Canadian Soccer
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Blues siegen im Chancenfestival - Sonnenschein trifft, Victoria blinzelt

Wenn ein Team 26 Mal aufs Tor schießt und nur zweimal trifft, könnte man meinen, es habe ein Zielproblem. Doch die Quebec Blues bewiesen am Samstagabend im heimischen "Stade du Nord" beim 2:1-Sieg gegen Victoria City, dass Hartnäckigkeit manchmal mehr wert ist als Präzision. 43.500 Zuschauer sahen ein Spiel, das wie ein Rockkonzert begann - laut, wild und mit einem Publikum, das jede vergebene Chance mit einem kollektiven "Oooh!" quittierte.

Trainer Lutz Lindemann hatte seine Blues wie gewohnt offensiv eingestellt. Schon in der zweiten Minute prüfte Marwin Sonnenschein den jungen Gästekeeper Bruno Marchand - ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte: ein Sturmlauf in Blau. Victoria City hingegen zeigte sich zunächst unbeeindruckt, hielt den Ball länger in den eigenen Reihen (Ballbesitz 54 Prozent), ohne daraus nennenswerte Gefahr zu entwickeln.

In der 13. Minute bekam Albert Enriquez Gelb - sinnbildlich für den rustikalen Versuch der Gäste, den Blues den Rhythmus zu nehmen. "Wir wollten sie ein bisschen ärgern", gab Enriquez später zu, "aber anscheinend hat das nur sie wachgeküsst."

Denn ab der 20. Minute rollte Angriff um Angriff auf das Tor der Gäste. Kobe Piersens, Andre Paré, Tom Brees - jeder durfte mal. Nur das Netz wollte nicht mitspielen. "Ich dachte schon, wir müssten das Tor größer machen", scherzte Lindemann hinterher. Kurz vor der Pause dann der erste taktische Kniff: Hanns Lauer kam für Daan Bolsius. "Hanns ist ein Terrier", erklärte der Coach. "Wenn er anläuft, haben selbst Flutlichtmasten Angst."

Und siehe da - kaum sechs Minuten nach Wiederanpfiff war der Terrier zur Stelle. In der 51. Minute verwertete Lauer eine butterweiche Flanke von Olivier Krieger zum 1:0. Der Jubel war so laut, dass selbst die Schneemänner vor dem Stadion applaudierten. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Krieger später, "aber Hanns hat beschlossen, das Ding einfach reinzudrücken."

Victoria City antwortete prompt: Nur sieben Minuten später traf Marcel Deschanel nach feinem Zuspiel von Marc Besson zum Ausgleich. Ein kalter Schock für die Blues, die bis dahin kaum etwas zugelassen hatten. "Wir haben einmal nicht aufgepasst, und zack - typisch Fußball", seufzte Torwart Jerome Leachman.

Doch wer dachte, die Partie kippe, unterschätzte Marwin Sonnenschein. In der 66. Minute nutzte der Mittelstürmer einen Querschläger im Strafraum, den Innenverteidiger Leon Bureau geistesgegenwärtig nach vorne drosch. Sonnenschein nahm das Leder mit der Brust, zog ab - 2:1. Der Ball zischte wie ein geölter Puck ins rechte Eck. Marchand flog, aber nur fürs Fotoalbum. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Sonnenschein. "Manchmal ist Denken überbewertet."

Danach wurde es kurz hektisch: Paul Musgrave verletzte sich (57.), musste raus, Matthijs Coster kam. Victoria versuchte, das Spiel zu beruhigen, kam aber nur noch zu zwei verirrten Torschüssen in der Schlussphase. Sergio Bosingwa (81.) und Corey Lockwood (82.) versuchten ihr Glück, aber Leachman blieb cool wie ein kanadischer Winter.

Statistisch gesehen war es ein seltsames Spiel: Victoria hatte mehr Ballbesitz, Quebec fast zehnmal so viele Torschüsse (26:3) und eine Zweikampfquote von fast 60 Prozent. Ein typisches Beispiel dafür, dass Zahlen manchmal lügen - oder zumindest nur die halbe Wahrheit erzählen.

Gästecoach Esteban Rodrigues nahm es mit Galgenhumor: "Wir hatten den Ball, sie hatten die Tore. Ich werde das nächste Mal wohl auf Tore zählen umstellen." Lindemann hingegen wirkte zufrieden, aber nicht euphorisch: "Wir müssen effizienter werden. 26 Schüsse, zwei Tore - das ist Mathematik für Masochisten."

Am Ende feierten die Blues ihren Sieg ausgelassen, während Victoria City wortlos in die Kabine verschwand. Nur Deschanel blieb kurz stehen, warf einen Blick auf die jubelnde Tribüne und murmelte: "So laut war’s bei uns zuletzt an Weihnachten."

Ein würdiger Abend in Quebec: viel Einsatz, ein bisschen Chaos, zwei schöne Tore und ein Publikum, das sich endlich wieder warm klatschen durfte. Wenn die Blues so weitermachen, könnte der Norden Kanadas bald wieder an Fußball glauben - oder zumindest an Sonnenschein im Februar.

27.01.643991 22:07
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Ja, aber das war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.
Holger Fach auf die Frage, ob er schon einmal vor dem DFB-Sportgericht stand
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