Canadian Soccer
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Blues spielen sich in einen Rausch - 9:0-Spektakel gegen St. Catharine FC

Was als normales Ligaspiel begann, endete als eine jener Geschichten, die man seinen Enkeln weitererzählt - allerdings nur, wenn man Anhänger der Quebec Blues ist. Vor 40.865 Zuschauern im prall gefüllten Stadion von Quebec zerlegte die Mannschaft von Trainer Lutz Lindemann den völlig überforderten St. Catharine FC mit sage und schreibe 9:0. Ja, richtig gelesen: neun zu null. Und das, obwohl es zur Halbzeit erst 1:0 stand.

"Ich wollte den Jungs in der Pause eigentlich sagen, sie sollen etwas Tempo rausnehmen", grinste Lindemann später, "aber dann haben sie mich wohl falsch verstanden." Falsch verstanden oder einfach zu viel Spaß gehabt - die zweite Halbzeit wurde zur einseitigen Fußball-Gala.

Schon früh hatte Jaime Mourino in der 4. Minute den Torreigen eröffnet, nach feinem Zuspiel von Olivier Krieger. Der 34-jährige Mittelstürmer wirkte dabei so entspannt, als würde er beim Sonntagstraining den Ball ins leere Tor schieben. Danach hätten die Blues den Sack eigentlich schon zumachen können, doch sie ließen Chance um Chance liegen. 24 Schüsse aufs Tor zählte die Statistik am Ende, und allein in der ersten halben Stunde hätte Mourino gut und gerne einen Hattrick schnüren können.

St. Catharine FC? Versuchte es tapfer, hatte aber in der Offensive die Durchschlagskraft eines nassen Kartons. Vier magere Torschüsse, kein einziger wirklich gefährlich. "Wir wollten offensiv spielen", murmelte Gästecoach Daniel Wiltshire nach dem Abpfiff, "aber offenbar hat die Mannschaft das mit ’offen’ verwechselt."

In der zweiten Halbzeit brach dann die Dämme. Zwischen der 71. und der 92. Minute fielen acht Tore - und nein, das ist kein Tippfehler. Emilio Vidigal avancierte mit fünf Treffern (71., 74., 77., 87., 88., 92. Minute) zum Mann des Abends. Der rechte Flügelspieler war schlicht überall: auf dem Flügel, im Strafraum, wahrscheinlich sogar in den Albträumen der gegnerischen Abwehr. "Ich dachte irgendwann, das Tor sei magnetisch", scherzte Vidigal nach dem Spiel, "alles flog einfach rein."

Auch Barend Veeder (75.) und der eingewechselte Diego Sousa (81.) trugen sich in die Torschützenliste ein. Besonders Veeders Treffer nach einer butterweichen Flanke von Joseph Johnstone war ein kleines Kunstwerk - Volley aus spitzem Winkel, Torhüter Tyler Lenentine ohne jede Chance.

Zwischendurch gab’s auch etwas Farbe: In der 67. Minute sah Quebecs Linksverteidiger Matthijs Coster Gelb, offenbar aus purer Langeweile, denn gefährlich wurde der Gast da längst nicht mehr. Später revanchierte sich St. Catharines Sebastien Charpentier mit einer eigenen Verwarnung - vermutlich um zu zeigen, dass man zumindest in einer Statistik mithalten kann.

Die Zahlen sprechen ohnehin eine klare Sprache: 54,8 Prozent Ballbesitz für Quebec, 57,8 Prozent gewonnene Zweikämpfe und eine Passquote, die so präzise war, dass selbst die Stadionanzeige kurz applaudierte. Die Blues spielten mit einer Leichtigkeit, die fast schon unanständig wirkte.

Trainer Lindemann versuchte, den Sieg kleinzureden, doch selbst ihm entglitt ein Schmunzeln: "Ich sag’s mal so - wir haben heute das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Und vielleicht noch ein bisschen mehr."

Die Fans feierten ihre Helden frenetisch, während St. Catharines Spieler nur noch den Ausgang suchten. Einer von ihnen, der junge Philippe Satchmore, meinte resigniert: "Nach dem fünften Tor wollte ich einfach, dass der Schiri den Ball mitnimmt und nach Hause geht."

Am Ende blieb das Gefühl, Zeuge eines kleinen Wunders gewesen zu sein - oder eines kollektiven Zusammenbruchs, je nach Perspektive. Die Quebec Blues jedenfalls setzten mit diesem 9:0 ein Ausrufezeichen in der 1. Liga Kanada, das man noch lange hören wird.

Oder, wie der Stadionsprecher beim Abpfiff sagte, halb lachend, halb fassungslos: "Meine Damen und Herren, bitte prüfen Sie Ihre Tickets - Sie waren nicht im Kino, das war wirklich echt."

Und irgendwo in der Kabine des St. Catharine FC fiel vermutlich der Satz: "Kann man ein 9:0 eigentlich noch schönreden?" - Antwort: wohl kaum.

08.01.643994 10:36
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