Jamaica News Bulletin
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Blues tanzen den Barbican-Boogie - 3:2 nach wildem Schlagabtausch

Die 59.000 Zuschauer im prall gefüllten National Stadium von Kingston bekamen am Freitagabend Fußball, wie ihn selbst Bob Marley nicht besser komponiert hätte - mit Rhythmus, Chaos und jeder Menge Gefühl. Am Ende gewannen die Kingston Blues nach einem hochemotionalen 3:2 gegen den Barbican FC, und Trainer Kevin Tüllinghoff grinste auf der Pressekonferenz so breit, als hätte er gerade den Jackpot gezogen. "Ein Spiel für die Playlist des Lebens", scherzte er und klopfte seinem Stürmer Robert Bonald auf die Schulter.

Dabei begann alles so, wie es sich ein Heimtrainer wünscht: aggressiv, laut und ohne Rücksicht auf Nerven. Die Blues stürmten von der ersten Minute an, als hätten sie vergessen, dass ein Spiel 90 Minuten dauert. Schon in der 11. Minute donnerte Bonald nach einem feinen Pass von Mittelfeldmotor Paulus Bengtsson den Ball ins Netz - 1:0! "Ich hab’ einfach draufgehalten", grinste Bonald später. "Wenn du triffst, bist du der Held. Wenn nicht, heißt es: Der Typ ist egoistisch. Heute war ich Held."

Kaum hatten die Fans den ersten Torjubel verkraftet, kam der zweite Schlag: Dominique Bettencourt traf in der 15. Minute nach einer butterweichen Flanke von Lewis Corraface. Zwei Tore in vier Minuten - das Stadion bebte, die Tribüne sang, und Barbican-Trainer Peter Heinze sah aus, als berechne er innerlich schon seine Auswechslungen. "Da denkst du kurz, du stehst in einem Actionfilm", sagte er später, "nur leider bin ich der Nebendarsteller, der gleich vom Helden verprügelt wird."

Doch Barbican FC wäre nicht Barbican, wenn sie einfach den Kopf hängen ließen. Nur zwei Minuten nach dem 0:2 brachte Andrew Forsythe sein Team zurück ins Spiel - mit einem trockenen Schuss nach feiner Vorarbeit von Cristobal Mendez. 2:1, und plötzlich roch alles wieder nach Spannung. Die Blues, bislang furios, wirkten überrascht, fast beleidigt. "Das war so ein Moment, wo du merkst: Mist, die spielen ja auch Fußball", meinte Blues-Verteidiger Isaac Bail mit einem Augenzwinkern.

Zur Pause führte Kingston also 2:1, doch das Spiel war längst nicht entschieden. Heinze stellte um, ließ über die linke Seite mehr Druck machen. Und tatsächlich: Kurz nach Wiederanpfiff, in der 47. Minute, traf der 20-jährige Nicolas Kendall zum 2:2-Ausgleich, nach Vorarbeit von Linksverteidiger James Peltier. Ein Treffer wie aus dem Lehrbuch - und das Publikum murmelte ungläubig.

"Da war kurz Funkstille auf der Bank", gab Tüllinghoff zu. Doch der Blues-Coach reagierte: In der 45. Minute hatte er bereits den erfahrenen Ricardo Jordao für Ellis Chisholm gebracht - ein Wechsel, der sich später als goldrichtig erweisen sollte. Denn in der 67. Minute war es eben jener Jordao, der nach einer energischen Vorarbeit von Christophe Besson zum 3:2 einschoss. Ein Tor aus dem Nichts, ein Schuss aus der Kategorie "Wenn du den so triffst, darfst du heute Nacht nicht schlafen gehen." Jordao rannte jubelnd zur Eckfahne, küsste das Vereinswappen - und wurde fast von den Mitspielern erdrückt.

Barbican versuchte in der Folge alles, hatte mehr Ballbesitz (55 Prozent) und kam auf zehn Torschüsse, doch Keeper Jacques Gramont hielt, was zu halten war. Besonders in der 85. Minute, als Marc Grenier frei vor ihm auftauchte, aber an den Handschuhen des Torwarts scheiterte. "Die Dinger halte ich im Training nie", lachte Gramont anschließend, "aber heute war wohl mein Glückstag."

Zwischendurch gab’s auch etwas Farbe: Barbicans Rechtsverteidiger Evan Morriss holte sich in der 54. Minute eine gelbe Karte ab - "ein Andenken an ein Spiel, das ich lieber vergessen würde", wie er später sagte.

Statistisch gesehen war Barbican das leicht überlegene Team: mehr Ballbesitz, mehr Passsicherheit, mehr Ordnung. Aber Kingston hatte mehr Wucht, mehr Herz - und, ganz ehrlich, mehr Lust auf diesen Sieg. "Wir sind eine Band", sagte Trainer Tüllinghoff zum Schluss. "Manchmal spielen wir schief, aber am Ende groovt’s doch."

Und so feierten die Blues ihren 3:2-Erfolg am 22. Spieltag der 1. Liga Jamaica wie einen Pokalsieg. Die Fans tanzten, die Spieler sangen, und irgendwo in der Kabine soll Bonald gesagt haben: "Wenn wir so weiterspielen, brauchen wir bald gar keinen Trainer mehr." Tüllinghoff grinste, als man ihn darauf ansprach: "Dann kann ich endlich meine Gitarre wieder stimmen."

Fußball in Kingston - laut, wild, unberechenbar. Und genau deshalb so schön.

30.09.643987 18:05
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Wer jetzt noch von der Meisterschaft spricht, der muß ein Diplom von der Tanzschule für Traumtänzer kriegen.
Rainer Calmund
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