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Es war ein frostiger Abend in Quebec, aber auf dem Rasen des Stade du Nord brannte ein kleines Fußballfeuerwerk ab. Die Quebec Blues zerlegten die Windsor Astros am 19. Spieltag der 1. Liga Kanada mit 5:0 (3:0) - und das so überzeugend, dass selbst der Schneepflugfahrer in der Halbzeit Beifall klatschte. Schon nach wenigen Minuten zeichnete sich ab, dass die Blues an diesem Abend nicht gewillt waren, Gnade walten zu lassen. Der Ball lief flüssig, das Publikum - 43.500 in dicken Daunenjacken - wärmte sich an der entfesselten Offensive. "Wir wollten einfach Spaß haben", grinste Trainer Lutz Lindemann nach dem Spiel. "Und wenn man Spaß hat, dann fallen halt Tore." Spaß hatten vor allem seine Offensivkräfte. In der 19. Minute eröffnete Marwin Sonnenschein den Torreigen. Nach einer butterweichen Flanke von Tom Brees stieg der 32-Jährige höher als die Verteidigung der Astros und wuchtete den Ball per Kopf über die Linie. "Ich hab den Wind genutzt", witzelte Sonnenschein später, "der hat ihn praktisch reingetragen." Nur fünf Minuten später revanchierte sich der frisch gebackene Torschütze mit einem Pass auf Barend Veeder, der mit dem linken Fuß trocken zum 2:0 einschob. Die Gäste aus Windsor wirkten konsterniert, fast so, als hätte jemand die Heizung in der Kabine ausgestellt. Torhüter Pascal Carter fluchte lautstark, seine Vorderleute suchten derweil noch nach Orientierung - oder Handschuhen. Das 3:0 (31.) war schließlich das Produkt eines perfekten Zusammenspiels: Brees flankte erneut, Veeder stand goldrichtig. Eine Kopie des zweiten Treffers, aber die Blues-Fans jubelten, als wäre es der Siegtreffer in einem Pokalfinale. "Die Jungs haben heute einfach gemacht, was sie wollten", meinte Lindemann kopfschüttelnd, "und ich hab mich nicht getraut, sie zu bremsen." Mit 3:0 ging es in die Pause - Windsor hatte bis dahin zwei Torschüsse, beide so harmlos, dass Torwart Jerome Leachman vermutlich mehr Bewegung beim Aufwärmen hatte. Die Gäste blieben auch in der zweiten Hälfte offensiv ausgerichtet, doch es half nichts. Quebec dominierte weiter, 21 Torschüsse insgesamt, 52 Prozent Ballbesitz - und das Gefühl, dass jede Aktion gefährlich werden konnte. In der 69. Minute kam dann der Auftritt eines Mannes, den man dort nicht erwartet hätte: Rechtsverteidiger Detlev Herrmann. Nach einer Vorlage von Olivier Krieger hielt er einfach mal drauf - und siehe da, die Kugel schlug unhaltbar zum 4:0 ein. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Herrmann hinterher grinsend zu. "Aber dann dachte ich mir, ach komm, vielleicht verirrt er sich ja ins Tor." Kurz vor Schluss (91.) durfte dann wieder Sonnenschein jubeln. Nach feinem Zuspiel von Krieger schob er den Ball überlegt ins lange Eck - 5:0, der Deckel war drauf, die Blues tanzten, und Lindemann klatschte sich mit seinem Co-Trainer ab. Die letzten Minuten waren geprägt von Gelben Karten (Iwanow, Herrmann, Udogie) und einem leicht genervten Windsor-Kapitän Stephane Gramont, der irgendwann nur noch rief: "Leute, wir sind hier nicht beim Eiskunstlauf!" Seine Abwehrkollegen schienen das allerdings wörtlich zu nehmen - sie rutschten, stolperten, und verloren jeden Zweikampf (41 Prozent Erfolgsquote). "Das war peinlich", gestand Windsor-Mittelfeldmann Michael Carter nach dem Abpfiff. "Wir hatten keinen Zugriff, keine Idee und ehrlich gesagt: keine Lust mehr nach dem dritten Tor." Während die Gäste niedergeschlagen in die Kabine schlichen, feierten die Fans der Blues ihre Helden mit Gesängen, die selbst den Stadionsprecher übertönten. Sonnenschein wurde zum Spieler des Abends gekürt, Veeder tanzte mit einem Ball unterm Arm vom Platz, und Lindemann versprach augenzwinkernd: "Nächste Woche üben wir Verteidigen - nur zur Abwechslung." Ein Spiel, das in Erinnerung bleibt - nicht wegen der Spannung, sondern wegen der schieren Dominanz. Die Quebec Blues spielten, als wollten sie allen zeigen, dass Offensivfußball auch bei minus zehn Grad funktioniert. Windsor dagegen wirkte, als hätten sie in der Kabine vergessen, dass das Spiel längst begonnen hatte. Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn das Blues sind, will ich nie Jazz hören." Schlusswort: Manchmal ist Fußball eben einfach. Wenn du besser bist - und es auch noch genießen kannst. 04.01.643991 18:40 |
Sprücheklopfer
Statistiken, Statistiken, für Statistiken habe ich mich schon früher nicht interessiert. Statistiken sind dafür da, um gebrochen zu werden.
Matthias Sammer