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Ein lauer Märzabend in Quebec, 42 285 Zuschauer im Stadion, und ein Spiel, das erst spät aus seinem Winterschlaf erwachte: Die Quebec Blues bezwangen die Brampton Tigers mit 1:0 - ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber eine Partie krönt, die von Geduld, rohen Nerven und einem Schuss Ironie lebte. Von Beginn an zeigten die Blues, dass sie zu Hause nicht auf Konter warten. Trainer Lutz Lindemann hatte seine Elf offensiv eingestellt, das merkte man schon nach 60 Sekunden, als der 36-jährige Julien Malfoy den ersten Ball Richtung Tigers-Kasten drosch. "Ich dachte, wir starten mal mit einem Weckruf", grinste Malfoy später, "leider war der Torwart schon wach." Die Gäste aus Brampton hielten zunächst tapfer dagegen, doch ihr Angriffsspiel blieb so gefährlich wie eine Schneeflocke im Feuer. Drei Torschüsse in 90 Minuten - statistisch gesehen kaum mehr als ein höflicher Versuch. Patrick Darabont hatte in der vierten Minute die beste Gelegenheit, aber Blues-Keeper Thomas Trottier machte die kurze Ecke dicht. Danach verloren die Tigers ihren Biss. Quebec dagegen kombinierte sich in den ersten 45 Minuten mit 54 % Ballbesitz durch die Mittellinie, ohne die entscheidende Lücke zu finden. Lindemann schüttelte zur Pause den Kopf: "Wir hätten in Führung liegen müssen - aber gut, manchmal dauert ein gutes Menü auch länger im Ofen." Nach dem Seitenwechsel schalteten die Blues einen Gang höher. Olivier Krieger und Julio Ordonez feuerten aus allen Lagen, Daan Bolsius zog aus der Distanz ab, doch Tigers-Keeper Alfred Holmqvist parierte, als wolle er sich für die Nationalmannschaft empfehlen. "Ich hatte das Gefühl, die schießen auf mich, nicht aufs Tor", seufzte Holmqvist später mit einem schiefen Lächeln. In der 65. Minute brachte Lindemann frischen Wind: Jaime Mourino kam für Diego Sousa, der sich zuvor in der Sturmmitte aufgerieben hatte. Kurz darauf sah Brampton-Verteidiger Frank Krämer Rot - ein rustikales Einsteigen in der 72. Minute, das selbst seine Teamkollegen ratlos zurückließ. "Ich bin einfach zu spät gekommen", murmelte Krämer hinterher, "wie so oft im Leben." Von da an spielte Quebec praktisch auf ein Tor. Ordonez zog in der 82. Minute über links davon, legte quer, und Barend Veeder vollendete eiskalt - 1:0. Das Stadion explodierte, Lindemann riss die Arme hoch, und selbst die Ersatzspieler sprangen wie Teenager über die Bande. "Ich hab’ nur den Ball gesehen und gedacht: Jetzt oder nie", sagte Veeder, Mann des Abends, später. "Und diesmal war’s jetzt." Die letzten Minuten waren ein Lehrbuch in Sachen Nervenstärke - zumindest aus Sicht der Blues. Rhys Hamlin kassierte noch Gelb (74.), Tom Brees in der 90. Minute ebenfalls, aber die Defensive hielt. Die Tigers versuchten, mit langen Bällen ihr Glück zu erzwingen, doch ohne Krämer und mit müden Beinen blieb’s beim Versuch. Rene Robert hatte in der 87. Minute eine letzte Chance, sein Schuss landete jedoch in den Armen von Trottier, der danach genüsslich auf den Ball fiel wie ein Tourist aufs Hotelbett. Statistisch war alles klar: 15:3 Torschüsse, 57 % gewonnene Zweikämpfe, 53,9 % Ballbesitz - Quebec dominierte, auch wenn das Ergebnis knapper ausfiel, als es das Spiel hergab. Lindemann zeigte sich zufrieden: "Ein Sieg ist ein Sieg, auch wenn’s keine Kunst war. Aber ich mag ja ehrliche Arbeit." Sein Pendant bei Brampton, ein sichtlich frustrierter Coach ohne nennenswerte Offensivmomente, kommentierte trocken: "Wir haben das Spiel lange offen gehalten - leider für den Gegner." Als die Fans nach dem Abpfiff "Allez les Blues!" skandierten, grinste Veeder in die Kameras. "So ist Fußball", sagte er, "du brauchst 82 Minuten Geduld und eine Sekunde Mut." Und genau diese Sekunde machte den Unterschied an diesem Abend. Am Ende bleibt: Quebec hat seine Hausaufgaben gemacht, Brampton die Rote Karte - und die Zuschauer bekamen zumindest im Schlussakt das, was sie wollten: Drama, Jubel, und ein bisschen Blues. 23.11.643993 08:14 |
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Kopfball war für mich immer so etwas ähnliches wie Handspiel.
Günter Netzer