Jamaica News Bulletin
+++ Sportzeitung für Jamaica +++

Blues holen in allerletzter Minute ein 2:2 bei Spanish Town

Ein lauer Februarsamstag, 54.692 Zuschauer im vibrierenden Stadion von Spanish Town - und ein Spiel, das alles hatte: Tempo, Drama, Gelbe Karten und das, was man in Jamaica wohl als "Rhythmus der Verzweiflung" bezeichnet. Am 19. Spieltag der 1. Liga Jamaica trennten sich Spanish Town und die Kingston Blues 2:2, ein Ergebnis, das beiden Teams irgendwie schmeckt - und doch nach mehr riecht.

Spanish Town-Trainer Ioannis Exis hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt, die Blues von Kevin Tüllinghoff dagegen kamen zunächst mit angezogener Handbremse - defensiv, bissig, mit viel Pressing. Doch ihre Aggressivität brachte wenig Zählbares, dafür früh Schweißperlen auf die Stirn ihres Coaches. Schon nach einer halben Stunde hatte Spanish Town das Spiel fest im Griff. Und dann kam die Doppelschlag-Symphonie.

In der 36. Minute war es Dominique Merz, der nach klugem Zuspiel von Asier Barros das 1:0 erzielte - ein Schuss, so trocken, dass selbst der Ball kurz nach Wasser rief. "Ich dachte, ich hau einfach mal drauf", grinste Merz später. Nur eine Minute später legte Philippe Benoi nach. Der 35-Jährige, sonst eher für den eleganten Haken bekannt, drosch den Ball nach Vorlage von Göran Ohlson kompromisslos unter die Latte. 2:0 - die Tribüne bebte, und manch ein Fan schien schon an den Rum für die Siegesfeier zu denken.

Doch Kingston gab sich nicht auf. "Wir wussten, dass wir mehr können als das", erklärte Trainer Tüllinghoff später. "Ich habe in der Kabine gesagt: Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Würde. Oder mit einem Tor." Es sollten zwei werden.

Die zweite Halbzeit begann mit erhitzten Gemütern - Ricardo Gomes sah in der 50. Minute Gelb, weil er offenbar dachte, der Gegner sei ein Tanzpartner. Zehn Minuten später bekam auch Blues-Verteidiger Geert Vanderveer eine Verwarnung, nachdem er Maurice Beaulieu am Flügel eher rustikal stoppte. Das Publikum jubelte, der Schiedsrichter seufzte - und das Spiel kippte langsam.

Spanish Town hatte weniger Ballbesitz (45 Prozent), aber bis zur 70. Minute die besseren Chancen. Bram Leyn und Benoi prüften den Keeper Dimas Hermenegildo mehrfach, doch die Blues blieben zäh. Ihre 12 Torschüsse sagten alles: Sie wollten den Punkt.

Und dann, in der 81. Minute, brach Samuel Grantham den Bann. Nach feiner Vorarbeit von Lewis Corraface zog er aus spitzem Winkel ab - 2:1! "Der Ball war schneller drin, als ich gucken konnte", murmelte Torwart Christophe Marcel später und zog sich die Handschuhe über die Augen.

Exis reagierte mit späten Wechseln und einem Gesichtsausdruck zwischen Meditation und Melancholie. Doch das Unheil lauerte bereits in der Nachspielzeit. In der 92. Minute griffen die Blues noch einmal an, alles oder nichts. Ellis Chisholm, der zuvor in der 58. Minute eingewechselt worden war, stand plötzlich frei und schob die Kugel eiskalt zum 2:2 ein. Jubel bei den Gästen, Fassungslosigkeit bei den Gastgebern. "Ich hatte das Gefühl, die Uhr sei schon aus", sagte Chisholm nach dem Abpfiff lachend.

Die letzte Szene gehörte dann dem Schiedsrichter, der noch Maurice Beaulieu Gelb zeigte - vermutlich wegen übermäßiger Verzweiflung. Danach war Schluss, und 54.692 Kehlen sangen gleichzeitig: die einen vor Freude, die anderen vor Frust.

"Das war ein Spiel in zwei Akten", resümierte Exis in der Pressekonferenz. "In der ersten Halbzeit waren wir Künstler, in der zweiten Handwerker - leider mit stumpfem Werkzeug." Tüllinghoff grinste daneben: "Ich nehme den Punkt mit, und vielleicht auch den Ball - den haben wir ja mehr gehabt."

Ein 2:2 also, das in den Statistiken gerecht wirkt, aber in den Herzen unterschiedlich hallt. Spanish Town ließ zwei sichere Punkte liegen, Kingston Blues klauten sie mit Mut und etwas Glück. Und während die Fans von Spanish Town noch über die Nachspielzeit fluchen, tanzen die Blues in Kingston vermutlich schon durch die Nacht.

Man kann es auch so sagen: Wer zu früh feiert, kriegt den Blues.

04.01.643991 18:50
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Sie sollen nicht glauben, dass sie Brasilianer sind, nur weil sie aus Brasilien kommen.
Paul Breitner über die Dortmunder Dede und Evanilson
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager