermüdlichen Julio Ordonez, nach Flanke des eingewechselten Fabio Makukula. Ein Treffer, der den Abend endgültig entschied. Während Quebec jubelte, sah man auf der Heimtrainerbank nur resignierte Gesichter. Lindemann hingegen feierte den Treffer mit einem diskreten Fauststoß in die Luft. "Ich hab gesagt, wir bleiben dran, bis sie uns bitten aufzuhören", lachte er hinterher. Die letzten Minuten waren Schaulaufen. Quebec wechselte junge Talente ein - Louis Prinsloo (19) und Olivier Young (ebenfalls 19) bekamen noch ein paar Minuten Bundesliga-Luft. "Ich hab die Jungs gebracht, damit sie wissen, wie Sieg riecht", witzelte Lindemann augenzwinkernd. Toronto dagegen versuchte, wenigstens den Ehrentreffer zu erzwingen, aber Fairchilds Schuss in der 85. Minute wurde von Leachman sicher gefangen. Der Torhüter hob danach die Hand, als wolle er sagen: "Nicht heute, Freunde." Nach Schlusspfiff blieb die Erkenntnis: Quebec spielte nicht schön, aber gnadenlos effektiv. Toronto hatte mehr vom Spiel, Quebec mehr vom Ergebnis. 3:0 - und das völlig verdient. "Wir haben unsere Chancen genutzt", sagte Torschütze Vidigal trocken, "Toronto hat ihre behalten." Ein Satz, der das Spiel wohl besser zusammenfasst als jede Statistik. Und während die Blues jubelnd in den Mannschaftsbus stiegen, hörte man aus der Heimkabine nur das leise Klacken von Duschhähnen. Toronto-Coach (dessen Name man sich an diesem Abend besser nicht notiert) soll leise gesagt haben: "Manchmal verliert man, manchmal lernen die anderen." Ein Abend also, an dem die Blues tanzten - und Toronto nur zusah. 10.04.643994 23:00 |
Sprücheklopfer
Da kann er sich doch freuen, mit mir spielen zu können.
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